Lebensgefahr: Frau fährt auf Auto-Güterzug mit und will nach Bielefeld

Als sie den Regionalzug verpasst, entscheidet sich die 26-Jährige, auf anderem Weg nach Bielefeld zu kommen. Zum Entsetzen der Menschen auf dem Bahnsteig springt sie auf einen Güterzug auf.

Jens Reichenbach

Bei Tempo 100 krallte sich die Frau auf einem der Autowaggons des Güterzuges fest. - © Symbolfoto: pixabay / Creative Commons
Bei Tempo 100 krallte sich die Frau auf einem der Autowaggons des Güterzuges fest. (© Symbolfoto: pixabay / Creative Commons)

Bielefeld/Osnabrück. In höchste Lebensgefahr begab sich am Mittwochnachmittag, 18. November, eine 26-jährige Frau, die unbedingt mit dem Zug nach Bielefeld fahren wollte. Weil sie am Osnabrücker Bahnhof den Regionalzug verpasst hatte, sprang sie kurzerhand auf einen leeren Autotransportzug und krallte sich bei rund 100 km/h auf dem offenen Zug fest.

Wie Bundespolizeisprecher Ralf Löning berichtete, wollte die 26-Jährige, die aktuell keine feste Wohnadresse hat, kurz nach 14 Uhr mit dem Zug nach Bielefeld fahren. „In Bielefeld hat sie konkrete Kontakte, wo sie offenbar derzeit unterkommt.“ Weil sie aber zu spät am Bahnsteig ankam, verpasste sie den geplanten Regionalzug.

Völlig durcheinander entscheidet sich die Frau zum Sprung auf den Güterzug

Offenbar dadurch durcheinandergebracht, wollte sie nicht auf die nächste Verbindung warten, sondern kletterte spontan auf einen im Hauptbahnhof haltenden, leeren Transportzug für Autos. Laut Löning nahm sie an, dass auch der Güterzug, der in Osnabrück gerade das Personal gewechselt hatte, nach Bielefeld fahren würde.

Mit dieser Handlung brachte sich die Frau „leichtsinnig in erhebliche Gefahr“, so Löning. Schon nach wenigen Kilometern erreichte der Zug Tempo 100. „Zum Glück hatten Reisende am Bahnsteig ihre Aktion beobachtet und gemeldet.“ Der Fahrdienstleiter im Hauptbahnhof Osnabrück konnte den Lokführer des Güterzuges sehr schnell informieren. Dieser verlangsamte umgehend seine Fahrt und hielt nach knapp fünf Minuten außerplanmäßig im Bahnhof Bissendorf-Wissingen (Landkreis Osnabrück) an.

Zivilrechtliche Forderungen durch Eisenbahnunternehmen möglich

Eine Streife der Bundespolizei nahm die Frau in Empfang und leitete ein Ermittlungsverfahren gegen die 26-jährige Deutsche ein. Gegebenenfalls können auch zivilrechtliche Forderungen des Eisenbahnverkehrsunternehmens auf sie zukommen, weil es durch den Halt zu Beeinträchtigungen im Eisenbahnverkehr kam.

Die Frau machte auf die Beamten den Eindruck, dass sie die Tragweite ihrer Handlung nicht habe einschätzen können. „Wir warnen eindringlich vor den Gefahren, die bei der unberechtigten Mitfahrt auf oder an einem Zug drohen“, betont Löning. Waghalsige Aktionen wie in diesem Fall sind lebensgefährlich. Die Gefahren gehen dabei nicht nur vom Tempo der Zugfahrt aus, sondern auch von Betriebsanlagen wie etwa stromführenden Teilen.“

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