GüterslohA49-Ausbau: Gütersloher Umweltaktivisten kämpfen mit um den Dannenröder Forst

Eine Gruppe aus OWL unterstützt die Waldbesetzer. Ihnen gegenüber steht ein Großaufgebot der Polizei. "Der Dannenröder Forst ist augenblicklich der große Brennpunkt einer aufopferungsvollen, beherzten Bewegung."

Jeanette Salzmann

Fast schon wie ein Kunstprojekt wirken die Baumhäuser, die Aktivisten in schwindelerregender Höhe gebaut haben, um die Abholzung des Dannenröder Waldes zu verhindern. - © Marco Molitor
Fast schon wie ein Kunstprojekt wirken die Baumhäuser, die Aktivisten in schwindelerregender Höhe gebaut haben, um die Abholzung des Dannenröder Waldes zu verhindern. © Marco Molitor

Gütersloh. Im Kreis Gütersloh hat man Erfahrung mit dem Kampf gegen oder auch um eine Autobahn. Am Mittwoch dieser Woche, 18. November, feierte die Fertigstellung der A33 ihren ersten Geburtstag. 70 Jahre Planung und ein erbitterter Streit mit Anwohnern und Umweltschützern ging dem Lückenschluss voraus. Was hier verloren ist, darum wird an anderer Stelle hart gekämpft. Eine Gruppe aus OWL unterstützt seit einer Woche die Waldbesetzer im Dannenröder Forst mit Bauten, Baumbesetzungen und Groundsupport.

Zahlreiche Mitglieder von "Extinction Rebellion" Bielefeld sind vor Ort aber auch die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins fairleben e. V. aus Gütersloh. Sie sind kurzfristig mit mehrere Personen angereist, um sich vor Ort einen Eindruck von der eskalierenden Situation zu verschaffen. "Der Dannenröder Forst ist augenblicklich der große Brennpunkt einer aufopferungsvollen, beherzten Bewegung, die nicht länger hinnimmt, dass unsere Regierungen unseren Planeten zerstören", sagt Oliver Groteheide vom Vorstand fairleben.

Pyrotechnik, Wasserwerfer und eine Aktivistin, die fünf Meter in die Tiefe stürzt

Tausende Polizisten sorgen dafür, dass die Baumfällaktionen im Dannenröder Forst trotz der Proteste durchgeführt werden können.  - © Marco Molitor
Tausende Polizisten sorgen dafür, dass die Baumfällaktionen im Dannenröder Forst trotz der Proteste durchgeführt werden können.  (© Marco Molitor)

Seit über einem Jahr protestieren Umweltschützer in Hessen gegen den umstrittenen Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel, die durch das Waldgebiet führen soll. In dem Waldstück nahe Homberg/Ohm sollen auf einer Fläche von 27 Hektar Bäume für das Verkehrsprojekt gerodet werden, die Arbeiten laufen bereits. Umwelt- und Klimaschützer protestieren dagegen, weil sie das Projekt angesichts der Klimakrise für verfehlt halten, Befürworter versprechen sich davon weniger Verkehrs- und Lärmbelastung in den Dörfern und eine bessere Anbindung ans Straßennetz.

Seit mehr als einem Jahr halten Aktivisten den Forst besetzt, sie haben sich in mehreren Baumhaus-Camps eingerichtet und zahlreiche Barrikaden aufgebaut. Bereits am vergangenen Donnerstag waren mehrere Menschen im Dannenröder Forst festgenommen worden, nachdem an einer Absperrung Beamte mit Pyrotechnik beschossen und Rauchbomben gezündet worden waren. Weitere Festnahmen gab es am Freitag. Am Wochenende stürzte eine Aktivistin aus einer Höhe von fünf Metern von einem Tripod - einer Konstruktion aus drei Stangen - in die Tiefe. Derzeit laufen Ermittlungen gegen die Polizei, die zuvor ein Spannseil zum Tripod durchtrennt hatte. Am Mittwoch eskalierte die Situation erstmals, als die Polizei mit einem Wasserwerfer gegen Demonstranten im Dannenröder Forst vorging.

"Menschen stehen fassungslos vor dem riesigen Polizeiaufgebot"

"Augenblicklich sind tausende von Polizeikräften im Dannenröder Wald damit beschäftigt, die Baumfäller vor den Naturschützern abzuschirmen", berichtet Oliver Groteheide. "Gestern und heute kam es schon zu einigen herzzerreißenden Szenen. Menschen wurden mit schwerem Gerät aus den Bäumen herausgeholt. Menschen stehen fassungslos vor dem riesigen Polizeiaufgebot." Groteheide, der vielen Güterslohern als Betreiber des Filmkunstkino Bambi bekannt ist, erklärt weiter: "Es ist eine große Umwelttragödie und gleichzeitig ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk!"

Über 50 fantasievolle Baumhäuser seien in schwindelerregender Höhe aufgebaut, der Wald voller Transparente. Groteheides Appell an die Öffentlichkeit: "Geht durch diesen Wald, solange er noch steht und schaut euch an, mit wie viel Liebe und Energie dort Menschen für die Natur kämpfen und wie gleichzeitig die hessische Regierung gigantische Summen ausgibt, um einen riesigen Polizeieinsatz zu ermöglichen."

"Wir kommen wieder und bringen Verstärkung mit"

"Die Autobahn durch einen gesunden, 300 Jahre alten Mischwald und ein Trinkwasswerschutzgebiet zu bauen ist absolut unverantwortlich" äußert sich Oliver Groteheide. "Einige Menschen sind seit September letzten Jahres hier. Sie haben wunderschöne Baumhäuser errichtet und es macht mich traurig und wütend zu sehen, wie nun ihr Zuhause zerstört wird um eine Autobahn zu bauen, die uns nur tiefer in die Klimakrise stürzt."

Die Gütersloher Delegation ist sich sicher: "Wir zeigen uns solidarisch und werden am Wochenende wiederkommen und Verstärkung mitbringen."

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