Neue Regel für Kinderkrankentage: Atteste künftig nicht mehr vom Arzt

Um die Beantragung der Kinderkrankentage hat es zuletzt viel Wirbel gegeben, weil wichtige Fragen nicht geklärt waren. Das hat Eltern frustriert. Jetzt kündigt sich Bewegung an.

Anneke Quasdorf, Ingo Kalischek

Es gibt Unklarheiten bei den Kinderkrankentagen. - © Symbolfoto: Pixabay
Es gibt Unklarheiten bei den Kinderkrankentagen. (© Symbolfoto: Pixabay)

Düsseldorf/Berlin. Weil sie ihre Kinder bis mindestens zum 31. Januar zuhause betreuen sollen, werden für Eltern die sogenannten Kinderkrankentage verdoppelt. Die praktische Umsetzung verwirrte aber zuletzt viele Eltern. Jetzt wurden erste Einzelheiten der neuen Regelung bekannt.

Wie das Ärzteblatt berichtet, soll die Regelung für zusätzliche Kinderkrankentage am Mittwoch im Bundeskabinett beschlossen werden und rückblickend zum 5. Januar in Kraft treten. Das Gesetz soll in der verkürzten parlamentarischen Woche eingebracht und bis Ende Januar beschlossen werden, heißt es.

Eltern hatten in der vergangenen Woche bei Kinderärzten angerufen, um ein Attest für die Kinderkrankentage zu beantragen. Das war bislang das übliche Vorgehen. Die aktuelle Situation führt aber zu Problemen: Die Familien sollen die Tage für diesen Monat auch nehmen dürfen, wenn die Kinder nicht krank sind. So soll gewährleistet werden, dass die Eltern ihre Kinder während des Lockdowns zuhause betreuen können. Darum haben die Politiker die Eltern ausdrücklich gebeten, da Schulen nur für Notbetreuung geöffnet und Kitas nur eingeschränkt offen sind.

Regel erfordert gesetzliche Anpassung

Kinderärzte wiederum sehen Probleme darin, gesunden Kindern ein Attest auszustellen. Deshalb verwiesen sie die Eltern an die Kassen. Die fühlten sich nicht zuständig. Das führte zu Verwirrung. Die neue Regel erfordert eine gesetzliche Anpassung, die aber noch auf sich warten lässt.

Ein Ende ist jetzt aber in Sicht. Diese drei Gründe sollen demnach der Krankenkasse durch Bescheinigung der jeweiligen Einrichtung nachgewiesen werden - also von den Schulen und Kitas. "Gleichzeitig soll auch festgelegt werden, dass der Anspruch auf ein Kinderkrankengeld auch unabhängig davon besteht, 'ob die geschuldete Arbeitsleistung nicht auch grundsätzlich im Homeoffice erbracht werden kann'", heißt es in dem Bericht.

Drei weitere Gründe für Anspruch

Die neue Regel sieht nach Angaben des Ärzteblatts vor, dass künftig drei weitere Gründe für einen Anspruch geben soll: Wenn Schule oder Kita geschlossen sind, wenn für Klassen oder Gruppen "pandemiebedingt ein Betreuungsverbot ausgesprochen wurde oder die Präsenzpflicht im Unterricht ausgesetzt ist oder der Zugang zum Kinderbetreuungsangebot eingeschränkt wurde".

Marcus Heidemann, Landesverbandsvorsitzender für Westfalen-Lippe des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, sagt, dass ein Attest vom Arzt dann nicht mehr nötig wäre - "wenn es so kommt". Heidemann kritisiert die schlechte Kommunikation und widersprüchliche Aussagen der Politik, die Verwirrung ins System gebracht hätten.

Susann Purucker, Koordinatorin der Jugendamtselternbeiräte OWL, ist vorsichtig. "Ich kann jedes Elternteil verstehen, dass sich auf solche Nachrichten zurzeit nicht verlässt, sondern das erst in Anspruch nimmt, wenn es Schwarz auf Weiß da steht und man genau weiß, wer auch wirklich berechtigt ist. Schließlich ist auch immer noch davon die Rede, dass das Gesetz erst Ende Januar kommt. Wer weiß, wann die Arbeitgeber dann die Mittel erhalten."

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