RegionSchneechaos im Altkreis - Räumfahrzeuge rund um die Uhr im Einsatz

Der anhaltende Schneefall am Montag und die eisigen Temperaturen haben Auswirkungen auf viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Die Postzustellung ist komplett eingestellt worden. Die Müllabfuhr findet nicht statt.

Frank Jasper, Uwe Pollmeier

Nachschub für die Streufahrzeuge. - © Kreis Gütersloh
Nachschub für die Streufahrzeuge. © Kreis Gütersloh

Altkreis Halle. Das Schneechaos vom Sonntag hält am Montag an. Viele Menschen konnten nicht zur Arbeit fahren, weil ihre Pkw im Schnee feststeckten, oder weil Bus und Bahn nicht kamen. Am Abend soll der Schnee nachlassen, aber es bleibt weiterhin sehr kalt.

+++ Update 19.00 Uhr +++

Räumfahrzeuge geben alles

Rund um die Uhr in drei Schichten sind 22 Mitarbeiter des Kreises Gütersloh auf den Kreisstraßen unterwegs, um sie zu räumen. Dabei schieben und streuen sieben Großfahrzeuge und vier Schmalspurfahrzeuge auf den 300 Kilometern. „Auf der Strecke, die so lang ist wie der Weg von Gütersloh nach Cuxhaven, haben unsere Mitarbeiter auch mehrere Privatleute aus dem Schnee gezogen oder den nötigen Anschub gegeben, damit es weitergeht", berichtet Georg Stiens vom Kreisbauhof am Montagabend. Die Bürger hätten sich sehr rücksichtsvoll verhalten, hätten die Streufahrzeuge passieren lassen.

Am Sonntag seien viele zu Hause geblieben, am Montag sei der Verkehr nicht so dicht wie üblich gewesen. Die Priorität bei der Räumung liegt nach wie vor auf den Straßen, denn Rettungswege müssen freigehalten werden. Die 175 Kilometer Radwege an Kreisstraßen sind danach an der Reihe. Die Einsatzkräfte vom Kreisbauhof hoffen darauf, dass der Wind sich legt und die Verwehungen aufhören – dann geht es auf die Radwege. Es sei nicht möglich, die Einfahrten an den Kreisstraßen frei zu räumen - das seien mehrere Hundert pro Streubezirk. Hier bittet der Kreis um Verständnis, denn die Lenkzeiten müssen eingehalten werden.

Schulen bleiben teilweise am Dienstag geschlossen

Eltern sollten sich rechtzeitig informieren, ob die Schule für ihr Kind am Dienstag eine Notbetreuung anbietet. In Steinhagen bleiben die Schulen aufgrund der Witterungsverhältnisse am Dienstag weiter geschlossen. Auch die Kita Ströhen wird nicht öffnen.

 

Der Haller Willem am Ronchin-Platz bekommt kalte Füße. Um ihn herum türmt sich der Schnee, der wohl noch lange liegenbleiben wird. - © Ulrich Faelker
Der Haller Willem am Ronchin-Platz bekommt kalte Füße. Um ihn herum türmt sich der Schnee, der wohl noch lange liegenbleiben wird. (© Ulrich Faelker)

Das CJD-Gymnasium in Versmold bietet am Dienstag keine Notbetreuung an. Die Schülerinnen und Schüler werden informiert. Die für Dienstag vergebenen Termine zur Schulanmeldungen werden ab 12 Uhr wie geplant durchgeführt. Frühere Termine werden verlegt. Die Notbetreuung in der CJD-Sekundarschule entfällt aufgrund der Wetterverhältnisse ebenfalls. Die Grundschulen in Versmold bieten eine Notfallbetreuung an.

Pflegedienste kämpfen sich durch den Schnee

Mit 42 Autos sind die insgesamt 120 Mitarbeiter des Lebensbaums am Montag unterwegs. „Alle Fahrzeuge sind im Einsatz und es hat bisher gut geklappt. Obwohl wir ja lange nicht mehr so viel Schnee hatten und ganz aus der Übung sind", sagt Geschäftsführerin Sybille Florschütz. Sehr ländlich gelegene Adresse konnten allerdings nicht angefahren werden, da die Straßen unpassierbar waren. Manchmal habe die Pflegekraft aber auch die letzten Meter zu Fuß bewältigt.

„Wir können uns aktuell nur auf die Besuche konzentrieren, die für die Versorgung lebensnotwendig sind", sagt Ann Christin Voß von der Diakoniestation Steinhagen. Denn natürlich habe auch die Belegschaft arge Probleme, ihre Arbeitsstätte überhaupt zu erreichen. Haben sie es geschafft, steigen sie in einen der Smarts der Diakonie-Flotte um. „Mit diesen kleinen Autos kommt man kaum durch den Schnee", berichtet Ann Christin Voß.

Aufgrund der extremen Schneefälle hat die Gemeinde Steinhagen Verstärkung für den eigenen Bauhof angefordert und die Firma Vollmer beauftragt, die Anliegerstraßen zu räumen. Beginnend im Ortsteil Steinhagen, dann weiter in Amshausen, Rote Erde und der Heimchen-Siedlung erfolgt zum Schluss die Räumung im Ortsteil Brockhagen. Das Steinhagener Rathaus informiert: "Bitte haben Sie Verständnis, dass die Räumung systematisch erfolgt und nicht auf Abruf."

