In Bielefeld gibt's ab sofort gleichgeschlechtliche Ampelzeichen

Seit Donnerstag regeln an der Kreuzung von Bahnhof- und Feilenstraße gleichgeschlechtliche Ampelmännchen den Verkehr - allerdings nur zeitlich befristet.

Mareike Köstermeyer

Sascha Hüttner präsentiert die neuen Ampelmenschen. - © Andreas Zobe
Sascha Hüttner präsentiert die neuen Ampelmenschen. (© Andreas Zobe)

Bielefeld. Bielefeld hat jetzt queere Ampelmenschen. An der Kreuzung von Bahnhofstraße und Feilenstraße regeln seit diesem Donnerstag gleichgeschlechtliche Paare den Fußgängerfluss über die Straße. Zwei weibliche Personen leuchten rot, wenn die Fußgänger stehen bleiben müssen, zwei männliche Personen leuchten grün, sobald die Fußgänger die Straße überqueren dürfen. Das Wort „queer" steht dabei für Personen, deren geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung nicht der Heteronormativität entstprechen.

Die Idee zu den neuen Ampelsymbolen hatten Jugendliche der Bielefelder Falken, die im vergangenen Jahr an verschiedenen Beteiligungsprojekten zum Thema „Queer" in mehreren Jugendzentren der Falken teilgenommen haben. „Die Teilnehmer sind dabei durch die Bielefelder Innenstadt gelaufen, auf der Suche nach Dingen, die im Sinne der Bewegung verändert werden könnten", sagt Michael Schütz, Leiter der Jugendarbeit bei den Falken. „Die Veränderung der Ampelzeichen ist nur eine von vielen Ideen, die bei den Projekten entstanden sind."

An acht Ampelanlagen zu sehen

Für Bürgermeisterin Karin Schrader ist es dringend Zeit, dass Bielefeld als bunte Stadt ein Zeichen setzt: „Unsere Stadt ist tolerant und offen und vor allem sehr queer", sagt sie. Sie habe die gleichgeschlechtlichen Ampelmenschen bereits in Wien gesehen, wo die Ampelschablonen auch entworfen wurden. In Abstimmung mit dem Oberbürgermeister Pit Clausen und dem Amt für Verkehr wurde die Kreuzung am Eingang der Fußgängerzone als Standort ausgewählt, weil dort das Fußgängeraufkommen am größten ist.

An insgesamt acht Ampelanlagen auf der Kreuzung sind die neuen Ampelmenschen jetzt zu sehen. In den Augen der Initiatoren hätten es aber durchaus mehr sein können: „Wir finden der Stadt würden mehr gleichgeschlechtliche Ampelmenschen stehen", sagt Alessandro Sciurba. Er hatte mit seinen Freunden im vergangenen Jahr die erste Anfrage für das Projekt bei der Stadt gestellt. Seiner Meinung nach müsse Diversität im öffentlichen Raum wesentlich häufiger dargestellt werden und vor allem dauerhaft.

Zunächst für acht Wochen

Denn die queeren Ampelmenschen an der Bahnhofstraße werden dort zunächst nur für acht Wochen zu sehen sein. „Das Patent für die gleichgeschlechtlichen Ampelmenschen liegt bei den Behörden in Wien, die die Ampelschablonen entworfen haben", erklärt Olaf Lewald, Leiter des Amtes für Verkehr. „Am liebsten hätten wir die neuen Leuchtsignale auch schon rechtzeitig zum Christopher-Street-Day in Bielefeld installiert, aber so schnell konnten wir keine Erlaubnis bekommen." Hergestellt hat die Aluminium-Schablonen jetzt eine Firma aus Köln.

Bielefeld ist neben Köln aktuell die einzige Stadt in Nordrhein-Westfalen, in der es gleichgeschlechtliche Ampelzeichen gibt. „Und je nach dem wie das Feedback der Bürger ausfällt, wollen wir uns aber dafür einsetzen, dass die queeren Ampelmenschen längerfristig, oder sogar dauerhaft und auch an mehreren Ampeln zu sehen sind", verspricht Lewald.

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