BielefeldKamera läuft: In Bielefeld wird aktuell ein Spielfilm gedreht

Das Filmhaus beendet aktuell seinen bisher aufwendigsten Filmdreh. Was es dabei für Herausforderungen gibt, konnte unser Autor vor Ort erleben.

Jan-Henrik Gerdener

Die drei Regisseure/Autoren: Johannes Hegemann (v.l.), Janis Kuhnt und Tom Scherer. - © Jan-Henrik Gerdener
Die drei Regisseure/Autoren: Johannes Hegemann (v.l.), Janis Kuhnt und Tom Scherer. © Jan-Henrik Gerdener

Bielefeld. „Wir brauchen jemanden, der das Auto trocken reibt", wird es über den Hof der Gutenbergschule gerufen. Sofort laufen einige junge Leute mit Lappen zu einem alten, grauen Kombi und beginnen wie wild ihn abzutrocknen. Dabei hat der Regen gerade erst aufgehört. Doch das Auto muss für die nächste Szene im Film fertig sein – und in der regnet es nun mal nicht. Das Wetter ist nur eine der Herausforderungen am achten Drehtag des Bielefelder Spielfilms „Mühlen im Wind". Aber wie ein altes Filmsprichwort besagt: „Filmemachen heißt Probleme lösen."

„Das ist ein wahnsinnig professionelles Level hier", sagt Niklas Kohrt. Der Schauspieler und Schauspieldozent spielt an diesem Tag die Hauptrolle beim Dreh: ein desillusionierter Lehrer, der auf die (echte) Bielefelder Surf-Band Braindead Dogs trifft und ihnen sein Leid klagt. Kohrt war schon in mehreren Tatorten und Sokos zu sehen, spielt aber auch in Kristen Stewarts nächstem Film „Spencer" mit. Da hat sein Lob für die Bielefelder Produktion schon durchaus Gewicht. „Das Drehbuch war etwas ganz besonderes. Es hat so eine eigene Sprache", sagt Kohrt.

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"Die Sinnsuche und eine gewisse Ratlosigkeit verbindet sie alle"

Verantwortlich für das Skript ist ein ganzes Trio von Jung-Schauspielern: Janis Kuhnt und Tom Scherer von den städtischen Bühnen Bielefeld sowie Johannes Hegemann vom Thalia-Theater in Hamburg. Die drei Freunde kennen sich aus der gemeinsamen Zeit in ihrer Schauspielausbildung und haben damals schon mit einem Improvisationsfilm experimentiert.

„Mühlen im Wind" ist nur ihr erstes gemeinsames Drehbuch – bei dem sie auch Regie führen und mitspielen. Was anstrengend klingt, funktioniert in der Praxis sehr gut. Da an diesem Tag keiner der drei vor der Kamera steht, sind bei jeder Szene alle drei hinter dem Aufnahmemonitor zu finden. Nach jedem Take bespricht sich das Trio schnell und dann heißt es entweder alles auf Anfang oder die nächste Szene vorbereiten. „Es ist toll, wie sich der Film durch die Schauspieler mit Leben füllt", sagt Scherer.

Es geht um ein namenloses Dorf in Deutschland. Dort treffen in unterschiedlichen Episoden die verschiedensten Charaktere aufeinander. „Die Sinnsuche und eine gewisse Rastlosigkeit verbindet sie alle", sagt Autor Hegemann. Außer dem Lehrer und der Band sind das zum Beispiel auch der Bürgermeister und eine Wurstverkäuferin. Ein weiterer Handlungsstrang dreht sich um einen jungen Heimkehrer, der nach zwei Jahren im Ausland wieder in sein Heimatdorf samt Kinderzimmer zurückfindet.

„Wir brauchen jemanden, der mit Krischan mitgeht", hallt es über das Set. Denn für eine komplizierte Kamerafahrt muss Kamermann Krischan Rudolph mehrere Meter mit der rund 25 Kilo schweren Kamera rückwärts laufen. Dabei filmt er wie die Braindead Dogs mit mit ihrem Bandauto vor der Schule vorfahren. Nur auf dem letzten Meter der Kamerafahrt wird die Kante zu einem Blumenbeet zur Stolpergefahr. Doch sofort wird jemand gefunden, der den Weg hinter der Kamera mitgeht und ihn im Notfall vor der Kante stoppt.

"Elf Drehtage sind aber auch für uns Neuland"

Kameraexperte Rudolph hat unter anderem schon Musikvideos für die Orsons gedreht und hat schon bei mehreren Digital Cinema Workshops des Filmhauses Bielefeld mitgewirkt. Dabei könnten Filmbegeisterte und Seiteneinsteiger einmal erleben, wie das Arbeiten am Set unter richtigen Bedingungen stattfindet.

Als die drei Autoren an Rudolph wegen ihrem Film herantreten, hat er die Idee: über genau diesen Workshop ließe sich das ambitionierte Projekt umsetzen. „Elf Drehtage sind aber auch für uns Neuland", sagt Jörg Erber vom Filmhaus Bielefeld. Denn normalerweise habe der Workshop immer nur über ein verlängertes Wochenende stattgefunden. Mit einer geplanten Laufzeit von rund einer Stunde ist „Mühlen im Wind" nun aber das bisher größte vom Filmhaus gestemmte Projekt. „Ende November wollen wir den Film fertig haben", sagt Erber. Nach einer lokalen Premiere soll der Film dann auf einigen Festivals laufen.

Doch noch läuft der Dreh. Weil das Regenwetter für die Außenszenen nicht mitspielt, checkt das Team die Wettervorhersage und debattiert, wann die letzte Aufnahme draußen dann doch gedreht werden soll. Es hätte tatsächlich noch herausforderndere Tage gegeben, sagt Regisseur Hegemann, der sich kein Stück aus der Ruhe bringe lässt. Filmdrehen ist halt ein Problem nach dem anderen lösen.

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