Kreis GüterslohZahlt Tönnies nun für Coronatests? Schlachtkonzern hüllt sich in Schweigen

Der Aufforderung des Landrats, die Kosten für die Coronatests zu übernehmen, folgte prompt die vollmundige Zusage von Tönnies. Doch wie setzt sich die Finanzierung zusammen?

Irja Most

Das Testcenter am Hangar 4 des Airports Gütersloh - © Andreas Frücht
Das Testcenter am Hangar 4 des Airports Gütersloh © Andreas Frücht
Kreis Gütersloh. Kostenlose Coronatests gibt es für die Menschen im Kreis Gütersloh aktuell noch an drei Diagnosezentren, die von ursprünglich sechs verblieben sind. Zwei der Kassenärztlichen Vereinigung ( KVWL) am Carl-Miele-Berufskolleg in Gütersloh und am Ems-Berufskolleg in Rheda-Wiedenbrück sind weiter geöffnet. Das Drive-In-Zentrum des Kreises auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens in Gütersloh schließt Mittwochabend laut Kreisverwaltung.


Wie lange die Zentren der KVWL weiter betrieben werden, kann Jana Elbert, Mitarbeiterin der KVWL-Pressestelle nicht genau sagen, "das entscheidet sich nach Bedarf", so Elbert. Der Zulauf wäre jetzt deutlich geringer als am Anfang. Bis zum Wochenende seien die Zentren mit Stand Dienstag aber noch geöffnet, erklärt Heike Achtermann, Stabsbereichsleitung Kommunikation der KVWL. In den beiden KVWL-Zentren wurden bis jetzt 15.000 Tests durchgeführt.

Aussagen zur Kostenübernahme bleiben vage

Doch wer zahlt nun wirklich die Coronatests, die Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU), auf einer Pressekonferenz am 20. Juni allen Menschen im Kreis Gütersloh versprochen hatte? Adenauer hatte an besagtem Samstag bei seiner Erklärung angemerkt: "Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es für die Firma Tönnies möglicherweise interessant wäre, für diese Kosten aufzukommen. Das muss die Firma aber selber entscheiden."

Konzernchef Clemens Tönnies hatte darauf prompt seine offizielle Zusage erteilt: "Wir stehen zu unserer Verantwortung und übernehmen die Kosten für einen freiwilligen flächendeckenden Coronatest im Kreis Gütersloh. Die Details stimmen wir mit dem Kreis Gütersloh ab." Auf Nachfrage dieser Zeitungsowohl an den Kreis Gütersloh als auch an die Schlachtfabrik Tönnies, wie das konkret vonstattengehen soll, hüllen sich beide bisher vornehmlich in Schweigen. Adenauer bekräftigte zwar Dienstag die Forderung an Tönnies zur Kostenübernahme, blieb aber ebenso vage dabei, ohne eine Summe zu nennen.

Vereinbarung mit dem Kreis Gütersloh bis Ende August

Das Kostenmanagement und die Finanzierung der Tests läuft laut KVWL folgendermaßen ab: Der Kreis Gütersloh hat, um sein Versprechen zu Gratis-Tests für alle an die Bevölkerung einlösen zu können, mit der KVWL eine Vereinbarung getroffen. Diese laufe laut Achtermann Stand jetzt noch bis zum 31. August 2020 und besage, dass der Kreis Gütersloh die KVWL damit beauftragt, bei der Umsetzung der Massentests zu helfen. Die KVWL eröffnete daraufhin am 23. Juni am Carl-Miele-Berufskolleg in Gütersloh das erste Testzentrum, ein weiteres folgte in Rheda-Wiedenbrück am Ems-Berufskolleg. Vier Zentren gab es vom Kreis. Ebenso durften von da ab niedergelassene Hausärzte im Kreis Gütersloh ebenfalls Menschen ohne Symptome auf das Coronavirus testen, ohne dass die Patienten für die Kosten aufkommen müssen. Zuvor galt das nur bei begründeten Verdachtsfällen.

Bei der Abrechnung der Kosten für die Tests erstelle die KVWL mit Beendigung der Vereinbarung eine Rechnung und übergebe diese der Kreisverwaltung. Die Tests, die bei den Hausärzten gemacht werden, fänden sich in deren Quartalsabrechnung wieder und müssten hier herausgerechnet werden, da die Krankenkassen nicht dafür aufkämen, sondern auch hier der Kreis Gütersloh. Die jüngste Quartalsabrechnung der Ärzte erfolgte zum Stichtag 30. Juni 2020. Genaue Zahlen könne die KVWL aber erst im August vorlegen, so Achtermann, da die Verarbeitung der Daten dauere.

Kein Limit für kostenlose Coronatests

Die Coronatests für Menschen ohne Symptome seien keine GKV-Leistung, sprich keine gesetzlich vorgeschriebene Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen, sondern vergleichbar mit einer freiwilligen Igel-Leistung. Für den Abstrich erhalten die Hausärzte laut KVWL jeweils 20 Euro, ebenso würden die Abstriche aus den Diagnosezentren in dieser Höhe in Summe dem Kreis Gütersloh als Endabrechnung vorgelegt. Laborkosten in Höhe von 50,50 Euro pro Test, in denen das Testkit enthalten sei, würden aus Liquiditätshilfen des Bundesamtes für Soziale Sicherung bezahlt, erklärt Elbert von der KVWL. Das sei in einer Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit für asymptomatische Tests festgelegt, wonach sich auch die Vereinbarung zwischen KVWL und Kreis richte.

Ein Limit für Testfreudige ohne Symptome gibt es übrigens laut KVWL nicht, diese appelliert hier aber an die Vernunft der Bürger. Wer einen Test machen möchte, brauche lediglich seine Versichertenkarte und den Personalausweis.

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