Polizei zieht Zwischenbilanz

Die Bilanz der Polizei fällt über das gesamte Wochenende zufriedenstellend aus. Denn die meisten Menschen im Kreis waren zu Hause geblieben und nicht auf den Straßen unterwegs. Seit Samstagabend wurden der Polizei bis Montagmittag 22 Verkehrsunfälle gemeldet. Eine Person wurde dabei verletzt. Eine 21-jährige Langenbergerin kam am frühen Sonntagmorgen auf der B 64 bei Glätte von der Straße ab und touchierte mit ihrem Pkw eine Leitplanke. Sie verletzte sich leicht. Bei den weiteren Unfällen handelte es sich um Verkehrsunfälle mit Sachschäden. Über die Unfälle hinaus kam es zu Verkehrsbehinderungen, welche der Polizei gemeldet worden sind.

Die Polizei warnt: "Bitte fahren Sie auch in den kommenden Tagen wetterangepasst und planen Sie mehr Zeit für den Weg und eisfreie Autoscheiben ein. Dabei muss nicht nur die Frontscheibe frei sein, sondern alle Scheibe, um den notwendigen Rundumblick zu haben. Auch beschlagene Scheiben behindern die freie Sicht und sind nicht zulässig."

Haller Willem steht still

Vielerorts ruhen der Bus- und Bahnverkehr. Die Nord-West-Bahn hat ihren Betrieb auf allen Linien eingestellt. Davon betroffen ist auch die Haller-Willem-Strecke. Wie eine Sprecherin der Nord-West-Bahn mitteilte, fahren die ersten Züge voraussichtlich erst wieder ab Dienstagmittag.

 

Die kleine Mieka hat alles im Blick. Auf den Straßen in Hesseln wird der Schnee weggeräumt. - © Barbara Jasper
Die kleine Mieka hat alles im Blick. Auf den Straßen in Hesseln wird der Schnee weggeräumt. (© Barbara Jasper)

Halles Bürgermeister Thomas Tappe hat einen Krisenstab einberufen und teilt mit, dass die heimischen Landwirte und andere Dienstleister Unterstützung bei der Beseitigung der Schneemassen zugesagt haben. Für den Verlauf des Tages rechnet er mit einer Besserung der Lage. Bürgermeister Thomas Tappe appelliert dennoch weiter an die Bürgerinnen und Bürger, möglichst zu Hause zu bleiben, bis sich die Situation verbessert hat.

Die Unwetterlage der vergangenen Tage neigt sich laut Deutschem Wetterdienst dem Ende entgegen. Die Schneefälle lassen im Tagesverlauf nach, zeit- und gebietsweise kann es aber noch ein paar Flocken geben. Aber es bleibt die ganze Woche über sehr kalt. Polarluft dringt weiter bis in den Süden vor, entsprechend erwartet den Altkreis Halle eine Dauerfrostwoche, die in den Nächten Temperaturen von bis zu minus 13 Grad zu bieten hat.

Keine Müllabfuhr am Montag

Die Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen im Kreis Gütersloh geht davon aus, dass an diesem Montag und eventuell auch die nächsten Tage aufgrund der Witterungsverhältnisse im gesamten Kreis Gütersloh keine Abfuhr von Abfallbehältern, gelben Säcken und Sperrmüll erfolgen kann. Das ergab eine Rückfrage bei den meisten im Kreis Gütersloh tätigen Entsorgern. Selbst wenn es die Straßenverhältnisse zulassen würden, könnten die Beschäftigten die Abfallbehälter nicht durch die Schneeberge zum Fahrzeug ziehen.

Die starken Schneefälle wirken sich auch auf den Betrieb der Recyclinghöfe und Entsorgungspunkte der GEG aus. Diese bleiben voraussichtlich die gesamte Woche über geschlossen. Sofern es die Wittterung zulässt, wird über die Öffnung einzelner Recyclinghöfe und Entsorgungspunkte informiert. Das Schadstoffmobil macht in dieser Woche ebenfalls Schneepause. Außerdem wird es in der laufenden Woche keine Abholung von alten Elektrogroßgeräten geben. Für die bereits vergebenen Abholtermine werden mit den Kundinnen und Kunden Ersatztermine vereinbart.

Autobahn 33 - © Jonas Damme
Autobahn 33 (© Jonas Damme)

Schneefall bremst Post aus

Das Wetter bremst nun sogar die aus, die in den vergangenen Monaten pausenlos unterwegs waren. „Sowohl die Zustellung von Briefen als auch die von Paketen fällt zumindest am Montag aus", teilt Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group für die Region, mit. Betroffen sei nicht nur der Altkreis Halle, sondern ganz Ostwestfalen-Lippe. Da die Briefmenge am Montag eh nur zwei Prozent des wöchentlichen Aufkommens ausmacht, könne dieser Ausfall leicht in den kommenden Tagen kompensiert werden. Mehr aufzuholen gebe es da schon im Paketbereich.

„Es ist noch nicht sicher, wann es weitergeht", sagt Ernzer. Man hoffe auf eine baldige Beruhigung der Wetterlage. „Wir tun alles, was geht", sagt Ernzer. Allerdings sei man auch sehr vom Zustand der Straßen abhängig, denn neben der Zustellung vor Ort sei auch der vorherige Transport quer durchs Land stark beeinträchtigt.

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