Welche Ursachen treiben die Corona-Zahlen im Kreis Gütersloh nach oben?

Plötzlich ist das Schreckgespenst kritischer Lockdown-Wert von 50 wieder zum Greifen nah. Doch was genau sind die Gründe, dass im Kreis Gütersloh die Fallzahlen erneut in die Höhe schnellen?

Irja Most

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Kreis Gütersloh. Eigentlich hatten sich die Corona-Fallzahlen im Kreis Gütersloh auf einem beruhigenden Niveau eingependelt. Und die Menschen wohl in trügerischer Sicherheit gewiegt. Denn unerwartet gab es Anfang Oktober seit Monaten, genau seit Juni, plötzlich wieder einen Todesfall. Eine mit dem Coronavirus infizierte Person aus Gütersloh ist gestorben, wie die Kreisverwaltung am 7. Oktober mitteilen musste. Darauf ging es Schlag auf Schlag und die Corona-Welle nahm immer mehr an Fahrt auf. Einen Tag nach dem Todesfall vermeldete das Gesundheitsamt schon einen „kontinuierlichen Anstieg" mit zwölf neuen Fällen. Einen weiteren Tag war von einem „deutlichen Anstieg" mit 33 Neuinfizierten die Rede.

Dümpelte der wichtige Wert für verschärfte Corona-Regeln – die sogenannte 7-Tage-Inzidenz – bis dato noch bis maximal 16 vor sich hin und damit weit entfernt vom Schreckgespenst der 50 Fälle auf 100.000 Einwohner binnen einer Woche, sprang er einen Tag später, am 9. Oktober, auf einmal über die 20er Marke. Und blieb in diesem Bereich für die folgenden vier Tage. Damit nicht genug geht es seit dem 13. Oktober unaufhaltsam aufwärts. Der Frühwarnwert von 35 Fällen ist längst wieder überstiegen und seit Donnerstag knapp am Wert von 40. Ob in Kürze oder in diesem Jahr erneut die magische Negativ-Grenze von 50 pro 100.000 Einwohnern passiert wird, da wagt die Kreisverwaltung keine Prognose. „Das wäre ein Blick in die Glaskugel", erklärt Pressesprecher Jan Focken.

Zahlen können nicht den Echtzeit-Zustand wiedergeben

Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit greift das Coronavirus wieder um sich. Der Kreis Gütersloh bleibt hier nicht verschont und steht mit an der Spitze bei den Fällen in Ostwestfalen-Lippe. Doch was sind genau die Ursachen für diesen schlagartigen Anstieg der Infektionen? Eine Rolle spiele laut Kreisverwaltung im Vergleich zum Frühjahr zu Beginn der Pandemie, dass jetzt mehr getestet werde. Waren am Anfang nicht nur Masken Mangelware, gab es auch Engpässe bei den Testkapazitäten. Ein weiterer Grund für die Ausbreitung wie auch bei anderen Viren dürfte die kühle Jahreszeit sein, die Menschen sind mehr drinnen in geschlossenen Räumen. Daher sei richtiges lüften so wichtig.

Bei den Zahlen gibt es zudem immer zu Bedenken, dass sie lediglich einen Blick in den Rückspiegel des Infektionsgeschehens bieten und kein Live-Bild zeigen. Ein Laborstau als Ursache für den plötzlichen Anstieg schließt die Kreisverwaltung aber nach eigenen Angaben aus. Einzelne Hotspots im Kreis Gütersloh, die für die Fallzahlen verantwortlich seien, sieht die Behörde ebenfalls nicht. „Wir haben derzeit ein diffuses Infektionsgeschehen aus Reiserückkehrer, privaten Feiern, soziales Umfeld und so weiter", erklärt der Pressesprecher. Nach bisherigen Erkenntnissen ohne klare Hotspots. Hier soll aber eine Lagebesprechung weiter Licht ins Dunkel bringen.

Ursprung für Ansteckung oft nicht mehr nachvollziehbar

Einen klaren Infektionsherd wie seinerzeit der Schlachtkonzern Tönnies im Sommer mit explosionsartigen Ausmaßen, die den Wert Ende Juni auf die bisherige Spitze mit 270 trieb, findet sich also nicht. „Der Druck ist hoch. Bei 15.000 Tests diese Woche liegt die Quote der positiven Fälle aber bisher im einstelligen Bereich", erklärte ein Sprecher des Unternehmens mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück am Donnerstag.

Anzumerken sei laut Behörde im Zusammenhang mit dem Ursprung der Infektionen zudem immer, dass bei etwa einem Drittel bis 40 Prozent der Ansteckungen nicht mehr rekonstruiert werden könne, wo die Infektion geschehen sei. Ebenso wie die Dunkelziffer weiter nebulös bleibt, kann die Kreisverwaltung nicht angeben, wie neu die Zahlen exakt sind. Das ließe sich nicht genau beziffern, da es auch immer wieder Unterschiede in den Zahlen zum Beispiel verglichen mit dem Landeszentrum Gesundheit NRW und dem Robert-Koch-Institut gäbe, was in der Regel auf Erfassungszeitpunkte zurückgehe.

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