Verwirrend: Das macht die Corona-Statistik im Kreis Gütersloh gefährlich

Den Menschen fällt es schwer, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie sich die Lage entwickelt. Gefährlich.

Nicole Donath

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Kreis Gütersloh. Mit Spannung wartet man im Kreis Gütersloh auf den kommenden Montag. Dann verkündet NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, ob der Shutdown, der noch bis einschließlich Dienstag, 7. Juli, gilt, aufgehoben oder abermals verlängert wird. Doch nicht nur, dass an dieser Entscheidung wirtschaftliche und persönliche Schicksale hängen und ohnehin eine hohe Grundnervosität zwischen Werther und Rietberg herrscht. Zuletzt mischte sich noch ein weiteres Problem in die ohnehin unsichere Lage: Die Menschen können trotz der kommunizierten Zahlen kein Gefühl mehr dafür entwickeln, wie sich die Situation verändert.

Verwirrende Differenzen

Ein Beispiel: Vergangenen Mittwoch kommunizierte der Kreis 35 Corona-Neuinfektionen – 25 davon ohne einen Bezug zu Tönnies. Am Donnerstag wurden 18 Neuinfektionen insgesamt gemeldet – also zwingend weniger Menschen ohne Tönnies-Bezug als noch am Mittwoch, auch wenn nicht eigens differenziert wurde. In dem erläuternden Text des Robert-Koch-Institutes (RKI) hieß es dazu allerdings: „Fallzahlen ohne Tönnies-Bezug steigen." Ein ähnliches Verwirrspiel für den Laien auch am Freitag: Während das RKI noch 57 Neuinfektionen meldete, kam der Kreis nur noch auf 23.

Nun gibt es für die unterschiedlichen Zahlen eine nachvollziehbare Erklärung, zumindest theoretisch: Aufgrund des Corona-Ausbruchs bei Tönnies kommt es aktuell zu Verzögerungen bei den Zuordnungen von Laborbefunden zu Personen, vor allem zu Tönnies-Mitarbeitern. Das betont der Kreis auch in jeder seiner Mitteilungen. Allerdings veröffentlicht er stets die aktuellen Daten, die Personen klar zugeordnet werden können – ohne, dass sie bereits in die Datenbank eingepflegt wurden. Das RKI indes bewertet nur die Zahlen, die tatsächlich auch in der Datenbank auftauchen – und muss damit zwangsläufig hinterherhinken.

Beide Mitteilungen für sich betrachtet sind korrekt. Problematisch wird es allerdings an der Stelle, da das RKI die überholten Zahlen aus der Datenbank textlich einordnet, während die Öffentlichkeit schon längst andere Erkenntnisse hat. Denn die Gefahr, die sich daraus ergibt, liegt auf der Hand: Obwohl die Zahlen korrekt sind, können die Menschen die Interpretationen nicht mehr verstehen.

Und dann kommt es dazu, dass die ohnehin angespannte Stimmung umschlägt – wie zuletzt in sozialen Netzwerken deutlich wurde. Und sich ausgerechnet gegen eine Behörde richtet, deren Team seit Monaten an sieben Tagen in der Woche dafür arbeitet, das Corona-Virus einzudämmen. Die Kurzbewertung des RKI, das mit einem Team übrigens im Kreishaus sitzt, werde nicht hinterfragt, erklärte ein Sprecher des Kreises dazu.

Die aktuelle Entwicklung im Kreis gestaltet sich übrigens so, dass in den vergangenen sieben Tagen 125 Fälle ohne Tönnies-Bezug bekannt wurden. „Die Zahl der positiven Tests bei Personen, bei denen zunächst kein Tönnies-Bezug erkennbar ist, schwankt", heißt es weiter. Eine entscheidende Größe für Laschets Entscheidung dürfte übrigens die Zahl der neuen Fälle je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen sein: Sie stieg am Freitag ganz leicht von 76,4 auf 76,6 – zumindest nach Angaben des RKI und auf Basis der etwas älteren Zahlen.

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