GüterslohKirchenaustritte scheitern in Gütersloh an fehlenden Terminen

In Köln brach der Server zusammen, weil so viele wegen des Missbrauchsskandals aus der Kirche austreten wollten. Auch in Gütersloh gibt es viele Austrittswünsche. Demnächst soll das online möglich sein.

Matthias Gans

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Gütersloh. Die Debatte um das vom Kölner Kardinal Woelki zurückgehaltene Missbrauchsgutachten lässt offenbar nicht nur in der rheinischen Erzdiözese die Zahl der Kirchenaustritte in die Höhe schnellen. Auch beim Amtsgericht Gütersloh sei die Nachfrage nach Terminen von Austrittswilligen „gleichbleibend hoch", wie Gerichtssprecherin Silke Bergstermann mitteilt.

Als das Amtsgericht Köln in der vergangenen Woche die Zahl der Online-Termine für Kirchenaustritte von 500 auf 1.500 für die Monate März und April wegen der hohen Nachfrage verdreifachte, brach der Server unter der Last zusammen. Bis zu 5.000 Menschen hatten gleichzeitig darauf zugegriffen. Längst sind die insgesamt 3.000 Termine für die beiden Monate vergeben, wie ein Buchungsversuch zeigt.

Maximal zehn Termine pro Woche für Kirchenaustritte möglich

Beim Amtsgericht Gütersloh wird der Besucherverkehr wegen Corona strikt zurückgefahren. „Im derzeitigen Lockdown werden an zwei Tagen wöchentlich bis zu maximal zehn Termine für Kirchenaustritte vergeben, um das Publikumsaufkommen im Gerichtsgebäude gering zu halten", sagt Bergstermann. „Diese zehn Termine sind aber durchgehend alle vergeben." Tatsächlich übersteige die Nachfrage das derzeitige Angebot.

Rein rechnerisch müsste es also bis Ende dieser Woche bereits rund 80 Kirchenaustritte in diesem Jahr gegeben haben. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 gab es insgesamt 823 Kirchenaustritte beim hiesigen Amtsgericht, 2019 waren es sogar 1.051. „Der Rückgang der Zahlen im Jahr 2020 ist eher auf Corona-bedingte Einschränkungen zurückzuführen", so Bergstermann. Insgesamt seien die Zahlen in den vergangenen Jahren aber steigend gewesen (im Jahr 2018: 759, im Jahr 2017: 620).

Bei Jüngeren spielt die Kirchensteuer eine Rolle, bei Älteren sind es Skandale

Ob die Austritte aus der katholischen oder der evangelischen Kirche erfolgen, wird beim Amtsgericht nicht erfasst. „Das ist bei uns für die Bearbeitung des Vorganges unerheblich", so Silke Bergstermann. „Die Gründe für den Austritt werden ebenfalls nicht erfasst, sondern häufig nur beiläufig erwähnt." Aufgrund dieser Gespräche könne sie aber sagen, dass bei jüngeren Menschen die Kirchensteuer eine Rolle beim Austritt spielten.

„Gerade bei älteren Menschen spielen jedoch statt finanzieller Gründe offenbar häufig aktuelle Geschehnisse eine Rolle, größere Skandale in der Kirche oder auch einfach Ärger über den Pastor der Gemeinde", so die Gerichtssprecherin. Und da sei es nach den Erfahrungen des mit dem Kirchenaustritt betreuten Personals auch kaum ausschlaggebend, welche Konfession gerade von einem Skandal betroffen sei. „Wenn in der katholischen Kirche gerade etwas passiert ist, haben wir vermehrt auch Menschen hier, die aus der evangelischen Kirche austreten wollen."

Online-Buchung soll bald auch in Gütersloh möglich sein

Im Gegensatz zu Köln ist eines aber in Gütersloh nicht möglich: dass ein Server wegen der Terminvergabe zusammenbricht. Denn dieses Buchungsprogramm gibt es beim Gütersloher Amtsgericht nicht. Hier werden Termine vor allem noch per Telefon vergeben. Doch das soll sich ändern. „Eine Einführung bei dem hiesigen Gericht ist beabsichtigt. Ein Starttermin steht noch nicht fest", so Bergstermann.

„Das Programm für Online-Buchungen ist neu und zunächst an großen Gerichten zum Einsatz gekommen", erläutert die Gerichtssprecherin. In Köln wird das Programm beispielsweise für Einsicht in das Grundbuch oder auch für die Verpflichtung als Betreuerin oder Betreuer genutzt. In Gütersloh ist die Online-Buchung nur für die Bereiche Kirchenaustritt und Nachlasssachen vorgesehen. Silke Bergstermann: „Alles andere lohnt sich wegen des geringen Aufkommens für uns nicht."

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