Bielefeld"Mama, ich habe jemanden totgefahren": Ekelhafte Tricks der Schockanrufer

Die Eltern der Bielefelderin stehen nach dem Anruf vollkommen unter Schock und kurz vor dem Zusammenbruch - das kann lebensgefährlich werden.

Jens Reichenbach

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Bielefeld. Eine neue Welle von Schockanrufen erreicht aktuell wieder viele Bielefelder Senioren. Die Täter setzen ihre Opfer am Telefon psychisch so unter Druck, dass diese die Tricks der Betrüger kaum durchschauen können. Die Tochter eines betroffenen Ehepaars aus Hillegossen berichtet davon.

Es war Dienstagvormittag, 21. September, als die Bielefelder einen unerwarteten Anruf ihrer Tochter erhielten. „Jedenfalls glaubten sie, dass ich am Apparat war", berichtet die Tochter. Völlig entsetzt erfuhren sie, dass die Tochter einen tödlichen Autounfall verschuldet habe. Zwar bemerkte die Mutter, dass sie nicht die Stimme ihrer Tochter hörte, und betonte das auch im Gespräch. Doch die Frau am Telefon tat diesen Zweifel schnell ab und erklärte das damit, dass sie bereits so viel geheult habe.

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138.000 Euro, damit die Tochter nicht "eingebuchtet" wird

Kaum waren erste Zweifel aufgekommen, übernahm ein vermeintlicher Polizist den Hörer und eröffnete der Seniorin, dass die Eltern 70.000 bis 138.000 Euro zu zahlen hätten. „Er sagte, dass ich sonst eingebuchtet würde", berichtet die Tochter später. Allein an der gewählten „Räubersprache" – wie etwa „eingebuchtet" – könnten Opfer am Telefonhörer die Betrüger entlarven.

„Aber meine Eltern waren zu dem Zeitpunkt schon in einem Ausnahmezustand. Ganz einfache Plausibilitätsfragen haben sie sich gar nicht mehr gestellt." Denn die erwachsene Tochter, die nicht in Bielefeld lebt, fährt gar nicht Auto. Doch daran dachten die Eltern nicht mehr.

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Die Tochter ist unfassbar wütend: „Meine Mutter ist herzschwach. Meine Eltern haben sich auch Stunden danach noch nicht von dem Schock erholt. Den Tätern ist es völlig egal, ob die Opfer an der anderen Seite der Leitung zusammenbrechen." Tatsächlich musste für einige der Opfer sogar schon der Notarzt gerufen werden.

Panische Schreie: Opfer massiv unter Stress gesetzt

Ganz im Gegenteil: Die Betrüger setzen ganz massiv darauf, dass ihre Opfer in einen psychischen Ausnahmezustand versetzt werden. Das mindert die Konzentration und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Ungereimtheiten unwidersprochen hingenommen werden. Um den psychischen Druck noch zu befördern, setzen die Täter sogar panische Schreie ein, die die Opfer im Hintergrund des Gesprächs deutlich hören.

Die Bielefelder Opfer dieses Gesprächs hatten Glück. Als die Mutter am Telefon nach dem konkreten Unfallort fragte und weitere Verständnisfragen stellte, wurde es den Täter offenbar zu heikel. Sie legten auf. Die informierte Polizei lobte die Seniorin später für ihr Verhalten. „Trotzdem schämen sich meine Eltern jetzt. Sie kennen diese Enkeltrick-Masche eigentlich. Trotzdem wären sie fast drauf reingefallen."

Die Polizei rät: Wahrheitsgehalt unbedingt kontrollieren

Die Polizei betont: „Polizeibeamte verlangen niemals Geld – weder am Telefon, noch durch Geldboten an der Haustür." Sollten plötzlich beunruhigende Nachrichten zu Familienmitgliedern am Telefon eingehen, sollte man den Wahrheitsgehalt sofort kontrollieren. „Dazu sollte der Angerufene das aktuelle Gespräch beenden und die betroffenen Angehörigen direkt kontaktieren. Wählen Sie dazu immer bekannte Nummern Ihrer Verwandten."

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