BielefeldPolizei warnt: Masken-Muffel zeigen illegales Attest aus dem Internet

Urheber ist ein umstrittener Arzt und Verschwörungsanhänger aus Nordhessen. Die Polizei warnt vor dem Gebrauch „unrichtiger Gesundheitszeugnisse“.

Jens Reichenbach

In Bus und Bahnen trafen Polizisten zuletzt immer öfter auf Fahrgäste, die ein umstrittenes Dokument vorlegten. - © Symbolfoto: pixabay / Creative Commons
In Bus und Bahnen trafen Polizisten zuletzt immer öfter auf Fahrgäste, die ein umstrittenes Dokument vorlegten. © Symbolfoto: pixabay / Creative Commons

Bielefeld/Münster. Die Bundespolizei in Bielefeld und Münster warnt Bahnreisende davor, sich mit Hilfe von Blanko-Attesten aus dem Internet auf illegale Weise selbst von der Maskenpflicht zu befreien. Wie Bundespolizeisprecher Rainer Kerstiens berichtet, seien in der letzten Zeit mehrere Fälle von Verstößen gegen die Tragepflicht eines Mund- und Nasenschutzes in Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgefallen.

Aktuell kontrollieren die Beamten stichprobenartig die Einhaltung der Maskenpflicht in den Zügen. Immer wieder trafen die Polizisten dabei auf Fahrgäste ohne Maske, die ihnen aber ein Attest vorgelegt hätten, das sie von der Trageverpflichtung befreien soll.

Ermittlungen ergaben: Das Attest gibt es hundertfach im Internet

Ermittlungen ergaben, dass die Betroffenen das Blanko-Attest aus dem Internet heruntergeladen hatten. Auf mehreren Homepages und in sozialen Netzwerken verteilen Corona-Skeptiker, Impfgegner und Maskenverweigerer dieses Attest weiter. Der Urheber weist darauf hin, dass man nur seinen Namen und seine Adresse eintragen müsse – alles ohne vorherige Untersuchung.

Auf dem Blanko-Attest soll man nur noch seinen Namen eintragen, um von der Maskenpflicht befreit zu sein. - © Screenshot
Auf dem Blanko-Attest soll man nur noch seinen Namen eintragen, um von der Maskenpflicht befreit zu sein. (© Screenshot)

Urheber dieses Blanko-Attestes ist der Urologe Jens Bengen aus dem nordhessischen Trendelberg. Er ist inzwischen ein Star der Corona-Skeptiker und Verschwörungstheoretiker, heißt es bei der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen \(HNA\). In einem seiner viel beachteten Filmbeiträge auf dem eigenen Video-Kanal „Schwert der Wahrheit" berichtet der Arzt, der laut HNA seit Ende 2019 nicht mehr in den Kliniken in Hann. Münden und Hofgeismar praktiziert, das man sein Attest überall vorzeigen könne, wo Maskenpflicht herrsche.

"Das Tragen eines Mundschutzes ist aus medizinischen Gründen nicht ratsam"

Unter dem eingetragenen Namen ist dort zu lesen: „Hiermit bestätige ich, dass das Tragen eines Mundschutzes für o. g. Person aus medizinischen Gründen nicht ratsam ist." Unterschrieben ist das Blanko-Attest von eben jenem Urologen Jens Bengen.

Der umstrittene Mediziner lehnt die Maskenpflicht offen ab, eil sie ihm zufolge als „Symbolik der Unterwerfung" diene, sagt er in einem Interview. Wer dieses akzeptiere, der lasse sich auch widerstandslos impfen. Bengen ist Impfgegner, Systemkritiker und Sympathisant des Reichbürgergedankens.

Strafbar: Nach Polizeiwarnung löschen einige die Download-Möglichkeit

Natürlich gibt es tatsächlich ärztlich begründete Ausnahmen für die Maskenpflicht. Theoretisch reiche es, seine Erkrankung glaubhaft zu erklären. Doch allzu oft reiche das nicht aus. Patienten, für die das Tragen eines Mund-/Nasenschutzes gesundheitliche Probleme mit sich bringt, sollten sich daher mit einem Attest von der Tragepflicht befreien lassen.

Die Bundespolizei warnt aber vor dem Herunterladen der Blanko-Atteste: „Beim Vorzeigen eines solchen Attests machen sich Bürger ’wegen des Gebrauchs unrichtiger Gesundheitszeugnisse’ strafbar", sagt Kerstiens. Außerdem verstößt man gleichzeitig gegen die Coronaschutzverordnung, da der Betroffenen ja „tatsächlich kein Mund-/Nasenschutz getragen" hatte. Aufgrund dieser Warnungen, die inzwischen von diversen Polizeibehörden veröffentlicht wurden, haben diverse Internetseiten die Downloadmöglichkeit der Atteste inzwischen wieder abgeschaltet.

Staatsanwaltschaft und Landesärztekammer ermitteln

Die Staatsanwaltschaft in Baden-Baden ermittelt gegen einen Verein, der die Atteste zum Download angeboten hatte. Aber auch dem Mediziner droht Ungemach. Laut der Landesärztekammer Hessen ist die Ausstellung von Blanko-Rezepten berufsrechtlich nicht akzeptabel. Auch strafrechtlich sieht die Staatsanwaltschaft den „Anfangsverdacht des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse".

Wegen der zunehmenden Zahl von Maskenmuffeln in den Bahnen und Stadtbahnen hat die Staatskanzlei NRW zudem für Montag, 24. August, Großkontrolltag an neun Bahnhöfen in NRW und in den Zügen des Personenschienenverkehrs angekündigt.
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