Pandemie-BekämpfungCorona-Impfungen: Wie oft treten schwerwiegende Reaktionen auf?

Das Paul-Ehrlich-Institut sammelt alle Zahlen rund um die Corona-Impfungen. In 21 Fällen starben Patienten wenige Tage nach der Impfung. Für Mediziner und Forscher sind die Zahlen nicht überraschend.

Martin Krause

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Berlin/Bielefeld. Die Zahl der unerwünschten Nebenwirkungen der seit Ende Dezember in Deutschland vorgenommenen Corona-Impfungen hat sich in den ersten Wochen im niedrigen Promillebereich gehalten. Nach Informationen des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts im hessischen Langen wurden in der Zeit vom 27. Dezember bis zum 17. Januar rund 1,14 Millionen Menschen gegen Covid-19 geimpft.

In 645 Fällen sei anschließend über den Verdacht von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen berichtet worden. Dabei habe es sich in 145 Fällen um schwerwiegende Reaktionen gehandelt, also nach 0,013 Prozent aller Impfungen. 21 Menschen seien innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung gestorben: "Dabei ist jedoch zu beachten, dass auch Reaktionen im zeitlichen, nicht aber unbedingt im ursächlichen Zusammenhang mit einer Impfung gemeldet werden", schreibt das für Impfstoffe zuständige Bundesinstitut. Soll heißen: 21 Geimpfte starben kurz nach der Impfung, aber nicht unbedingt wegen der Impfung. Alle Verstorbenen hätten unter schwerwiegenden Vorerkrankungen wie Tumoren oder Niereninsuffizienz gelitten. Das mittlere Alter der Verstorbenen habe dem Institut zufolge bei 83,5 Jahren gelegen.

Bei neun Patienten ist die Todesursache noch nicht klar

Zwei der Betroffenen starben laut Paul-Ehrlich-Institut 4 bis 5 Tage nach der Impfung an Covid-19 - also bevor die Impfung richtig wirksam werden konnte. Neun andere Patienten seien an einer Verschlechterung ihrer Grunderkrankung gestorben, eine Diabetes-Patientin mit Bluthochdruck erlitt eine Lungenembolie. "Bei den anderen neun Patienten ist die Todesursache unklar", heißt es weiter.

Eine gewisse Zahl zufälliger Todesfälle sei bei Millionen (oft älteren) Geimpften aber zu erwarten, sagen die Wissenschaftler. Bisher liege die Zahl der Todesfälle im Rahmen der auch ohne Impfung zu erwartenden Sterblichkeit. Dabei beobachten die Forscher den weiteren Verlauf der Impfkampagne akribisch, wie sie in ihren wöchentlichen Berichten deutlich machen.

Im Fokus sind unter anderem auch die sogenannten anaphylaktischen Reaktionen, schwere allergische Reaktionen, die schon wenige Minuten nach der Zufuhr körperfremder Stoffe auftreten können - bekannt sind "anaphylaktische Schocks", die im Extremfall tödlich enden können, auch von Insektenstichen.

Jüngere Frauen gelegentlich von allergischen Reaktionen betroffen

Bis zum 17. Januar seien im Rahmen der Impfkampagne in Deutschland 32 Fälle schwerwiegender allergischer Reaktionen beobachtet worden, davon 20 Fälle von Anaphylaxien. In mehr als der Hälfte der Fälle seien die ersten Symptome - etwa Schwellungen der Zunge und des Rachens oder Hautrötungen - schon nach einer halben Stunde aufgetreten, nach wenigen Stunden oder Tagen sind sie abgeklungen. In mehreren Fällen waren jüngere Frauen betroffen. Mediziner behandeln solche Fälle in der Regel erfolgreich mit Adrenalin-Gaben oder Kortison.

Die Liste der weniger schweren aber dafür etwas häufiger gemeldeten Impfreaktionen reicht von Kopfschmerzen und Schmerzen an der Impfstelle, Ermüdung und Schwindel bis hin zu Durchfall oder Hautausschlägen.

Die große Mehrheit aller Geimpften hat bisher den Impfstoff "Comirnaty" des deutsch-amerikanischen Konsortiums von Biontech und Pfizer erhalten. Nur 2.724 der 1,4 Millionen Geimpften hatten bis zum 17. Januar das Präparat des US-Konkurrenten Moderna erhalten - hier wurden bisher nur zwei nicht-schwerwiegende Impfreaktionen bekannt.