Umweltschützer wollen Bielefelder Badesee verhindern

Der "Johannisbachsee" hat etliche Unterstützer - doch jetzt kommt scharfe Kritik. Bemerkenswert: Befürworter und Gegner berufen sich beide auf Naturschutz.

Ansgar Mönter

So würde sich der Johannissee nach dem Wunsch der Planer als ökologischer Freizeitsee in die Aue einfügen. - © Axel Schubert
So würde sich der Johannissee nach dem Wunsch der Planer als ökologischer Freizeitsee in die Aue einfügen. (© Axel Schubert)
Bielefeld. „Artenvielfalt, ökologische Aufwertung und Naturschutz sind kein Widerspruch zu einer sanften Nutzung der Aue durch den Menschen." Davon sind Axel Schubert und seine Unterstützer für einen „Johannisbachsee" überzeugt. Doch es gibt einen Umweltverband, der das komplett anders wahrnimmt.

Die jetzige Situation am Obersee sei aus ökologischer und wasserbautechnischer Sicht eine Katastrophe, so Schubert, daher sei der von ihm und den Unterstützern gewünschte ökologische Freizeitsee mit Bademöglichkeit ein Gewinn für die Natur.

"Wertvolle Bachaue zerstört"

Ganz anders hingegen sieht das der Umweltverband „BUND". „Was ist an diesem künstlichen Freizeitsee ökologisch, der einen naturnahe Bachlauf und seine ökologisch wertvolle Bachaue zerstört?", fragt Adalbert Niemeyer-Lüllwitz vom BUND. Hier von Naturkleinod und Naturerleben zu sprechen sei Augenwischerei und diene nur dazu, ein zweifelhaftes Projekt schönzureden.

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Von einer „ökologischen Aufwertung der Aue" könne, so der BUND, überhaupt nicht die Rede sein. Vielmehr würde die naturnahe Aue im Bereich des Sees vollständig zerstört.

Spundwand lässt stehendes Gewässer entstehen

Axel Schubert hingegen argumentiert, dass durch die Abtrennung des Johannisbaches und der Jölle vom Obersee durch eine Spundwand ein stehendes Gewässer entstanden sei, welches jeden Sommer zum Umkippen neige. Das Fischesterben jüngst liege an der Sauerstoffarmut des Sees.

„Unser Konzept würde mit diesem Missstand aufräumen, da wir mindestens zwei Drittel des Johannisbachwassers wieder in den See leiten würden, vorausgesetzt, beim Einlauf würde ein sogenannter Absetzkasten gebaut, der Schwebstoffe und Schlamm auffängt und der einmal im Jahr geleert werden müsste. Wurzelraumklärpflanzen am Ufer des Obersees würden Schadstoffe, Nitrate und Sulfate herausfiltern, und schon wäre das Sauerstoffproblem und die Umkippproblematik gelöst."

"Brutstätten für Seevögel"

Durch die Verknüpfung von Obersee und Johannissee, die Wiedereinleitung des Johannisbachwassers in den Obersee sowie andere Elemente werde das Wasser so weit gereinigt und entschlammt, dass man im neuen Johannissee baden kann und Fische und andere Lebewesen ökologisch hochwertige Lebensbereiche bekämen.

„Die Ufer- und Filterzonen sowie die schwimmenden Brutkästen mit anhängenden Xylitboxen eigneten sich hervorragend als Brutstätten für Seevögel, bieten Lebensräume für Amphibien und bringen Futterreichtum für Störche und Reiher und andere Watvögel", erklärt Schubert.

Johannisbach wie "eine Kanalrinne"?

Jürgen Birtsch vom BUND-Vorstand widerspricht Schubert völlig. „Die Störche würden durch einen See wieder verdrängt, weil ein Großteil der Nahrungshabitate verlorengingen. Dazu gehörten auch die Ackerflächen, die entgegen der Behauptung des Projektplaners überwiegend biologisch bewirtschaftet werden."

Laut Schubert gleicht der Johannisbach jedoch „einer Kanalrinne, die Ackerflächen werden konventionell genutzt mit Einsatz von zum Beispiel Fungiziden." Wir werden, kündigt er an, „mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Unternaturschutzstellung der unteren Johannisbachaue verhindern".

Mit dem BUND steht den See-Unterstützern ein entschiedener Gegner gegenüber. Aus Sicht des Verbands ist es völlig abwegig, „ein solch großes ökologisch besonders wertvolles Naturgebiet einem Freizeitsee zu opfern".

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