So viel Ärger haben Wirte in OWL mit den Corona-Schließungen

Kaum jemand weiß, wie viel Aufwand es ist, einen Betrieb vollständig herunterzufahren. Doch die Schließung selbst ist nicht das einzige Problem der Gastronomen.

Anneke Quasdorf

Dunkler Gastraum, dunkle Zukunft: Die Gastronomie hängt in der Luft. Laufende Kosten, Umsatzverluste und fehlende Lockdown-Fristen setzen den Wirten zu. - © pixabay
Dunkler Gastraum, dunkle Zukunft: Die Gastronomie hängt in der Luft. Laufende Kosten, Umsatzverluste und fehlende Lockdown-Fristen setzen den Wirten zu. (© pixabay)

Bielefeld. Alle reden über Umsatzeinbußen und Existenznot. Das ist ohne Frage auch die weitreichendste Folge des Lockdowns für Gastronomen. Allerdings haben sie auch jede Menge Arbeit und Scherereien. Denn um einen ganzen Betrieb lahmzulegen, braucht es einiges. Die mögliche Verlängerung macht die Situation nicht besser.

Eine Woche haben George Koukiotis und Denis Pankratz gebraucht, um die Bar Celona in Bielefeld Ende Oktober so herzurichten, dass sie sie von außen abschließen konnten, um in den Lockdown zu gehen. "Wir haben alle Mitarbeiter mobilisiert und einen erweiterten Putzplan für alle Bereiche, also Service, Theke, Küche, erstellt. Das dauert, wenn man es gründlich und unter Einhaltung aller Hygienevorschriften macht, sieben Tage."

Natürlich fallen der Maßnahme auch viele Lebensmittel zum Opfer. "Teilweise mussten wir angebrochene Frischware wegschmeißen", so Pankratz. Im Restaurant Büscher in Bielefeld hat man sich bemüht, möglichst alles an Food-Sharing-Organisationen weiterzugeben. "Und das Personal hat auch was mitgenommen", so Katharina Büscher. "So konnten wir den Anteil, der weggeworfen werden musste, relativ klein halten."

Wartung der Räume ist viel Aufwand

Hinzu kommt, dass viele Kosten trotz Schließung weiterlaufen. Pacht und Miete, Strom, Wasser. "Außerdem hatten wir laufende Einarbeitungen, die im schlimmsten Fall nach Ende des Lockdowns nochmal bei Null anfangen müssen. Das ist schon ein großer Aufwand, der hinter der Schließung einer so großen Gastronomie steckt", so Pankratz.

Gleichzeitig darf man Gasträume, Küchen und Theken nie ganz vernachlässigen, weiß Regine Tönsing, Geschäftsführerin der Dehoga Ostwestfalen-Lippe. "Man muss regelmäßig Wasser aus den Hähnen laufen lassen wegen der Legionellen, man muss die Räume lüften, damit kein Schimmel entsteht, muss die Zapfanlagen reinigen lassen. Da muss viel bedacht und gewartet werden in dieser Zeit, das bereitzustellen, ist ein großer Aufwand."

Im Kreuzkrug im Bielefelder Westen profitiert man dieses Mal von den Erfahrungen des Lockdowns im Frühjahr. Auch da hatten die Inhaber Stefan und Nicole Austmann bereits Essen außer Haus verkauft. Das läuft auch jetzt so. "Insofern ist die Küche gut in Betrieb und ruht nicht", sagt Nicole Austmann.

"Soll ich überhaupt weihnachtlich dekorieren?"

Allerdings hängen die Gastronomen in Sachen Ausblick total in der Luft. "Uns rufen täglich Menschen an, die wissen wollen, ob ihre Reservierungen für Weihnachten funktionieren, ob wir da geöffnet haben. Wissen wir nicht. Viele wollen ihre Weihnachtsfeiern verschieben. Ob das geht, wann das geht - wissen wir nicht."

Das Problem sieht auch Katharina Büscher. "Ich kann überhaupt nicht planen. Erstelle ich Weihnachtsmenüs, kaufe ich Vorräte, welche Anzeigen kann ich schalten? Und von jetzt auf gleich ist diese Organisation auch nicht zu machen. Martinsgänse fliegen zwar, fallen aber auch nicht einfach vom Himmel."

Das Restaurant Büscher schließt gewöhnlich höchstens einmal im Jahr nach Weihnachten und Neujahr, lange Ruhepausen kennt man dort gar nicht. "Ich weiß ja nicht einmal, ob ich die Räume für Dezember, oder, wie es jetzt aussieht, für die Zeit nach dem 20. Dezember weihnachtlich dekorieren kann."

Boni für die Mitarbeiter

Diese Probleme kennt man auch in der Bar Celona. "Wir wissen auch nicht, wie die nächsten Auflagen bei Neuöffnung aussehen werden. Die meisten erfordern Umstrukturierung, Schulungen, Kosten und viel Kreativität."

Käme endlich der Umsatzausfall-Ersatz vom Bund, würde man die Zuschüsse sofort in Richtung Gehaltsanpassungen investieren. "Wir sind ein großes Unternehmen, daran hängen zahlreiche Existenzen", sagt Pankratz. "Was wir bereits jetzt umsetzen ist, dass wir den Festangestellten und den Aushilfen für die Lockdown-Monate Boni auszahlen. Das ist geschenktes Geld, um sie zu unterstützen. Aber wie lange können wir das noch machen? Und wie oft wird es noch zum Lockdown kommen?"

Auch Regine Tönsing blickt mit Bangen in die Zukunft. "Es sind unglaublich viele Reservierungen storniert. Das Weihnachtsgeschäft sichert sonst die schwachen Monate Januar und Februar. Und das fällt dieses Jahr vielleicht komplett flach. Das ist für viele nicht zu schaffen."

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