RegionLieferengpass: Zwei Krankenhäuser im Kreis Gütersloh warten auf Impfstoff

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Symbolbild - © CC0 Pixabay/TorstenSimon
Symbolbild © CC0 Pixabay/TorstenSimon

Kreis Gütersloh. Rund 5.500 Impfdosen sind inzwischen im Kreis Gütersloh verimpft worden, informiert die Kreisverwaltung. Am vergangenen Wochenende sind in den ersten der 34 Senioreneinrichtungen die Bewohner*innen sowie die Mitarbeiter*innen zum zweiten Mal geimpft worden. Die Zahl der Impfdosen sei also nicht gleich die Zahl der geimpften Personen, erläutert die Kreisverwaltung.

"Damit haben in knapp sieben Tagen die ersten Personen den vollständigen Impfschutz", heißt es. Noch während die letzten Einrichtungen Besuch zum ersten Impfdurchlauf hatten, starteten die Impfungen in den Pflegewohngruppen und Hausgemeinschaften. "Für das Team des Impfzentrums Kreis Gütersloh eine große Herausforderung: Es sind 70 mit über 1.000 Plätzen", so der Kreis Gütersloh. Auch die Mitarbeiter*innen, die in diesen Hausgemeinschaften die Bewohner betreuen, werden geimpft. Bei der Hälfte der Wohngruppen konnte inzwischen die Erstimpfung verabreicht werden.

NRW erlässt Impfstopp

Auch in den vier Krankenhäusern sollte in dieser Woche die Coronaimpfung losgehen. Das Impfzentrum des Kreises hatte vergangenen Freitag die Impfdosen für die vier Häuser bestellt, die zusätzlich zu der wöchentlichen Impfdosenmenge von derzeit rund 1.700 geliefert werden sollten. Während am Dienstag 1.200 Impfdosen an das Städtische Klinikum Gütersloh und an das Sankt Vinzenz Hospital in Rheda-Wiedenbrück geliefert werden konnten, gingen das Elisabeth-Hospital und das LWL-Klinikum am Mittwoch leer aus. Letztere Krankenhäuser hatten 1.800 Impfdosen erwartet.

Die Ursache liegt auf der Hand: Das Land Nordrhein-Westfalen erließ am späten Dienstagabend wegen Lieferproblemen einen sofortigen Impfstopp. "Die von BioNTech aktuell mitgeteilten geänderten Liefermengen machen zwingend eine Änderung der Impfplanung erforderlich", heißt es in einem internen Schreiben, das vom NRW-Gesundheitsministerium bestätigt wurde.

Trotz Impfstopp sollen die angekommenen Dosen im Städtischen Klinikum und im Sankt Vinzenz Hospital verimpft werden, bestätigen Sprecher beider Krankenhäuser.

Orthopäde versucht sich vorzudrängeln

"Viele Bürgerinnen und Bürger müssen sich aber noch gedulden, bis sie an der Reihe sind", teilt die Kreisverwaltung mit. "Wer wann geimpft wird, hat der Bund festgelegt anhand der Empfehlung der Ständigen Impfkommission festgelegt. Der Orthopäde, der im Impfzentrum anruft, weil er seine Eltern impfen möchte, wird nicht vorgezogen. Diesen Anruf gab es wirklich."

Neben den Beschäftigten der Krankenhäuser gehören auch die Mitarbeiter*innen der Rettungsdienste und die der ambulanten Pflegedienste zu jenen, die der Kategorie 1 angehören und die laut der Impfverordnung des Bundes zuerst geimpft werden sollen. Ihre Impfung ist ab der nächsten Woche geplant.

Die Impfreihenfolge und die Priorisierung bestimmter Personengruppen sind in der bundesweiten Coronavirus-Impfverordnung festgelegt. „Wir können uns nicht über diese Verordnung hinwegsetzen. Individuelle Anfragen sind daher nicht erfolgversprechend", erklärte Bernhard Riepe, Leiter des Impfzentrums Kreis Gütersloh. Zudem sei man im ständigen Austausch mit dem Landesgesundheitsministerium und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), immer wieder mal kommen neue Vorgaben und Regelungen.

