Bombe entschärft: Puls der Sprengmeisterin schnellt nur kurz hoch

Durch Zufall ist die Bombe aus dem 2. Weltkrieg am Freitag bei Bauarbeiten am Rathaus entdeckt worden. Sie konnte am Abend erfolgreich entschärft werden.

Max Maschmann

Sprengmeisterin Barbara Bremmer aus Münster präsentiert den rostigen Zünder der amerikanischen Fliegerbombe, die mittels Spezialwerkzeug unschädlich gemacht werden musste. - © Patrick Menzel
Sprengmeisterin Barbara Bremmer aus Münster präsentiert den rostigen Zünder der amerikanischen Fliegerbombe, die mittels Spezialwerkzeug unschädlich gemacht werden musste. (© Patrick Menzel)

Gütersloh. Die Eheleute Erika und Hans-Diether Hahn sitzen am Freitag gegen 16.50 Uhr im zweiten Stock an der Friedrich-Ebert-Straße vor dem Fernseher, als das Ordnungsamt klingelt. In gut einer Stunde müssen sie aus ihrer Wohnung raus, heißt es. Grund: Am Rathaus soll wenig später eine 50 Kilogramm schwere, amerikanische Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg entschärft werden. Sie ist dort am Mittag durch Zufall bei Bauarbeiten in 1,50 Metern Tiefe entdeckt worden.

Jetzt sitzen sie also hier, vor der Mensa des Städtischen Gymnasiums. Die Stadt hat sie den Betroffenen für die Zeit der Evakuierung zur Verfügung gestellt. Genutzt wird dieses Angebot kaum. Nur wenige Menschen vertreiben sich hier die Wartezeit. Gelegenheit also, um danach zu fragen, welches persönliche Hab und Gut sie mitgenommen haben? "Die wichtigsten Papiere, die man so braucht", sagt Hans-Diether Hahn. Anneliese Flöttmann aus der Friedrich-Ebert-Straße hat derweil ein Bild ihres Mannes bei sich.

"Der Baggerfahrer hat einen ordentlichen Schreck bekommen"

Rund 150 Menschen sind von der Evakuierung im Umkreis von 100 Metern betroffen, wie Ordnungsamtsleiter Thomas Habig später zu Protokoll gibt - einschließlich des Holiday-Inn-Hotels. "Viele Wohnungen sind frei gewesen, weil die Bewohner im Urlaub oder bei der Arbeit waren", erklärt Habig. Ein Großteil habe die Zeit aber auch bei Verwandten oder in einem Café verbracht. Glück hat die Stadt offenbar, dass sie mehrere Gebäude mit Werkvertragsarbeitern, die sich zum Teil noch in Quarantäne befinden, nicht räumen muss.

Weltkriegsbombe bei Bauarbeiten in Gütersloh gefunden

Die Bombe ist am Mittag zwischen 12 und 13 Uhr bei Kanalarbeiten in 1,50 Metern Tiefe am Rathaus von einem Bagger freigelegt worden, berichtet Bernhard Suppan, der Bauleiter der Firma Vollmer. Er sagt: "Der Baggerfahrer hat einen ordentlichen Schreck bekommen". Das Unternehmen informiert das Ordnungsamt und stellt die Arbeiten an der Baustelle umgehend ein.

Während der Entschärfung kam es zu einem Rettungseinsatz in der Quarantäne-Unterkunft an der Ziethenstraße. - © Patrick Menzel
Während der Entschärfung kam es zu einem Rettungseinsatz in der Quarantäne-Unterkunft an der Ziethenstraße. (© Patrick Menzel)

Ab 14.30 Uhr ist dann auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe der Bezirksregierung Arnsberg um Sprengmeisterin Barbara Bremmer und Dirk Schläger (beide Münster) vor Ort. Bremmer hat in den vergangenen drei Jahren mindestens 30 Bomben entschärft, so schätzt sie zumindest. Doch als sie den Heckaufschlagzünder der mit TNT geladenen, amerikanischen Bombe erblickt, schnellt der Puls an ihrem Messgerät am Arm kurzzeitig in die Höhe.

Mit Spezialwerkzeug rücken die Profis der Bombe zu Leibe

Nicht etwa, weil Gefahr droht, sondern weil der Zünder "sehr rostig" und die Entschärfung mit normalem Werkzeug "nicht zu händeln" ist, wie Bremmer später erklärt. Aus Detmold fordert sie deshalb die Unterstützung ihrer Kollegen Karl-Heinz Clemens und Ralf Kuhlpeter an. Sie sollen der Fliegerbombe mit Spezialwerkzeug zu Leibe rücken sollen.

Für die Dauer der Entschärfung hat die Polizei die Friedrich-Ebert-Straße für den Verkehr gesperrt. - © Patrick Menzel
Für die Dauer der Entschärfung hat die Polizei die Friedrich-Ebert-Straße für den Verkehr gesperrt. (© Patrick Menzel)

Etwa 45 Minuten muss Güterloh ab 18 Uhr warten, bis der Zünder abgeschraubt und die Bombe erfolgreich entschärft ist. Die Friedrich-Ebert-Straße bleibt in diesem Zeitraum zwischen Nordring und Verler Straße für den Verkehr gesperrt, auch Strenger- und Eickhoffstraße sind nicht erreichbar. Trotzdem muss die Polizei mehrfach Fußgänger und Radfahrer ermahnen, die versuchen, die Absperrung zu passieren.

Die unschädlich gemachte Bombe wird nun vorerst in einen Bunker nach Senden transportiert. Später soll sie dann in einen Munitionszerlegebetrieb nach Hünxe gebracht werden, wie Bremmer erklärt.

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