Bad OeynhausenHeißer Flirt zwischen Reha-Patienten oder Körperverletzung?

Bei der Fortsetzung des Strafprozesses gegen einen Patienten der Klinik "Porta Westfalica" bezweifelt der Verteidiger die Glaubwürdigkeit der Geschädigten. Er fordert ein psychologisches Gutachten.

Ulf Hanke

Ein Patient der Klinik Porta Westfalica soll eine Mitpatientin laut Staatsanwaltschaft in sein Zimmer gezerrt und sie dabei verletzt haben. - © Ulf Hanke
Ein Patient der Klinik Porta Westfalica soll eine Mitpatientin laut Staatsanwaltschaft in sein Zimmer gezerrt und sie dabei verletzt haben. © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen/Halle. Von einem Kuss auf den Hals steht in der Anklage nichts. Das hat die Patientin der Reha-Klinik "Porta Westfalica" erst bei ihrer Zeugenaussage im Amtsgericht Bad Oeynhausen erzählt. Und auch erst, als das Gericht danach fragt und einen Dolmetscher für Vietnamesisch die Antwort übersetzt. Für den Verteidiger des angeklagten 52-jährigen Mannes aus Halle ist diese Zeugenaussage unglaubwürdig. Er spricht von einer "Flirtatmosphäre".

Bei der Fortsetzung des Strafprozesses wegen vorsätzlicher Körperverletzung über den ehemaligen Reha-Patienten aus Halle steht Aussage gegen Aussage. Nur die beiden ehemaligen Patienten können wissen, was an diesem 9. April 2020 gegen 22.30 Uhr vor oder in Zimmer 3051 geschah.

Ein Polizist und die damalige Zimmer-Nachbarin der Frau erzählten am Montag dem Gericht vom Gemütszustand der 37-jährigen Frau aus Oberhausen. Der Polizist sah eine aufgewühlte Frau, die aber nicht hysterisch gewesen sein. Die ehemalige Zimmernachbarin spricht davon, die Frau sei "aufgelöst" gewesen, als sie bei ihr hilfesuchend an die Tür klopfte.

Rötungen an Griffstellen

Die Mitpatientin musste die Frau wohl erst beruhigen, bevor sie überhaupt erzählen konnte, was passiert war. Demnach sei die Geschädigte mit dem Angeklagten aufs Zimmer gegangen, wo der Angeklagte ihr die Tür versperrt und sie festgehalten habe. Die Mitpatientin hat Rötungen an den Griffstellen gesehen. Die beiden hätten beraten, was zu tun sei und sich schließlich entschlossen, die Polizei anzurufen.

Der Verteidiger des Angeklagten will wissen, warum die Frau überhaupt mit dem Mann aufs Zimmer gegangen ist. Doch dazu weiß die Zimmernachbarin nicht viel zu sagen. Sie habe wohl "nur mal gucken wollen". Der Mann habe sein Zimmer angeblich auf der gleichen Etage gehabt.

Der Angeklagte stellt die Begegnung als harmlosen Reha-Flirt dar. Ganz ähnliches berichten mehrere Mitpatienten, mit denen sich der Angeklagte damals anfreundete, weil sie allesamt Russisch sprachen. Einer dieser Mitpatienten erzählte dem Gericht, zwischen dem Angeklagten und der Geschädigten habe es "gefunkt wie bei einer Kerze". Der Verteidiger spricht von "Flirtatmosphäre". Für seinen Mandanten sei es völlig unverständlich, wieso die Frau weggelaufen sei. Er habe mehrfach versucht, die Situation telefonisch zu klären. Allerdings ohne Erfolg.

Gutachten würde Prozess sprengen

Der Verteidiger bezweifelt die Glaubwürdigkeit der Geschädigten und schlägt die Einstellung des Verfahrens vor. Die Staatsanwaltschaft lehnt das ab, weshalb der Verteidiger ein psychologisches Gutachten beantragt. Die Frau habe widersprüche Angaben gemacht und wolle den Angeklagten ganz offenbar belasten. Für die Begutachtung müsste der Prozess vermutlich mehrere Monate ausgesetzt und dann von vorn begonnen werden.

Der Richter wird am 11. März über den Antrag entscheiden. Dann soll die Polizistin gehört werden, die die Anzeige der Frau aufgenommen hat.