Beim Krisenstab des Kreises Gütersloh existieren Pläne für ein Ersatzkrankenhaus

Man habe dafür auch schon eine Immobilie im Auge, heißt es. Klinikvertreter säßen wie die Apotheker gern mit am Tisch. Auch sonst gibt es Kritik.

Rainer Holzkamp

Auch die Krankenhäuser hätten gern einen ständigen Sitz im Corona-Krisenstab des Kreises. - © Kreis Gütersloh
Auch die Krankenhäuser hätten gern einen ständigen Sitz im Corona-Krisenstab des Kreises. (© Kreis Gütersloh)

Kreis Gütersloh. Häppchenweise fördert die Corona-Krise immer weitere Details zutage. Jetzt ist bekannt geworden, dass der Krisenstab beim Kreis für den Notfall offenbar Pläne für ein Ersatzkrankenhaus in der Schublade hat. „Wir haben bereits eine Immobilie im Auge. Aber das Ganze ist zur Zeit nicht spruchreif", sagte Pressesprecher Jan Focken.

Eine solche Reserveeinrichtung könnte beispielsweise erforderlich sein, wenn ältere Corona-Patienten zwar nicht mehr behandlungsbedürftig sind, aber wegen einer noch vorhandenen Infektion mit dem Virus nicht zurück ins Alten- oder Pflegeheim können.

Betriebsleitung moniert Ausschluss

Mit seiner Aussage reagierte der Kreis auf eine Anfrage dieser Zeitung, warum Vertreter der heimischen Krankenhäuser beim Krisenstab nicht mit am Tisch sitzen. Im Aufsichtsrat des Klinikums Gütersloh war jetzt seitens der Betriebsleitung deutliche Kritik an diesem Umstand geäußert worden. Eine Sprecherin wollte dazu unter Hinweis auf eine bestehende Verschwiegenheitsverpflichtung jedoch nicht Stellung beziehen.

Nach Aussage von Focken bestehe aktuell kein Anlass, die Kliniken direkt mit einzubinden. Der Krisenstab sehe die Kommunikation mit den Häusern als ausreichend abgedeckt durch die Gesundheitsabteilung des Kreises. Deren Leiterin trage Wünsche der Häuser im Krisenstab vor, und gegebenenfalls würden diese durch die Einsatzleitung taktisch und operativ umgesetzt. Die Krankenhäuser würden durch dieses Vorgehen entlastet, da sie nicht jedes Mal Mitarbeiter für die Sitzungen abstellen müssten.

"Das ist keine offene Diskussionsrunde"

Der Kreissprecher erinnerte - wie schon kürzlich im gleichgelagerten Fall der ebenfalls nicht im Stab vertretenen Apotheken - daran, dass der Krisenstab ein Entscheidungsgremium sei und „keine offene Diskussionsrunde". Dem Krisenstab gehören ständige Mitglieder (SMS) und ereignisspezifische Mitglieder (EMS). Auf Anforderung würden, so hieß es, EMS angefordert.

Im Aufsichtsrat des Klinikums ist dem Vernehmen nach auch sonst kräftig Kritik am Krisenstab geäußert worden. Beispielsweise wurde moniert, dass dort keinerlei Protokolle geführt würden und somit nicht gleich klar sei, was in vorangegangenen Sitzungen entschieden wurde. Focken bestätigte lediglich, dass ein größerer Kreis das Einsatztagebuch, so und nicht Protokoll heiße das im Krisenstab, gerne hätte.

Warum die Weitergabe offenbar nicht möglich ist, wurde aus der Antwort allerdings nicht klar: „Das Einsatztagebuch gehört zwingend zum Krisenstab. Im Wechsel sitzen Kolleginnen und Kollegen an einem Tisch direkt vor dem Krisenstabsleiter, damit sie im Zweifelsfall nachfragen können, wie der Beschluss genau lautet." Eine weitere Nachfrage blieb unbeantwortet. Corona-Zeiten sind auch ziemlich komplizierte Zeiten.

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