RegionRiesiger Sperrmüll-Berg: Nachbarn laden nachts unerlaubt Müll ab

Eine Bielefelderin (36) ist entsetzt, nachdem andere vor ihrer Tür eine Mülldeponie haben entstehen lassen. Was kann sie tun?

Jens Reichenbach

Unfassbar: Emel Retzep dokumentierte den illegalen Sperrmüllberg in einem vielbeachteten Facebook-Video. - © privat
Unfassbar: Emel Retzep dokumentierte den illegalen Sperrmüllberg in einem vielbeachteten Facebook-Video. © privat

Bielefeld. Emel Retzep ist mit den Nerven am Ende. Eigentlich war der zweifachen Mutter und ihrem Partner nur eine Couch kaputt gegangen. Sie vereinbarte kurzerhand mit dem Umweltbetrieb (UWB) der Stadt eine Sperrmüllabholung und stellte noch ein paar ausrangierte Möbel aus dem Keller dazu. Doch – wie von Zauberhand – wurde aus der kleinen Sperrmüllsammlung an der Teichsheide über Nacht eine wahre Mülldeponie. Ein Riesenberg mit Autoreifen, Kühlschränken, Lattenrosten, Sesseln, Matratzen, Stühlen und Schrankteilen entstand.

Die 36-Jährige war fassungslos. Erst recht, als die Sperrmüll-Abholer vom Umweltbetrieb am Freitagmorgen den ganzen Haufen stehenließen. Denn Autoteile und Bauabfälle werden nicht als Sperrmüll akzeptiert. Zumal ein solcher Berg nicht Teil der vereinbarten Abholung von haushaltsüblichen vier Kubikmetern Sperrmüll war. Ihr Facebook-Video vom Müllberg wurde in der Facebook-Gruppe "Bielefelder / innen 2.0" inzwischen mehr als 200-mal kommentiert.

Statt 28 Euro Gebühren drohen mehrere Hundert Euro

Mit zittriger Stimme voller Wut geht die 36-Jährige um den Müllberg und fragt bei Facebook nach einer Lösung. - © privat
Mit zittriger Stimme voller Wut geht die 36-Jährige um den Müllberg und fragt bei Facebook nach einer Lösung. (© privat)

„Um 21 Uhr am Donnerstagabend kam ich von der Spätschicht", sagt die Angestellte einer Fast-Food-Kette. „Da war noch alles in Ordnung." Nachbarn erzählten ihr später, dass ab 3 Uhr zahlreiche Anwohner immer wieder aus ihren Häusern gekommen seien, um nun ihren Müll illegalerweise dazuzustellen.

Aus Angst, dass sie nun statt der einfachen Gebühren (28 Euro) nun den restlichen Müll auch bezahlen muss (86,17 Euro für Transport plus 94,90 Euro pro Tonne), stellt sie die verdächtigten Nachbarn zur Rede. „Aber keiner hat zugegeben, dass er seinen Kram dazugestellt hat. Ich habe keine Lust, den Dreck der anderen zu bezahlen." Die 36-Jährige konnte deshalb kaum schlafen, übers Wochenende wuchs der Berg natürlich an.

Es kommt auf den Stadtbezirk an - es gibt Risiko-Standorte

Über den Vorschlag, ihren Sperrmüll zur Seite zu ziehen, kann sie nur müde lächeln: „Da komme ich gar nicht mehr ran. Das ist alles dahinten unten drunter." Auch Fotobeweise, wonach die Fahrer fragten, habe sich nicht gemacht: „Ich habe erwartet, dass ein wenig dazukommt. Aber niemals so viel. Was die Menschen hier mit uns abgezogen haben, ist echt schlimm."

Maik Greve, beim Umweltbetrieb Abteilungsleiter für Kundenservice und Abfallberatung, kennt das Phänomen. Er nennt es „Beistellungen". „Nach unserer Erfahrung kommt es sehr auf den Stadtbezirk an. Es gibt Orte, da läuft alles unbedenklich. Wir haben aber auch Standorte, wo es erhebliche Risiken für Beistellungen gibt." Sehr oft seien dann Dinge dabei, die nichts mit Sperrmüll zu tun haben.

Experte: Immer nach dem Rausstellen ein Beweisfoto machen!

Möbel, Kinderkarren, Matratzen und sogar Autoreifen landeten auf der eigentlich ganz überschaubaren Sperrmüll-Stelle. - © privat
Möbel, Kinderkarren, Matratzen und sogar Autoreifen landeten auf der eigentlich ganz überschaubaren Sperrmüll-Stelle. (© privat)

Der Experte gibt den Tipp: „Stellen Sie den Sperrmüll so spät wie möglich raus. Am besten kurz vor 6 Uhr morgens." Je früher die Möbel draußen stünden, desto größer sei das Risiko, sagt er. Natürlich könne das aber nicht jeder um 5 Uhr morgens regeln.

Richtig sei, dass die Tour den Müll als erste Reaktion nicht mitnehme, sagt Greve. In der Regel nehme der UWB später Kontakt mit dem Kunden auf. Im Gespräch werde meistens eine verträgliche Regelung erzielt. Denn: „Wir sind beweispflichtig. Das heißt, können wir dem Kunden nicht beweisen, dass alles ihm gehörte, muss er den Abtransport des zusätzlichen Sperrmülls auch nicht bezahlen." Ideal wäre deshalb ein Foto, das glaubhaft versichert, was der Kunde rausgestellt hat. „Unsere Fahrer vergleichen dann das Foto mit dem Sperrmüll-Haufen vom Abfuhrtermin."

Überraschendes Ende: Die Stadt ist gar nicht zuständig

Wenn sich kein Verursacher findet, wird der Haufen wie eine wilde Müllkippe behandelt. Zwar ermittelten Mülldetektive wegen der Ordnungswidrigkeit, sind gefährliche Stoffe dabei, sei es sogar eine Straftat, so Greve. Doch selten lasse sich ein Verursacher feststellen. In solchen Fällen kommt dann das Einsatzteam vom Projekt „Saubere Stadt" ins Spiel. Das transportiere den wilden Müll zulasten der Allgemeinheit ab.

Im Fall von Emel Retzep wird aber auch das nicht passieren: „Die haben mir gesagt, die Stadt sei nicht zuständig", erklärt die 36-Jährige am Montag. Denn der Sperrmüll liegt auf einer Wiese und die gehört zum Wohnungsanbieter Vonovia: „In so einem Fall ist der Müll das Problem des Grundstückseigentümers", erklärt Greve. „Er kann zwar jederzeit Anzeige gegen die Verursacher erstatten, aber um die Entsorgung muss er sich kümmern."

Kommunen mit kostenloser Abholung haben solche Probleme nicht

Eine ganz andere Lösung präsentiert ein Facebook-Leser: „In anderen Kommunen ist die Sperrmüllabholung kostenlos. Dann gibt es auch solche Probleme nicht mehr."

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