"Verlassen Sie nicht Ihre Wohnung": Große Verwirrung um Corona-Brief

Als Gabriele F. einen Brief vom Gesundheitsamt bekommt, überschlagen sich ihre die Gedanken. Ich, in Quarantäne? Wo könnte ich mich angesteckt haben? Dann schaut sie genauer hin - und stutzt.

Eike J. Horstmann

Große Verwirrung um merkwürdigen Brief vom Gesundheitsamt. - © Symbolfoto
Große Verwirrung um merkwürdigen Brief vom Gesundheitsamt. (© Symbolfoto)

Bielefeld. Im ersten Moment, als sie den Brief mit dem Betreff "Vollzug des Infektionsschutzgesetzes" nur knapp überflogen hatte, überschlugen sich bei Gabriele F. die Gedanken. Ich, in Quarantäne? Wo könnte ich mich angesteckt haben? Mit wem hatte ich Kontakt? Und wie stemme ich die kommenden Tage? Dann aber schaute sie genauer hin.

Und sie stutzte: Denn im Brief stand nicht etwa, dass das Gesundheitsamt den Verdacht hegt, dass sie mit dem neuartigen Coronavirus infiziert ist, sondern dass die Behörde den Verdacht gehegt hatte – und zwar bereits Mitte Dezember. „In dem Moment habe ich über den Brief gelacht", sagt Gabriele F.

Der Brief liest sich wie eine Anleitung zur Quarantäne

Tatsächlich liest sich das offizielle Schreiben der Stadt Bielefeld wie eine Anleitung, wie eine Quarantäne einzuhalten sei. Es wird erläutert, dass der Empfänger des Briefes die Wohnung nicht ohne ausdrückliche Zustimmung des Gesundheitsamtes verlassen dürfe oder Besuch von Personen zu empfangen, die nicht dem Haushalt angehören.

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Die Anweisungen sind jedoch passend zum längst vergangenen Datum der angeordneten Quarantäne in der Vergangenheit. Entsprechend irritiert war Gabriele F., dass sie nun scheinbar mit zwei Monaten Verspätung daran erinnert wurde, dass sie sich Mitte Dezember in häusliche Isolation hätte begeben sollen. Denn sie kann sich nicht erinnern, zum im Brief genannten Zeitraum offiziell in Quarantäne geschickt worden zu sein.

"Das Zwischenspiel wird nicht funktioniert haben"

Das Schreiben vom Gesundheitsamt sorgte für Verwirrung.  - © PRIVAT
Das Schreiben vom Gesundheitsamt sorgte für Verwirrung.  (© PRIVAT)

Gabriele F. arbeitet teilzeitig in einem Altenheim und in einem Kindergarten. Letzterer war im Dezember wegen Corona zwischenzeitlich geschlossen und die Mitarbeiter in Quarantäne geschickt worden. Davon hatte Gabriele F. allerdings nichts mitbekommen, weil sie just zu diesem Moment Urlaub hatte. „Als ich dann wieder anfangen wollte, klebte ein Zettel an der Tür, dass der Kindergarten wegen Corona geschlossen sei", erinnert sich die Bielefelderin.

Sie vermutet, dass es irgendwo eine Kommunikationspanne gegeben haben muss. „Das Zwischenspiel wird nicht funktioniert haben", sagt F., die sich dann auch ohne behördliche Anordnung aus Vorsicht selbst isoliert hatte. Wenige Tage später war der Spuk vorbei, der Kindergarten hat für die Lockdown-Notbetreuung längst wieder geöffnet. Für Gabriele F. war das Thema schon lange abgeschlossen und eigentlich auch schon vergessen – bis nun der Brief bei ihr auftauchte.

Brief kann für Arbeitnehmer von großer Wichtigkeit sein

Die Stadt Bielefeld räumt auf Nachfrage ein, dass Gabriele F. nicht die einzige ist, die sich in den vergangenen Tagen über einen gleichlautenden Brief gewundert hat. Und der Eindruck trügt nicht, dass die Schreiben mit einiger Verspätung abgeschickt wurden. Allerdings handele es sich bei den Briefen nicht um eine Anordnung, sondern um eine Bestätigung der Quarantäne.

Diese kann für Arbeitnehmer von großer Wichtigkeit sein, da sie als Beleg für den Verdienstausfall dem Arbeitgeber beziehungsweise dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vorgelegt werden kann. „Das Gesundheitsamt hatte in diesem Bereich Arbeitsrückstände, ist aber mittlerweile wieder auf aktuellem Stand", sagt Stadtsprecher Daniel Steinmeier.

Die Rückstände seien insbesondere auf eine „massive Häufung" positiver Fälle im November und Dezember in Schulen und Kitas zurückzuführen, die „zeitnah nicht alle abgearbeitet werden" konnten. Damals sei gegenüber ganzen Schulklassen und Kitagruppen eine Quarantäne ausgesprochen worden, wonach für jede einzelne Person ein Bescheid oder eine Bestätigung erstellt worden sei.

Mehrere Bürger wunderten sich über verspätete Zustellung

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Auch im Amt selbst habe es irritierte Nachfragen von Bürgern gegeben. Da diese aber schon im November oder Dezember zur Quarantäne aufgefordert wurden, beschränkte sich die Verwunderung hauptsächlich auf die deutlich verzögerte Zustellung.

„Die Anrufer zeigten aufgrund der Vielzahl der Fälle Verständnis dafür, dass die Bestätigungen verspätet rausgegangen sind", so Steinmeier. Auch Gabriele F. zeigt nach der Beseitigung etwaiger Unklarheiten Verständnis. Etwas Unwohlsein bleibe aber, da sie im Dezember des vergangenen Jahres bei den Bescheiden für ihren Kindergarten wohl übersehen worden sei. „Ich war völlig ahnungslos", sagt F.

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