RegionChaos bei Terminvergabe fürs Impfen: Bürger total enttäuscht und verärgert

Kaum gestartet, bricht das System für die Ü 80-Impfterminvergabe komplett zusammen. Die Telefonleitung ist dauerbesetzt, die Internetseite offline. Auch im Altkreis ärgern sich Bürger über das Chaos, dessen Ende offen ist.

Uwe Pollmeier

Viele Leute versuchen derzeit, einen Termin im Gütersloher Impfzentrum zu erhalten. - © Pixabay
Viele Leute versuchen derzeit, einen Termin im Gütersloher Impfzentrum zu erhalten. © Pixabay

+++UPDATE+++ Das Selbstmeldeformular für Kontaktpersonen auf der Corona-Sonderseite unter www.kreis-guetersloh.de/corona funktioniert wieder. Das gibt die Kreisverwaltung am Dienstag, 26. Januar, bekannt. Aufgrund eines technischen Fehlers konnten die Formulare in den vergangenen zwei Tagen nicht an das Gesundheitsamt übermittelt werden.+++

Halle. „Ich möchte Ihnen empfehlen, ab Montag einen Termin im Impfzentrum zu vereinbaren" – so steht es in dem Schreiben von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, welches in der vergangenen Woche an die gut 26.000 über 80-jährigen Bewohner des Kreises Gütersloh verschickt wurde. Eine Bitte, die offenbar auf große Gegenliebe stieß, denn schon direkt am Morgen waren weder die telefonische Hotline noch die Internetseite erreichbar.

Eine Terminvereinbarung war nicht möglich, die meisten Bürger schafften es nicht einmal, die Startseite aufzurufen. Der Haller Thomas Neldner, der für seine Mutter einen Termin vereinbaren wollte, rief direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung an und erhielt dort die Aussage, dass ein „Riesenchaos herrsche" und dass man versuche, die Technik so schnell wie möglich wieder in Gang zu bringen.

Problem existiert landesweit zwischen Minden und Aachen

Verantwortlich für die Hotline und somit die Vergabe von Impfterminen in NRW ist nicht der Kreis Gütersloh, sondern die Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe und Nordrhein. Diese baten um Geduld, denn das Problem existierte landesweit zwischen Aachen und Minden.

Zwar hatte Thomas Neldner es in rund 300 Versuchen geschafft, einmal einen benötigten Vermittlungscode aufs Handy geschickt zu bekommen, aber da dieser innerhalb von zehn Minuten online eingegeben werden musste, scheiterte er im Anschluss. „Bis ich mal endlich wieder auf die Seite kam, waren die zehn Minuten längst rum", sagt Neldner.

"Der Impfstart kommt genauso wenig überraschend wie Weihnachten"

Bereits um 8 Uhr hatte der Haller damit begonnen, einen Impftermin für seine Mutter zu reservieren. Verzweifelt habe er sogar versucht, Landrat Sven-Georg Adenauer zu erreichen. „Aus dem Kreishaus erhielt ich dann aber nur die Antwort, dass er keine Zeit hat", sagt Neldner. Dass es zum Zusammenbruch des Systems gekommen ist, kann er nicht nachvollziehen. „Damit musste man doch rechnen. Der Impfstart kommt genauso wenig überraschend wie Weihnachten", sagt Neldner.

Später gelang es ihm, einen Mitarbeiter des Kreises Gütersloh ans Telefon zu bekommen. „Der hat mir gesagt, dass alle Systeme zusammengebrochen seien und es wohl erst wieder Termine ab dem 8. Februar gibt", sagt Neldner.
Mindestens genauso sauer ist der Versmolder Joachim Walter. „Das ist doch alles einer Verarscherei hoch drei", sagt der 80-Jährige. Er hatte ebenfalls keine Chance, sich einen Termin zu sichern und kritisiert zudem den generellen Ablauf. „Warum gibt es nur ein Impfzentrum? Hier steht das Altstadt-Hotel leer und ich muss bis nach Gütersloh fahren", sagt Walter. Er habe ein künstliches Herz und sei zu 100 Prozent schwerbehindert.

Da seine Frau erst 78 Jahre alt sei, könne sie ihn zwar zum Termin begleiten, müsse aber für eine eigene Impfung Wochen später wiederkommen. „Es ist doch lachhaft, man könnte das doch auf einmal erledigen", sagt Walter. Der Ärger könnte geringer sein, wenn er „eine 23-jährige Begleitperson mitbringt", aber die habe er nicht.

Appell vom Kreis: Bitte nicht persönlich vorbeikommen

Kreissprecher Jan Focken teilte mit, dass man sich zwingend an den vorgegebenen Ablauf halten müsse. Es sei am Montag und am Wochenende zu zahlreichen persönlichen Besuchen und Anrufen bei der Kreisverwaltung gekommen. Auch am Impfzentrum seien bereits Bürger erschienen. Wegen der Überlastung bei der Terminvergabe habe es am Montag zahlreiche persönliche Nachfragen und Anrufe gegeben. Man müsse nun Geduld mitbringen, teilte die Leitung des Impfzentrums an der Marienfelder Straße mit. Denn Plätze seien noch genug frei.

Von den 10.400 Impfterminen waren am späten Montagabend 2.200 vergeben. Damit haben rund 1.100 Personen im Kreis Gütersloh ihre Termine abmachen können. Gegen 14 Uhr waren es nur 194 gewesen. In den ersten acht Wochen kalkuliert die Leitung des Gütersloher Impfzentrums mit rund 228 Impfungen pro Tag.

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