Bielefelder (17) stirbt nach Horror-Unfall - Seniorin fuhr betrunken

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(© Feuerwehr Bad Salzuflen)

Bielefeld. Wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs, Unfallflucht und Trunkenheit am Steuer ist eine 76-jährige Rentnerin aus Bielefeld jetzt zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Zudem wurde ihr für vier Jahre die Fahrerlaubnis entzogen.

Das Amtsgericht Lemgo unter Vorsitz von Richterin Ute Jürgens sah es aufgrund von Zeugenaussagen und eines Gutachtens eines Dekra-Unfallsachverständigen als erwiesen an, dass die Angeklagte am 23. Oktober 2019 gegen 14.55 Uhr in alkoholbedingt fahruntüchtigem Zustand die Ostwestfalenstraße in Fahrtrichtung Bielefeld befuhr.

17-Jähriger verstarb noch am Unfalltag

Zwischen den Abfahrten Bextener Straße und Leopoldshöher Straße bremste sie kurz vor einer Brücke grundlos stark ab und fuhr auf den rechten Seitenstreifen, wobei das Fahrzeug mit dem linken Fahrzeugheck noch etwa 40 Zentimeter weit auf die Fahrbahn ragte. Das Warnblinklicht war angeschaltet.

Aufgrund des unerwarteten Manövers mussten zwei nachfolgende Fahrzeugführer stark abbremsen und ausweichen. Hinter ihnen fuhr ein 17-Jähriger mit einem Leichtkraftrad am rechten Fahrbahnrand. Ihm gelang es nicht mehr, rechtzeitig zu reagieren. Er fuhr auf das Fahrzeug auf und stürzte. Dabei zog er sich schwerste Verletzungen zu, an denen er noch am Unfalltag im Klinikum Bethel in Bielefeld verstarb.

Frau fuhr mit 1,6 Promille

Nach dem Zusammenstoß stieg die Angeklagte aus ihrem Fahrzeug aus, schaute sich die Schäden an ihrem Fahrzeug und den Schwerverletzten an. Dann stieg sie wieder in ihr Auto ein und fuhr davon. Sie konnte nach gut anderthalb Kilometern gestoppt werden. Die Frau war betrunken und fahruntüchtig. Zwei Blutproben im Abstand von 30 Minuten ergaben Promillewerte von 1,6 und 1,46.

Das Gericht ging von einer verminderten Schuldfähigkeit der Angeklagten infolge der Alkoholisierung aus. Mehrere Zeugen bekundeten, dass die Angeklagte einen verwirrten und apathischen Eindruck gemacht habe. Ein Polizeibeamter gab an, die Vernehmung der Frau nach dem Unfall abgebrochen zu haben, da sie verwirrt gewesen sei und sich unverständlich geäußert habe.

Angeklagte macht keine Angaben

Nicht geklärt werden konnte, ob der Kradfahrer verspätet oder unzureichend auf das Bremsmanöver reagierte, den Sicherheitsabstand nicht eingehalten hatte oder ob die Sicht durch andere Fahrzeug versperrt war und eine rechtzeitige Reaktion nicht mehr möglich war. Zugunsten der Angeklagten musste das Gericht daher einen möglichen Fahrfehler zugrunde legen.

Mit dem Urteil ging das Gericht deutlich über den Antrag des Verteidigers hinaus, der sämtliche Zeugenaussagen für unglaubhaft hielt und den Vorwurf der fahrlässigen Tötung als nicht erwiesen ansah, weshalb er eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen sowie die Entziehung der Fahrerlaubnis beantragte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von 17 Monaten sowie Entziehung der Fahrerlaubnis für fünf Jahre beantragt.

Die Angeklagte machte keine Angaben zur Sache. In ihrem letzten Wort erklärte sie, dass ihr der Unfall leid tue. An der Unfallstelle auf der Ostwestfalenstraße befindet sich noch heute ein Holzkreuz, das regelmäßig mit Blumen geschmückt ist.

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