Ferndiagnose: Der Notarzt hilft im Kreis Gütersloh bald live per Video

Der Kreis Gütersloh fängt an, seine Rettungswagen umzurüsten. Nur dann ist der Telenotarzt in der Lage, seine medizinischen Entscheidungen bei Unfällen künftig per Ferndiagnose zu treffen.

Ludger Osterkamp

Symbolbild - © CC0 Pixabay (TechLine)
Symbolbild (© CC0 Pixabay (TechLine))

Gütersloh. Der Kreis Gütersloh bereitet sich auf die Einführung des Telenotarztes in Ostwestfalen-Lippe vor. Ein Telenotarzt unterstützt die Rettungsteams per Video. Damit das technisch möglich ist, will der Kreis ab sofort jedes Jahr vier Rettungswagen umrüsten.

Der Einbau der Technik werde pro Rettungswagen rund 25.000 Euro kosten - ergäbe demnach eine Investition von 100.000 Euro pro Jahr. In neuen Fahrzeugen werde die Technik künftig ohnehin eingebaut sein, so der Kreis. Ende Januar haben die Fraktionen im Gesundheitsausschuss zu entscheiden, ob sie mit diesem Vorgehen einverstanden sind.

Blutdruck, Puls, Herztöne: Alles live auf dem Bildschirm

Ein Telenotarzt soll das aktuelle System ergänzen. Bei einem Verkehrsunfall können ihm die Rettungskräfte Live-Bilder vom Unfallort und die Vitaldaten des Opfers schicken. Blutdruck, Puls, Herztöne, Sauerstoffversorgung, Atmung: All das bekommt der Telenotarzt in Echtzeit auf seinen Schirm. Er ist somit in der Lage, rasch zu entscheiden, was zu tun ist – gerade auf dem Land, wo Ärzte fehlen und der Notarzt manchmal deutlich länger als die Rettungskräfte bis zum Unfallort oder dem Ort des Herzinfarktes/Schlaganfalls braucht, kann das die entscheidenden, lebenserhaltenden Minuten ausmachen.

Schon vor zweieinhalb Jahren hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann angekündigt, er wolle das System des Telenotarztes einführen. Es gehe darum, Versorgungslücken zu schließen und das bestehende System zu ergänzen. Die Vorteile lägen auf der Hand: Schnelligkeit und rasche Diagnostik. Die Rettungssanitäter müssten nicht mehr auf den Notarzt warten und könnten schneller handeln. Oft sei es sogar verzichtbar, dass sich der rollende Notarzt überhaupt noch in Bewegung setze. Auch bei der Fahrt ins Krankenhaus kann der Telenotarzt den Transport gut überwachen, gegebenenfalls auch mehrere Transporte gleichzeitig. Während Aachen mit diesem System seit 2014 Erfahrungen sammelt und sich dort immer mehr Rettungsdienste anschließen, ist Ostwestfalen-Lippe als Pilotregion für den ländlichen Raum auserkoren; bis vor kurzem waren nur die Kreise Höxter, Lippe und Paderborn dafür vorgesehen.

Aachen sammelt schon seit 2014 Erfahrungen damit

Laut einer Mitteilung der Gütersloher Kreisverwaltung ist nun beabsichtigt, eine Trägergemeinschaft für das System des Telenotarztes zu bilden: TNA-OWL. Die Städte Bielefeld und Paderborn seien deren „Kernträger", und ebendort soll die gemeinsame Zentrale ihre beiden Betriebsstätten einrichten, vermutlich in den Räumen der jeweiligen Rettungsleitstellen. Die spezielle Fortbildung der Telenotärzte übernehmen wohl die Ärztekammern.

Die hiesige Telenotarztzentrale soll eine von zwölf bis sechzehn sein, die Laumann landesweit einrichten will. Anfang 2020 hatte der Minister dazu eine Absichtserklärung mit den Krankenkassen - sie übernehmen die Kosten - , mit den Ärztekammern und den kommunalen Spitzenverbänden abgeschlossen. Der Kreis Gütersloh will beim Umrüsten der jährlich vier Rettungswagen möglichst wirtschaftlich vorgehen: Die Technik werde dann eingebaut, wenn die Fahrzeuge ohnehin zur Generalüberholung anstehen.

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