Kreis GüterslohSo viel verdient ein impfender Arzt aktuell im Kreis Gütersloh

Die finanzielle Vergütung soll die Ärzte für den zusätzlichen Arbeitsaufwand und die laufenden Betriebskosten entschädigen. Die medizinischen Helfer bekommen allerdings deutlich weniger.

Christian Bröder

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Gütersloh. Etwa 8.400 Ärzte/innen und rund 13.000 medizinische Fachkräfte haben sich nach einem Aufruf der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) für die Arbeit in einem der 27 Impfzentren, darunter auch im Kreis Gütersloh, beworben. Viele scheinen mithelfen zu wollen – und bekommen dafür auch einen ordentlichen Tagessatz.

150 Euro in der Stunde, also bei einer Acht-Stunden-Schicht pro Tag 1.200 Euro, erhält ein impfender Arzt demnach in Nordrhein-Westfalen, wo die KVWL und die Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) ihre Honorarsätze abgestimmt haben. „Bei der Honorierung wird kein Unterschied gemacht, ob es sich um einen praktizierenden Mediziner oder einen im Ruhestand handelt oder ob der Arzt im Impfzentrum oder in einer Senioreneinrichtung tätig wird", erläutert KV-Sprecherin Heike Achtermann.

Medizinische Helfer erhalten 35 bis 38 Euro pro Stunde

Einzige Abweichung: Der ärztliche Leiter innerhalb eines Impfzentrums, der gemeinsam mit dem vom Kreis gestellten organisatorischen Leiter die zuständige Koordinierungseinheit bildet, erhält für seinen Einsatz stündlich 200 Euro. „Er hat die medizinische Oberaufsicht und ist mit vielen Sonderaufgaben betraut - etwa der Bestellung des Impfstoffes oder des Terminmanagements", erklärt Achtermann.

Medizinischen Fachangestellten, die den Arzt bei einem Impfeinsatz begleiten, stehe laut der KV-Sprecherin eine Vergütung zu, „die bei mindestens 35 Euro, in der Regel aber bei 38 Euro liegt".

Sind 150 Euro pro Stunde für Beratung von Patienten und einen Piekser zu viel? Eine Debatte darüber, ob die Honorarsätze für Ärzte zu hoch seien, ist aus Sicht von Heike Achtermann schlichtweg „nicht nachvollziehbar". Sie verweist unter anderem auf die hohe medizinische und gesellschaftliche Verantwortung und den Umstand, dass mit dem Honorar Kosten gedeckt werden müssten, die durch eine Schließung der eigenen Praxis entstünden, während der Mediziner dem Impfen nachgehe: „Ein Arzt der keine Patienten behandelt, bringt schließlich kein oder weniger Geld."

Gütersloher Arzt will möglichst schnell auch in Praxen impfen

Auch aus Sicht des Gütersloher Allgemeinmediziners Matthias Hentschel gelte es zu bedenken, dass beispielsweise „die Arbeit in einem Impfzentrum on top und außerhalb der Sprechzeiten" erfolge. Zugleich würden die Betriebskosten für Raum, Personal und Einrichtung weiterlaufen. Für den Vorsitzenden des Gütersloher Ärztevereins, Wolfram Coesfeld, wäre eine aufkommende Neid-Debatte dem Kampf gegen das Virus generell nicht förderlich.

„Wir wollen nicht spalten in der Sache, wir wollen Corona stoppen." Natürlich seien impfende Ärzte einer hohen und zusätzlichen Arbeitsbelastung ausgesetzt, aber man werde eben auch zusätzlich entlohnt. Wichtig sei, so Coesfeld weiter, dass nun Tempo aufgenommen werde, um rasch möglichst eine große Anzahl an Personen zu impfen. Zur Optimierung hält es der Internist für ratsam, dass so schnell wie möglich „auch in den Praxen geimpft werden kann".

Bund und Land tragen Kosten jeweils zur Hälfte

Bundesweit fallen die Honorarsätze unterschiedlich aus, sie würden sich allerdings nach KV-Angaben allesamt in einer nahezu ähnlichen Größenordnung bewegen. Finanziert werden die Summen nach Auskunft des Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS) aus zwei Töpfen. „Die Kosten für die Errichtung und den Betrieb der Impfzentren teilen sich Bund und Land jeweils zu 50 Prozent", teilt MAGS-Sprecher Heiko Haffmans mit.

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