BielefeldBusfahrer wehrt sich gegen ungerechtes Knöllchen – mit Erfolg

Ein Busfahrer setzt sich gegen ein Bußgeld zur Wehr und wird richtig sauer, als er die Antwort des Ordnungsamts erhält.

Jens Reddeker

Busfahrer Rainer Baumann aus Lippling wurde am Bielefelder Berg geblitzt – fälschlicherweise. Foto: Jens Reddeker - © Jens Reddeker
Busfahrer Rainer Baumann aus Lippling wurde am Bielefelder Berg geblitzt – fälschlicherweise. Foto: Jens Reddeker © Jens Reddeker

Bielefeld/Delbrück. Nur weil er hartnäckig blieb, ist ein Busfahrer um ein zu Unrecht verschicktes Knöllchen vom Bielefelder Berg herumgekommen – und die Stadt Bielefeld hat sich mittlerweile sogar bei ihm entschuldigt. Sauer ist Rainer Baumann über das Vorgehen der Stadt aber immer noch. Die hatte eine Baustelle an der A2 schlicht erfunden.

Der pensionierte Lehrer fährt seit seiner Jugend gerne große Maschinen. Schon im Studium macht er den Lkw-Führerschein, später steigt er auf Busse um. Als Aushilfsfahrer für Fuhrunternehmen kennt er seit langem auch den A2-Blitzer am Bielefelder Berg. Wie Autos dürfen Busse hier höchstens Tempo 100 fahren, Lkw maximal 80 km/h.

Kampf um Gerechtigkeit

Am Morgen des 12. Juli fährt Baumann mit einem Reisebus knapp unter 100 in Richtung Hannover – und es blitzt. Das kennen die Busfahrer, denn viele Messgeräte – auch im Kreis Paderborn – können nicht zwischen einem Lkw (zulässig ist auf der Autobahn Tempo 80) und einem Bus (zulässig ist Tempo 100) unterscheiden. „Ich habe direkt den Fahrgästen gesagt, dass wir nicht zu schnell waren, sondern dass uns das Gerät für einen Laster gehalten hat", erinnert sich der 67-Jährige. Doch ein paar Tage später kommt wegen gemessener 94 km/h das 25-Euro-Knöllchen der Stadt Bielefeld per Post – und damit beginnt Rainer Baumanns Kampf um Gerechtigkeit.

Zunächst legt er Einspruch ein mit dem Verweis auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h für den Bus. Doch dann erreicht ihn eine Antwort aus dem Bielefelder Ordnungsamt, die ihn wütend macht. Die Stadt schreibt, es habe am 12. Juli eine Baumaßnahme auf der Autobahn gegeben. „Das war richtig dreist, denn ich wusste ja, dass dort keine Baustelle war", sagt der Pädagoge.

Er beginnt, Beweise zu sammeln. Baumann informiert sich persönlich bei der Autobahnpolizei in Stukenbrock-Senne und bei der Herforder Niederlassung von Straßen.NRW, die beide für den Bielefelder Berg zuständig sind. Das Briefeschreiben und Autofahren hat ihn zwar mehr als 25 Euro gekostet, doch haargenau weiß er danach, dass die letzte Baustelle auf der Strecke vom 5. bis 11. Mai eingerichtet war. Am 12. aber nicht mehr. Noch am selben Tag schreibt er dem Amt.

Stadt Bielefeld: „Sehr unglückliche Aussage unsererseits"

Erst jetzt rudert die Stadt zurück und teilt mit, dass nach „erneuter genauerer Überprüfung" festgestellt wurde, dass es sich „um eine Verwechslung handelt". Der Vorgang wird eingestellt. Im Schreiben bittet der Verfasser „um Verzeihung für die Umstände".

Gegenüber dieser Zeitung spricht die Stadt von einem „Einzelfall". Norman Rosenland, Leiter des Geschäftsbereichs für Verkehrsordnungswidrigkeiten, erläutert, dass die Blitzertechnik nicht zwischen Lkw und Bussen unterscheiden könne. Daher müssten alle Bilder des Blitzers von Mitarbeitern gecheckt werden: „Leider haben wir hier das Bus-Bild nicht ungültig gesetzt."

Busfahrer Baumann ärgert sich aber am meisten über die städtische Ausrede, es habe eine Baustelle gegeben. „Mit einer falschen Behauptung einen falschen Vorwurf zu untermauern ist eine Sauerei", sagt er. Er vermutet, dass auch andere Busfahrer mit einer ähnlichen Begründung der Stadt einfach gezahlt hätten.

Dem widerspricht Rosenland: „Durch die Einzelbildprüfung kommt das nicht vor. Wir haben aus der betreffenden Woche noch einmal alle Bilder dieser Fahrspur überprüft und keinen Fehler festgestellt." Den falschen Hinweis auf die Baustelle nennt er eine „sehr unglückliche Aussage unsererseits". Auch weitere Beschwerden von Busfahrern oder -unternehmen habe es nicht gegeben.

Laut Rosenland schießt die Blitzeranlage am Bielefelder Berg derzeit pro Woche etwa 2.400 bis 3.400 Beweisfotos. Allein 6,57 Millionen Euro an Tempoknöllche sammelte Deutschlands bekanntester Blitzer auf der Autobahn 2 im vergangenen Jahr ein.

Für Rainer Baumann ist der Fall eine Lehre: „Das Vorgehen der Stadt zeigt, dass jeder seine Bußgeldbescheide sehr genau prüfen sollte, bevor man Geld überweist."

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