Gütersloher Polizei sucht mit Foto nach mutmaßlicher EC-Kartendiebin

Erst am Montag hat die Polizei im Kreis Gütersloh eine neue Fahndung mit Fotos herausgegeben. Welche Fahndungen aktuell laufen und wann eine Veröffentlichung mit Bild überhaupt erlaubt ist.

Irja Most

Wer wird aktuell wegen welcher Straftat gesucht? Im Fahndungsportal finden sich alle Fälle, in denen es eine Öffentlichkeitsfahndung gibt. - © Irja Most
Wer wird aktuell wegen welcher Straftat gesucht? Im Fahndungsportal finden sich alle Fälle, in denen es eine Öffentlichkeitsfahndung gibt. (© Irja Most)

Kreis Gütersloh. Wer kennt diese Frau? Eine neue Fahndung mit Fotos hat die Polizei im Kreis Gütersloh am Montag, 28. Dezember, veröffentlicht. Die abgebildete Unbekannte soll am 11. Juli 2020 in der Mittagszeit in der Gütersloher Innenstadt einer anderen Frau die Geldbörse gestohlen und kurz darauf mit der Debit-Karte Bargeld abgehoben haben.

Hinweise zu der Frau nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 05241/8690 entgegen. - © Polizei Gütersloh
Hinweise zu der Frau nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 05241/8690 entgegen. (© Polizei Gütersloh)

Ob Diebstahl von EC-Karten, der Überfall auf eine Tankstelle an der A2 oder der Verkauf eines Wohnmobils, das sich als gestohlen entpuppt: In insgesamt acht Fällen sucht die Polizei im Kreis Gütersloh aktuell mittels Fotos oder Phantombild nach den Tatverdächtigen, zeigt ein Blick in das noch relativ junge Fahndungsportal der Polizei NRW. Vor gut zwei Jahren ging es Mitte November online. Denn die Zeiten, an denen Fahndungsplakate an Laternenmasten geklebt wurden, sollten endgültig der Vergangenheit angehören.

Nach diesen Tatverdächtigen fahndet die Polizei aktuell für den Kreis Gütersloh

Allein in der Hälfte der Fälle sucht die Polizei Tatverdächtige, die mit einer geklauten EC-Karte Geld an einem Automaten abgehoben und dabei aufgenommen wurden. Zwei Aufrufe wollen einen Überfall auf einen Getränkemarkt und eine Autobahn-Tankstelle klären. Eine Aufnahme zeigt einen Mann in einem Zug, der eine hohe Summe Bargeld zählt. Der Betrag, den ein Käufer für ein Wohnmobil hinblätterte. Der einzige Fall, der bis ins Ausland reicht, den angrenzenden Niederlanden. Von den 13 Kommunen ist fünfmal Gütersloh als Ort genannt, einmal Rheda-Wiedenbrück und einmal Schloß Holte-Stukenbrock. Ein Fahndungsaufruf will den mutmaßlichen Dieb eines E-Bikes vom Gelände des prominenten Unternehmens Miele schnappen. Zwei Frauen und sieben Männer stehen derzeit im Portal auf der Fahndungsliste.

Nach Kaugummi-Dieb wird nicht mit Bild gesucht

Die Auswahl der Fälle und die Veröffentlichung von Fotos und Phantombildern erfolge nicht einfach so, sondern nach bestimmten Kriterien und sei gesetzlichen Vorgaben unterlegen, erklärt Mark Kohnert, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde. „Nach dem unbekannten Ladendieb, der die berühmte Packung Kaugummis geklaut hat, darf nicht mit einem Bild in der Öffentlichkeit gefahndet werden. Nur bei Straftaten von erheblicher Bedeutung, ist eine Fahndung in der Öffentlichkeit erlaubt", führt Kohnert aus. Der Höchststrafrahmen spiele dabei eine Rolle oder aber, dass der Rechtsfrieden durch die Tat empfindlich gestört und damit das Gefühl der Rechtssicherheit der Bevölkerung erheblich beeinträchtigt wurde.

Öffentlichkeitsfahndungen gäbe es immer dann, „wenn die Aufklärung von Straftaten oder die Feststellung der Identität eines unbekannten Täters auf andere Weise erheblich weniger Erfolg versprechend oder wesentlich erschwert wäre", so Kohnert. Die Strafprozessordnung habe dahingehend klare Vorgaben und die Anordnung einer Öffentlichkeitsfahndung sei grundsätzlich einem Richter vorbehalten. Nur in besonders dringlichen Fällen dürften Staatsanwaltschaften sowie Polizeibeamte diese Ermittlungsmaßnahme selbstständig anordnen, erläutert der Pressesprecher.

Warum Bilder manchmal erst sehr spät veröffentlicht werden

Weitere Gründe für eine Fahndung mit Bildern seien, wenn der Tatverdächtige gut zu erkennen sei oder spezifische Merkmale wie Kleidung, Tätowierungen, Tatwaffen oder Fahrzeuge darauf hoffen lassen, dass jemand die gesuchte Person oder Sache wiedererkennt. Auch wenn die aufgenommenen Tatverdächtigen komplett vermummt seien, könnten sie bestimmte Kennzeichen verraten, sagt Kohnert. Dass in Fällen auch erst sehr viel später nach der Tat Bilder rausgegeben werden, was häufig Fragen bei Lesern im Zuge einer Medienveröffentlichung aufwirft, hänge vom Ermittlungsstand ab und inwieweit die Möglichkeiten, den Täter auf anderem Wege zu ergreifen, ausgeschöpft seien.

Wie nützlich Hinweise aus der Bevölkerung letztendlich seien, lasse sich laut Kohnert nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich gelte aber: „Je mehr Hinweise zu einer Öffentlichkeitsfahndung bei der Polizei eingehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schlüsselhinweis zum Ermittlungserfolg führen kann. Jeder auch nur kleine Hinweis kann für die Ermittlungsarbeit dienlich sein. Deshalb sollten Bürgerinnen und Bürger nicht zögern, jede noch so kleine Beobachtung oder Feststellung den Polizeibehörden mitzuteilen", unterstreicht der Pressesprecher der Kreispolizeibehörde.

Hinweise können direkt im Portal abgegeben werden

Hinweise können Besucher des Fahndungsportals direkt im Internet abgeben. In einigen Fällen, wie der räuberischen Erpressung an der A2-Tankstelle, weist die Polizei daraufhin, dass Bürger zu ihrer eigenen Sicherheit nicht eigenmächtig versuchen sollten, die Tatverdächtigen zu schnappen. In dringenden Fällen sollten sie den Notruf 110 wählen. "Da die Gesuchten möglicherweise bewaffnet sind, verständigen Sie auf jeden Fall die Polizei und sprechen Sie die Tatverdächtigen nicht an", betont die Polizei im Fahndungsportal.

Info
Hier geht es zum NRW-Fahndungsportal:

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