Einzigartig in Bielefeld: QR-Code auf Flitzer Ernies Grab

Ernst-Wilhelm Wittig war am 23. Dezember bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sein Bruder hatte die Idee, auch digital um ihn zu trauern.

Ariane Mönikes

Detlef Wittig an der Urnenstele auf dem Altenhagener Friedhof. Hier soll sein Bruder Ernie die letzte Ruhe finden. Über einen QR-Code auf der Stele kommt man auf seine Wikipedia-Seite. - © Foto: Andreas Zobe/NW
Detlef Wittig an der Urnenstele auf dem Altenhagener Friedhof. Hier soll sein Bruder Ernie die letzte Ruhe finden. Über einen QR-Code auf der Stele kommt man auf seine Wikipedia-Seite. (© Foto: Andreas Zobe/NW)

Bielefeld. Detlef Wittig ist immer noch geschockt. "Das hat mich richtig mitgenommen", sagt der 65-Jährige. Er meint den Tod seines Bruders Ernst-Wilhelm Wittig, den meisten Bielefeldern als "Flitzer Ernie" bekannt. Einen Tag vor Heiligabend, am 23. Dezember, war der bei einem tragischen Verkehrsunfall in Hannover ums Leben gekommen. Vergangenen Donnerstag wurde seine Urne auf dem Altenhagener Friedhof unweit des Hofes, auf dem er aufwuchs, beigesetzt.

Einzigartig in Bielefeld: Auf der grauen Urnenstele wurde ein QR-Code angebracht. Wer den mit seinem Smartphone scannt, landet auf der Wikipedia-Seite von "Flitzer Ernie". Laut Andrea Marten vom Umweltbetrieb ist die Urnenstele von "Flitzer Ernie" die erste und bislang einzige Grabstätte auf den städtischen Friedhöfen, die mit einem QR-Code versehen ist. "Damit ist Ernie nicht nur der erste Bielefelder, der ein Bodybuilding-Studio hatte", sagt Bruder Detlef Wittig.

Von einem Lkw erfasst

Die Urnenstele auf dem Altenhagener Friedhof. - © Foto: Andreas Zobe/NW
Die Urnenstele auf dem Altenhagener Friedhof. (© Foto: Andreas Zobe/NW)

Ernie war auf seinem Fahrrad von einem Lkw erfasst worden. Viele hätten großen Anteil an seinem Tod genommen. "Mein Handy glühte, sagt Wittig. Auch das mediale Echo auf Ernies Tod war groß. Vergangene Woche wurde seine Urne dann beigesetzt. "Jetzt haben alle die Möglichkeit, mehr über Ernie zu erfahren und digital um ihn zu trauern."

Flitzer Ernie posiert in die Kamera eines Lesers. - © Hans-Walter Becker
Flitzer Ernie posiert in die Kamera eines Lesers. (© Hans-Walter Becker)

Die Digitalisierung hat also auch die letzte Ruhestätte erreicht, aber in Bielefeld ist das noch Neuland. Andrea Marten erinnert sich daran, dass es schonmal eine Anfrage gab, aber daraus sei nichts geworden. Denn einfach so darf man den Grabstein seiner Angehörigen nicht mit einem QR-Code ausstatten. "Da muss ein Grabmal-Antrag gestellt werden und auch genau angegeben werden, auf welche Website der QR-Code verweist", sagt sie. Das werde von der Friedhofsverwaltung dann auch kontrolliert. Sie selbst findet die Idee gut. Aber es gibt auch Bedenken:

Wo QR-Codes nicht erlaubt sind

Der Friedhof in Heepen ist neben Stieghorst und Jöllenbeck einer von drei Friedhöfen in Bielefeld, die von der Gemeinde verwaltet werden. "Bei uns sind QR-Codes nicht erlaubt", sagt der Heeper Pfarrer Benjamin von Legat. Es werde allerdings aktuell in der Gemeinde darüber diskutiert, ob sie zugelassen werden sollen. Er rechnet mit einer Entscheidung im Frühjahr.

Dafür müsste dann auch die Friedhofssatzung geändert werden. Bislang sind in Heepen christliche Symbole, Wappen, Handwerkszeichen und ein Foto erlaubt. Aktuell gebe es in der Gemeinde den Fall eines verstorbenen Arminia-Fans - Angehörige wünschten sich das Vereins-Logo auf dem Grabstein. Von Legat selbst sei noch unentschieden, wie er die Idee mit dem QR-Code findet. Die Gräber mit Code hätten dann vielleicht eine Art Promi-Status auf dem Friedhof, die ohne Code nicht, mutmaßt er.

"Neue Möglichkeiten der Erinnerung"

"Ein QR-Code auf Grabsteinen könnte neue Möglichkeiten der Erinnerung an Verstorbene eröffnen", sagt hingegen Landeskirchenrat Vicco von Bülow. Allerdings nur, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind: So dürfe der Code die Angaben im Klartext nicht ersetzen. "Steht er als einzige Information auf dem Grabmal, dann sind alle ausgeschlossen, die nicht über die entsprechende Technik verfügen", sagt er. Und: "Die Internetseite dahinter darf nichts enthalten, was im Widerspruch zum christlichen Glauben steht."

Detlef Wittig hat für seinen verstorbenen Bruder jetzt den Anfang gemacht. Er ist stolz darauf, demnächst soll auch die Predigt, die Pfarrer Daniel Wiegmann bei der Trauerfeier hielt, auf der Wikipedia-Seite verlinkt werden.

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