Wischmopp-Held: "Plötzlich hat er auf mich geschossen"

Als der Räuber auf Eray Ari schießt, knallt der ihm seinen Wischmopp vor den Kopf, entwaffnet den Mann und schlägt zu. Trotz seiner Flucht bringt die zurückgelassenen Maske die Kripo auf seine Spur.

Jens Reichenbach

Mit seinem Wischmopp attackierte Eray Ari (r.) den Maskenmann. Sein Onkel Turan Ari eilt ihm zu Hilfe und riss dem Täter die Maske vom Gesicht. - © Wolfgang Rudolf
Mit seinem Wischmopp attackierte Eray Ari (r.) den Maskenmann. Sein Onkel Turan Ari eilt ihm zu Hilfe und riss dem Täter die Maske vom Gesicht. (© Wolfgang Rudolf)

Bielefeld. Dass der „Grill Olympus" an der Bleichstraße mal Ausgangsort für erfolgreiche Kripo-Ermittlungen werden würde, damit haben Besitzer Turan Ari (41) und sein Neffe Eray nie gerechnet. So nahmen sie auch den maskierten Mann mit der Waffe nicht ernst, als dieser gegen 23.30 Uhr am Donnerstag, 12. November, plötzlich in den Imbiss trat. Fünf Tage später können Zivilfahnder den Täter festnehmen – dank der mutigen, aber auch sehr leichtsinnigen Reaktion von Eray Ari und seinem Onkel.

Der 27-jährige Eray Ari hat 17 Stunden Arbeit in den Beinen und möchte eigentlich nur noch schnell den Boden wischen und dann ins Krankenhaus, um eine Verwandte zu besuchen. „Deshalb habe ich dem Typ mit der Waffe gesagt: Geh raus, ich bin am Saubermachen. Mein Chef ist mit dem Geld schon weg."

"Plötzlich hat er auf mich geschossen"

Als der Täter mit dem osteuropäischen Akzent nicht reagiert, geht der kurdische Mitarbeiter ein paar Schritte auf den Räuber zu. „Plötzlich hat der auf mich geschossen." Der Bielefelder hat Glück: Hätte der Täter nicht mit Platzpatronen geschossen, wäre er jetzt wahrscheinlich tot.

Tage nach dem Überfall zeigt sich die Imbiss-Crew um Eray Ali wieder vergnügt bei der Arbeit.  - © Wolfgang Rudolf
Tage nach dem Überfall zeigt sich die Imbiss-Crew um Eray Ali wieder vergnügt bei der Arbeit.  (© Wolfgang Rudolf)

Der 27-Jährige schwingt den Wischmopp, den er gerade benutzt, und schlägt dem Mann ins Gesicht. Anschließend dreht der dem verdutzten Täter die Pistole aus der Hand und schlägt ihm mit dem Kolben mehrfach auf den Kopf. „Ich habe in dem Moment gar nichts mehr gedacht. Da war nur Reaktion."

Mit einem Schlag mit der Bierflasche entkommt er noch einmal

Sein Onkel Turan Ari, der für den Täter vorher nicht zu sehen war, griff den Täter derweil von hinten und hielt ihn fest. „Ich wollte sein Gesicht sehen. Deshalb habe ich ihm die Maske vom Kopf gerissen." Der Mann hatte sich aus einem grünen T-Shirt-Stoff eine Maske selbstgebastelt. Die Löcher für Augen und Mund hatte er reingeschnitten.

Ohne Maske und Waffe versuchte sich der Mann aus den Fängen der mutigen Imbissbetreiber zu befreien. Als Turan Ari den Laden abschließen und die Polizei rufen wollte, ließ er den Räuber für einen kurzen Moment los. Dieser nutzte diesen Moment und schlug ihm mit einer Bierflasche aus einer herumstehenden Kiste auf den Kopf und flüchtete nach draußen.

Drogenabhängiger (36) ist mehrfach aktenkundig

Trotzdem bedeutete diese Auseinandersetzung den Durchbruch bei den Ermittlungen. Nachdem das Landeskriminalamt in Düsseldorf die DNA-Spuren auf der Schreckschusswaffe und der selbstgebastelten Maske ausgewertet hatte, ergab sich tatsächlich ein Treffer in der Bielefelder „Verbrecherkartei".

Am Dienstag, 17. November, um 18 Uhr nahmen Zivilfahnder den nun dringend tatverdächtigen Bielefelder (36) fest, wie Polizeisprecher Fabian Rickel bestätigte. Der Festgenommene sei wegen vorheriger Raubtaten, aber auch wegen Drogen-, Betrugs-, Diebstahlsdelikten bereits hinlänglich bekannt, bestätigte Moritz Kutkuhn, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein Haftrichter erließ tags darauf auf Antrag der Staatsanwaltschaft Untersuchungshaftbefehl gegen den Drogensüchtigen wegen schweren Raubes.

Seine selbstgebastelte Maskierung ist auffällig

Ob der Festgenommene noch für weitere Taten der Raubserie in Bielefeld in Frage kommt, das prüft nun die eigens am 6. November eingerichtete Ermittlungskommission Maske unter Leitung von Kriminaloberkommissar Moritz Rawe.

Vor allem die kreative, selbstgebastelte Maskierung und die örtliche Nähe lassen vermuten, dass er auch für den Überfall am 26. Oktober auf den Lidl-Supermarkt an der Heeper Straße verantwortlich sein könnte. Hier hatte er eine rotweiße Mütze vors Gesicht gezogen. An den Ohr-Verlängerungen der Mütze waren Zeugen Löcher aufgefallen.

Auch der Combi-Markt an der Dr.-Viktoria-Steinbiß-Straße, der am 17. Oktober überfallen wurde, könnte auf das Konto des 36-Jährigen gehen. Alle Zeugen sprechen von einem russischen oder zumindest osteuropäischen Täter. Hinweise auf eine Joker-Maske gibt es bisher nicht.

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