Schausteller planen in Gütersloh corona-konforme Kirmes

Eigentlich sind bis Ende Oktober alle Großveranstaltungen verboten. Doch da sich in Bielefeld oder Paderborn wieder Riesenräder drehen, warum nicht auch in Gütersloh?

Ludger Osterkamp

Dreht sich dieses Jahr doch noch was? Der Schaustellerverein bringt die Stadt mit einem Antrag auf einen Kurzzeit-Freizeitpark ins Rotieren. Foto: Andreas Frücht
Dreht sich dieses Jahr doch noch was? Der Schaustellerverein bringt die Stadt mit einem Antrag auf einen Kurzzeit-Freizeitpark ins Rotieren. Foto: Andreas Frücht

Gütersloh. Autoscooter, Achterbahn, Zuckerwatte: Was in Bielefeld, Paderborn, Düsseldorf und etlichen anderen Städten bereits läuft, soll auch in Gütersloh möglich sein: Eine Kirmes light. Ein Freizeitpark, der corona-konform ist. Als Ersatz für die Michaeliskirmes will ihn die Schaustellerfamilie Schneider, traditionell Ausrichter des hiesigen Rummels, „GT Michaelispark" nennen. Die Stadt muss ihn nur genehmigen.

„Und wieso sollte sie es nicht tun?", fragt August Schneider, der 89-jährige Kirmes-Impresario. Die Schausteller seien selbstverständlich bereit, alle Auflagen zu befolgen, und die Beispiele in den anderen Städten zeigten, dass die Sache funktioniere. In den vergangenen Wochen habe er zehn Veranstaltungen besucht, und von allen habe er die Erfahrung mitgenommen, dass eine Kirmes unter Auflagen durchführbar sei. „Auch wir kriegen das hin."

Von Donnerstag, 1. Oktober, bis Sonntag, 11. Oktober, soll der Vergnügungspark laufen. Wo? Wie immer auf dem Marktplatz. Allerdings mit dem Unterschied, dass das Gelände diesmal eingezäunt wäre und – auch das sei Vorschrift – eintrittspflichtig. „Mehr als einen Euro, einen symbolischen Preis, werden wir aber nicht verlangen", sagt Manuel Schneider (48), Sohn von August. Auch die Tickets für die Fahrgeschäfte könnten preiswerter als sonst sein. „Wir wollen auf unsere Kosten kommen, mehr nicht. Hauptsache, wir bleiben ein bisschen im Geschäft drin und können den Leuten mal wieder was Gutes bieten."

Zahl der erlaubten Besucher würde drastisch sinken

Entscheidend dürfte das Hygienekonzept sein: Wie breit müssen die Wege sein, wie groß der Abstand zwischen den Buden, wie viele Menschen dürfen gleichzeitig ins Kettenkarussell? Solche Fragen seien detailliert mit der Behörde, sprich dem Ordnungsamt, zu klären. Erst vor wenigen Tagen hat NRW-Wirtschaftminister Andreas Pinkwart die Kommunen ermuntert, solche Freizeitparks zu ermöglichen.

Aktuelles Vorbild könnte Bielefeld sein. Dort, an der Radrennbahn, hat vor einer Woche „Bie happy" eröffnet, „ein Freizeitpark im Kirmes-Stil". Auf 12.000 Quadratmetern Fläche, umgeben von 750 Metern Bauzaun, sind gemäß der aktuellen Corona-Verordnung 1.700 Besucher zeitgleich erlaubt. Sie müssen sich am Eingang Heeper Straße registrieren und dort auch wieder austragen. Ist die Maximalzahl erreicht, darf erst wieder einer rein, wenn ein anderer rauskommt – was zwar schon zu Schlangen geführt hat, gleichzeitig aber Beleg für die Beliebtheit des Angebotes ist. „Die Leute sehnen sich nach so etwas", sagt August Schneider. „Jetzt, wo sie wieder rausdürfen, wollen sie auch Kirmesduft schnuppern."

1.700 Besucher seien nicht viel. „Als ich in Bielefeld war, dachte ich, das ist ja total leer", sagt Schneider. Bei drei Durchläufen kommt man auf 5.100, doch die Michaeliskirmes lockt zu Spitzenzeiten bis zu 15.000 Besucher pro Tag – und über die gesamte Dauer mehr als 300.000. Die Schneiders senior und junior hoffen daher, durch ein kluges Platz-Konzept zumindest auf 2.500 zu kommen – das wirke besser und sei auch anzustreben, um am Ende nicht doch draufzahlen zu müssen.

Maskenpflicht wird es wohl punktuell geben

Füllen auf der Pfingst- und Michaeliskirmes normalerweise 100 Schausteller den Platz, so dürften es diesmal gemäß Abstandsgebot 40 bis 50 werden, schätzen die Schneiders. Riesenrad, Geisterbahn, Autoscooter, Musikexpress, Breakdance, Gastro- und Unterhaltungsbuden: Die Klassiker seien in jedem Fall dabei. „Wir werden auf eine attraktive Auswahl achten", sagt Manuel Schneider. Möglicherweise schaffe man auch wieder die Wildwasserbahn oder den Tower – Europas größter transportabler Freifall-Turm – heran. Gütersloh habe einen guten Ruf, da stünden die Chancen gar nicht schlecht. Wegen der vielen Pop-up-Freizeitparks, die derzeit allerorten wie Pilze aus dem Boden schießen, sei die Konkurrenz, das Buhlen um die Fahrgeschäfte allerdings groß. Auch ein Biergarten, zentral und gemütlich, sei geplant.

Maskenpflicht? Die werde es geben, allerdings nur punktuell. Am Einlass werde man eine tragen müssen, auch in Fahrgeschäften wie den Autoscooter, wo es ohne Karambolagen, sprich: engen Kontakt, witzlos wäre. Im übrigen aber dürfte der Bummel über den Rummel maskenfrei sein, sagen die Schneiders. Reichlich Security und der Aufruf, sich möglichst im Rundlauf übers Gelände zu bewegen, sollen ebenfalls dazu beitragen, die Sicherheit der Besucher zu erhöhen.

Ob in Gütersloh – wie in Bielefeld – ein formeller Ratsbeschluss erfolgt, um den „GT Michaelispark" zu ermöglichen, sei noch zu klären, sagte BfGT-Vorsitzender Norbert Morkes, Berater und Sprecher der Schaustellerfamilie Schneider. Er sei zuversichtlich. „Wenn inzwischen auch Mega-Einrichtungen wie Fantasialand oder Heidepark öffnen dürfen, dann sollte das in Gütersloh ja wohl auch irgendwie gehen", sagt Manuel Schneider.

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