Hier gibt es in Bielefeld bald Hunderte günstige Wohnungen und Baugrundstücke

Käufer und Mieter können durchatmen, denn Immobilien sollen bewusst unterm Marktpreis angeboten werden. Alle Details mit Stadtplan-Grafik im Überblick.

Sebastian Kaiser

- © Symbolbild: Pixabay
(© Symbolbild: Pixabay)

Bielefeld. Der Immobilienmarkt ist bereits vor der Corona-Krise bundesweit heißgelaufen. Auch in Bielefeld gibt es Wohnungsmangel, die Preise explodierten in den vergangenen Jahren. Alle Marktteilnehmer, vom Makler bis zum Architekten, arbeiten an Lösungen. Die Stadt setzt mittlerweile auf eine neue sogenannte Baulandstrategie - und Käufer und Mieter könnten dann durchatmen, denn Immobilien werden zukünftig bewusst unterm Marktpreis angeboten. Es gibt ein erstes große Areal, auf dem es jetzt losgehen soll: Hunderte Immobilien sind geplant.

Wie berichtet, soll es nur noch dort neues Bauland geben, wo die Stadt Bielefeld mindestens zu 50 Prozent Eigentümerin der Flächen ist. Das ist Kern der Baulandstrategie, die der Rat mit den Stimmen der Paprikakoalition und der Linken jüngst beschlossen hat.

"Ein Versuchsballon" auf 16 Hektar

So sehen die Planungen für das Gewerbegebiet Niedermeyers Hof aus. - © Stadt Bielefeld
So sehen die Planungen für das Gewerbegebiet Niedermeyers Hof aus. (© Stadt Bielefeld)

Das Oldentruper Baugebiet „Amerkamp" soll das erste in der Stadt werden, in dem die Regeln der neuen Baulandstrategie angewendet werden. Das heißt, es wird einen hohen Anteil an preiswerten Mietwohnungen geben und die Grundstücke für Eigenheime werden zum Bodenrichtwert und nicht zu maximalen Marktpreisen veräußert.

Noch befindet sich das 16 Hektar große Areal an der Hillegosser Straße in der Planung. 100 Eigenheime und bis zu 200 Wohnungen könnten entstehen. „Das Gebiet ist ein Versuchsballon, wir wollen hier Erfahrungen für die Anwendung der Baulandstrategie sammeln", sagt Andree Schmidt, Prokurist der städtischen Vermögensholding BBVG.

Das Geschäft ist noch zäh

Die Gesellschaft soll für die Stadt künftig das Baulandgeschäft betreiben. Insgesamt erhält sie dafür 15 Millionen Euro. Die erste Tranche von fünf Millionen fließt in diesem Jahr. Wann weitere Gebiete entwickelt werden, ist noch offen. „Wir führen zahlreiche Gespräche mit Eigentümern", sagt Schmidt. Die sind nicht immer einfach und für Grundbesitzer ungewohnt. „Denn wir zahlen nicht Höchstpreise, sondern der Einstandskurs liegt deutlich unter dem Richtwert", so Schmidt.

Denn laut Ratsbeschluss gilt: Grundstücksbesitzer machen das Geschäft mit der Stadt – oder gar nicht. Nur wo die Stadt mindestens 50 Prozent der Flächen besitzt, soll künftig neues Bauland ausgewiesen werden. Da warten derzeit viele erst einmal auf das Ergebnis der Kommunalwahl und hoffen, dass sich der politische Wind dreht. „Etliche sehen die Stadt jedoch als ersten Ansprechpartner", berichtet Schmidt. Dennoch sei das Geschäft zäh.

Millioneninvestition in die Stadtbahnen

Grund: Die Lage auf dem Immobilienmarkt ist trotz der Corona-Pandemie unverändert: „Ein Stopp der steigenden Preisentwicklung ist nicht erkennbar", so die BBVG. Dennoch gibt es erste Erfolge: An der Senner Straße ist das Planungsverfahren für ein acht Hektar großes Gewerbegebiet gestartet. Die BBVG hat es 2019 erworben und will dort Grundstücke für Handwerk und Gewerbe anbieten.

Bei der BBVG liegen maßgebliche Vermögenswerte der Stadt. Dazu gehören 100 Prozent der Stadtwerke, die Stadtbahntunnel sowie die Stadthalle. Im vergangenen Jahr hat die BBVG unter anderem 4,9 Millionen Euro in die Halle und die Bahn investiert. Dafür wurde eine neue Bühnentechnik eingebaut und die Verlängerung der Linie 4 zur Station Dürkopp Tor 6 realisiert. „Im operativen Geschäft waren wir gut aufgestellt", sagte Geschäftsführer Joachim Berens jetzt bei der Vorstellung der BBVG-Bilanz.

Das Geld wird knapp

Doch finanztechnisch muss die Vermögens-Holding Rückschläge einstecken. Sie wird daher in diesem Jahr erneut kein Geld an den städtischen Haushalt überweisen. In Zukunft droht das Gegenteil. „Unter heutigen Voraussetzungen werden wir 2022 erstmalig auf Einzahlungen aus dem Haushalt angewiesen sein, um unsere Aufgaben erfüllen zu können", so Berens.

Dahinter stehen die sinkenden Gewinne der Stadtwerke und die steigenden Defizite von MoBiel. Die führen zu negativen Ergebnissen bei dem Versorgungsunternehmen. Und da sich die BBVG bisher vor allem aus den Gewinnausschüttungen der Stadtwerke finanzierte, wird auch dort das Geld knapp. Die BBVG muss künftig für Verluste der Stadtwerke-Gruppe aufkommen.

Allerdings: Nicht nur die Finanzierung der 15 Millionen für die Baulandstrategie ist noch gesichert. Auch die Abzahlung der Kredite für den 2012 erfolgten Rückkauf der Stadtwerke ist in trockenen Tüchern. „Das Geld dafür haben wir zurückgelegt. 2022 ist der Rückkauf ausfinanziert", betont Berens.

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