Hohe Kosten: Braucht der Kreis Gütersloh wirklich ein Bike-Sharing-Angebot?

Das vom Kreis geplante Bike-Sharing wird gerade in den Städten und Gemeinden diskutiert. Wenn mindestens drei Kommunen mitmachen, kann es im Frühjahr 2022 starten.

Anja Hustert

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Kreis Gütersloh. Im Frühjahr 2022 könnte nach Ansicht von Christopher Schmiegel, Mobilitätsberater des Kreises, ein einheitliches Leihfahrrad-System starten. „Wir möchten damit gemeinsam mit dem Verkehrsverbund OWL eine Lücke füllen, um die so genannte letzte Meile abzudecken", sagt er. Also zum Beispiel mit dem Zug am Bahnhof in Gütersloh ankommen und dann die letzten Meter zum Arbeitsplatz bei Miele mit dem Leihfahrrad zurücklegen.

„Wir haben 80.000 Menschen, die jeden Tag in den Kreis einpendeln. Und knapp 150.000, die innerhalb des Kreises pendeln", sagte Schmiegel. Er präsentierte jetzt seine Idee auf der Bürgermeisterkonferenz, einige Kommunen haben in ihren Ausschüssen bereits darüber diskutiert.

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Die Stadt zeigt sich skeptisch

„Die Stadt Gütersloh beurteilt das Projekt bisher eher skeptisch – ist hier jedoch tatsächlich nicht die einzige unter den Kreis-Kommunen", sagte Stadtsprecherin Susanne Zimmermann. Kritik gab es in Gütersloh vor allem in Bezug auf anfallende Kosten für die Anschaffung von 100 bis 150 Rädern und vor dem Hintergrund, dass es hier auch Sharing-Angebote anderer Anbieter gebe. Zimmermann: „Kurzum: Es gibt noch etliche offene Fragen." Wie Inga Linzel, vom Fachbereich Stadtplanung und Bauordnung im Planungsausschuss berichtete, soll das Thema im nächsten Mobilitätsausschuss am 11. März behandelt werden.

Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es bereits ein erfolgreiches Bike-Sharing-Projekt. Hier ein Foto vom Bahnhof Meckenheim. - © RVK
Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es bereits ein erfolgreiches Bike-Sharing-Projekt. Hier ein Foto vom Bahnhof Meckenheim. (© RVK)

In Rietberg als Klimakommune hält man den Grundgedanken hinter dem Vorhaben, den öffentlichen Nahverkehr um ein weiteres Angebot attraktiver zu machen, grundsätzlich für unterstützenswert. In Verl sehen Experten mit Blick auf die Mobilstationen entlang der TWE-Strecke ebenfalls ein Potenzial. Auch in Steinhagen wurde das Projekt vom Umweltausschuss positiv aufgenommen. „Von den ländlicheren Kommunen bekomme ich eher kritische Rückmeldungen", sagte Schmiegel. Versmolds Bürgermeister Michael Meyer-Hermann sagte, er habe „arge Zweifel". „Es ist lebensfremd zu glauben, dass dieses Modell von den Menschen hier in Anspruch genommen wird."

Vielen Kommunen ist das Projekt zu teuer

„Das heißt nicht, dass Versmold kein Interesse am ÖPNV hat", meinte dagegen Liane Fülling (SPD). Aber die meisten hätten nun mal schon ein Fahrrad. Skepsis auch in Harsewinkel: „Solange wir die TWE-Anbindung nicht haben, macht es keinen Sinn", argumentierte dort der Umweltausschuss. Hier störte man sich vor allem an den Kosten - 75.000 Euro kämen in der dreijährigen Pilotphase wohl auf die Kommune zu.

Bis Ende März soll die Meinungsbildung in den Kommunen noch andauern, Christopher Schmiegel steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Mindestens drei Kommunen müssen sich bereiterklären, sich an dem zunächst auf drei Jahre angelegtes Pilotprojekt Bike-Sharing zu beteiligen. „Schön wäre eine kreisweite Verbundlösung – wenn man sich in Versmold ein Rad leihen kann und dann damit nach Halle fahren kann", so Schmiegel. Der Kreis will gemeinsam mit dem VVOWL die Ausschreibung für die beteiligten Kommunen übernehmen und die Kosten des Vergabeverfahrens tragen. Auch die Abrechnung mit den späteren Bike-Sharing-Anbieter und den Kommunen würde er organisieren. Rietbergs Bürgermeister Andreas Sunder sieht den Vorteil von günstigeren Konditionen bei einem Schulterschluss der Kommunen.

Laut Schmiegel soll es bis April in den Kreiskommunen zu einer Beschlussfassung kommen, dann könne der Kooperationsvertrag unterschrieben werden und im Mai die Ausschreibung für das Projekt beginnen. Zur Radsaison im Frühjahr 2022 würden dann die ersten Leihräder durch den Kreis rollen.

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