Warum diese Mutter die Maskenpflicht im Unterricht für unzumutbar hält

Die M-Frage droht die Elternschaft zu spalten. Melanie Beforth ist Mutter von zwei Töchtern und möchte ihnen die Quälerei ersparen. Mittlerweile organisiert sie die Proteste landesweit.

Nicole Hille-Priebe

Melanie Beforth sieht viele der Corona-Maßnahmen kritisch – besonders, wenn sie von der Politik nicht ausreichend begründet werden. - © Andreas Frücht
Melanie Beforth sieht viele der Corona-Maßnahmen kritisch – besonders, wenn sie von der Politik nicht ausreichend begründet werden. (© Andreas Frücht)

Kreis Gütersloh. Als im Juni der zweite Lockdown an Schulen und Kitas über die Eltern im Kreis Gütersloh hereinbrach und der Betrieb bei Tönnies zunächst trotzdem weiterlief, platzte Melanie Beforth der Kragen. Zum ersten Mal in ihrem Leben meldete die Mutter von zwei Töchtern im Teenageralter bei der Polizei eine Demo an, lieh sich von der Gewerkschaft ein Megafon aus und stand am nächsten Tag in Wiedenbrück auf dem Marktplatz, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Rund 100 Mitstreiter schlossen sich ihrer ersten Mahnwache „Eltern zeigen Gesicht“ an, darunter auch Vertreter der Stadtschulpflegschaft Gütersloh. Die Wut der Bürger auf Tönnies war groß in diesen Tagen und sie wollte raus. In dieser aufgeheizten Stimmung machte die frischgebackene Aktivistin einen Unterschied: Sie warb für Toleranz anstelle von Schuldzuweisungen und forderte ebenso angemessene wie zielgenaue Maßnahmen zur Eindämmung. „Doch stattdessen wurden wieder die Schulen geschlossen. Die Politik hat es sich damit einfach gemacht, während die Familien einmal mehr über alle Maßen belastet wurden – ohne dabei die Verhältnismäßigkeit zu berücksichtigen. Die Versäumnisse werden auf dem Rücken der Eltern ausgetragen und die Verantwortung reicht man einfach nach unten durch.“

Links zum Thema


Familien mit den Folgen alleine gelassen

Schon nach der ersten Mahnwache sei ihr klar gewesen, dass man weiter machen müsse mit dem Protest gegen die Unverhältnismäßigkeit der Maßnahmen und die teils katastrophalen Folgen, mit denen man die Familien dann auch noch alleine lasse. Doch war man sich in der Wut noch einigermaßen einig, droht nun mit der Maskenpflicht auch während des Unterrichts eine Spaltung der Elternschaft.

„Ich war mehr als irritiert, als ich davon erfuhr, und lehne diese Maßnahme für meine Töchter strikt ab“, erklärt die alleinerziehende Mutter. Sie hat sich der Gruppe „Eltern stehen auf“ angeschlossen, die die landesweiten Proteste über die sozialen Medien organisiert – auch gegen die Maskenpflicht. Seit kurzem ist die 51-Jährige Administratorin der Ortsgruppe Gütersloh/Bielefeld. „Unsere Anmeldezahlen explodieren in den letzten Tagen, da rumort es gerade richtig im Karton. Alles Leute, die ihren Kindern keine Masken im Unterricht zumuten wollen und jetzt aufstehen. Die Elternverbände und Einzelpersonen bringen mehrere Klagen auf den Weg.“

Es gibt mehrere Gründe, für oder gegen die Maskenpflicht im Unterricht zu sein. Nach Einschätzung der Stadtschulpflegschaft ist die überwiegende Mehrheit der Eltern dagegen. Meistens werden Sauerstoffmangel, Panikattacken und Verständigungsprobleme genannt. In den Augen von Melanie Beforth ist die neueste Maßnahme der Schulministerin jedoch vor allem eine sinnlose Quälerei.

"Meine Kinder müssen keine Maske tragen"

„Meine Kinder müssen keine Maske tragen. Ich beschäftige mich jeden Tag viele Stunden mit den Zahlen, wissenschaftlichen Hintergründen und Testungen, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Ich negiere absolut nicht den Sars-CoV-2-Virus, aber man muss auch die Zahlen beachten“, betont Beforth. Die Maskenpflicht im Unterricht stehe in keinerlei Verhältnis zu den Befunden. „Ich sehe hier sogar eher noch ein gesundheitliches Risiko, das fängt schon bei der Qualität der Maske an. Für viele Modelle gibt es Produktwarnungen. Wenn die Gefahr einer Ansteckung tatsächlich so groß ist, müsste es doch eine deutliche Empfehlung des Ministeriums geben. Stattdessen ist das Angebot vollkommen unübersichtlich.“ Dazu komme noch der unhygienische Umgang, besonders im Hochsommer. „Das hat nichts mehr mit dem Schutz vor einem gefährlichen Virus zu tun. Wenn man das professionell machen wollte, müsste man die Maske alle 20 Minuten wechseln, weil sie nicht durchfeuchten darf.“

Melanie Beforth wünscht sich, dass die Masken höchstens auf freiwilliger Basis getragen werden müssen und hat gerade einen Musterbrief verfasst, mit dem Eltern an die Schulleitungen appellieren können, einen fehlenden Mundschutz nicht zu sanktionieren. „Es gibt eine große Verunsicherung und Angst in der Bevölkerung. Viele Menschen fühlen sich mit Maske wohler und geschützt. Aber die Kinder sollen keine Wahl haben? So bekommen sie vermittelt, dass sie eine Gefahr sind, eine potenziell todbringende Virenschleuder – obwohl die Zahlen dagegen sprechen.“

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.