Ein Überblick: Die Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2)

➡️ Die erste Gruppe – folgende Personen haben mit höchster Priorität Anspruch auf Schutzimpfung:

1. Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben,

2. Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger ,Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind,

3. Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen,

4. Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem sehr hohen Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, in den Impfzentren im Sinne von § 6 Absatz 1 Satz 1 sowie in Bereichen, in denen für eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 relevante aerosolgenerierende Tätigkeiten durchgeführt werden,

5. Personen, die in medizinischen Einrichtungen regelmäßig Personen behandeln, betreuen oder pflegen, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht, insbesondere in der Onkologie oder Transplantationsmedizin.

➡️ Die zweite Gruppe – folgende Personen haben mit hoher Priorität Anspruch auf Schutzimpfung:

1. Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben,

2. Personen, bei denen ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht:

a) Personen mit Trisomie 21,

b) Personen mit einer Demenz oder mit einer geistigen Behinderung,

c) Personen nach Organtransplantation,

3. eine enge Kontaktperson

a) von pflegebedürftigen Personen nach § 2 Nummer 1 und nach den Nummern 1 und 2, die von dieser Person oder von ihrem gesetzlichen Vertreter bestimmt wird,

b) von schwangeren Personen, die von dieser Person oder von ihrem gesetzlichen Vertreter bestimmt wird,

4. Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege geistig behinderter Menschen tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig geistig behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen,

5. Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem unmittelbaren Patientenkontakt, Personal der Blut- und Plasmaspendedienste und in SARS-CoV-2-Testzentren,

6. Polizei- und Ordnungskräfte, die in Ausübung ihrer Tätigkeit zur Sicherstellung öffentlicher Ordnung, insbesondere bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind,

7. Personen, die im öffentlichen Gesundheitsdienst oder in besonders relevanter Position zur Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur tätig sind,

8. Personen, die in Einrichtungen nach § 36 Absatz 1 Nummer 3 oder 4 des Infektionsschutzgesetzes untergebracht oder tätig sind.

➡️ Die dritte Gruppe – folgende Personen haben mit erhöhter Priorität Anspruch auf Schutzimpfung:

1. Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben,

2. Personen, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht:

a) Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 30),

b) Personen mit chronischer Nierenerkrankung,

c) Personen mit chronischer Lebererkrankung,

d) Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion,

e) Personen mit Diabetes mellitus,

f) Personen mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, einem Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit oder arterieller Hypertension,

g) Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen oder Apoplex,

h) Personen mit Krebserkrankungen,

i) Personen mit COPD oder Asthma bronchiale,

j) Personen mit Autoimmunerkrankungen oder rheumatischen Erkrankungen,

3. Personen, die in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen tätig sind, insbesondere in den Verfassungsorganen, in den Regierungen und Verwaltungen, bei den Streitkräften, bei der Polizei, beim Zoll, bei der Feuerwehr, beim Katastrophenschutz einschließlich Technisches Hilfswerk und in der Justiz,

4. Personen, die in besonders relevanter Position in weiteren Einrichtungen und Unternehmen der Kritischen Infrastruktur tätig sind, insbesondere im Apothekenwesen, in der Pharmawirtschaft, in der Ernährungswirtschaft, in der Wasser- und Energieversorgung, in der Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft, im Transport- und Verkehrswesen sowie in der Informationstechnik und im Telekommunikationswesen,

5. Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit niedrigem Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere in Laboren, und Personal, welches keine Patientinnen oder Patienten mit Verdacht auf Infektionskrankheiten betreut,

6. Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind,

7. Personen, die als Erzieher oder Lehrer tätig sind,

8. Personen, mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen.

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