Stadt kommt bei Quarantäne-Kontrolle von Tönnies-Arbeitern nicht hinterher

Halten die Tönnies-Mitarbeiter die häusliche Quarantäne ein? Um das zu kontrollieren sind Teams in Harsewinkel im Einsatz. Politiker beklagen Verstöße und fordern eine stärkere Überwachung.

Burkhard Hoeltzenbein

Mehr als 1.500 Tönnies-Mitarbeiter hatten sich mit dem Coronavirus infiziert. - © Andreas Frücht
Mehr als 1.500 Tönnies-Mitarbeiter hatten sich mit dem Coronavirus infiziert. (© Andreas Frücht)

Harsewinkel. Die Kontrollen zur Einhaltung der häuslichen Quarantäne der betroffenen Mitarbeiter von Tönnies sowie dessen Subunternehmern reichen nicht aus. Den Eindruck haben jedenfalls Reinhard Hemkemeyer (SPD) und Angelika Wensing (CDU). Die beiden Fraktionssprecher wiesen in der jüngsten Ratssitzung darauf hin, dass die eingesetzten Teams des engagierten Sicherheitsdienstes und des Außendienstes der Stadt zeitlich nur einen Teil der erforderlichen Zeiten abdecken würden.

Entsprechende Hinweise hatten beide Kommunalpolitiker aus der Bevölkerung erhalten. Allerdings ist wohl nicht in jedem Fall klar, ob dort jemand unerlaubt unterwegs ist, der zu der unter Quarantäne stehenden Gruppe gehört. Wie viele Mitarbeiter der Firma Tönnies in Harsewinkel leben, kann die Verwaltung nicht zuverlässig sagen. Es gelte da, einem Generalverdacht entgegenzuwirken.

Derzeit schickt die Sicherheitsfirma Löwen aus Rheda-Wiedenbrück je zwei Teams im Duo zu den bekannten Adressen in den Ortsteilen, um die Anwesenheit der Bewohner zu überprüfen. Der Außendienst ist zu zweit unterwegs. Dabei betreuen diese nach Auskunft der Stadt 60 Adressen.

„Ein Dienst von 8 bis 19 Uhr reicht nicht aus"

„Ein Dienst von 8 bis 19 Uhr reicht nicht aus", da ist eine 24-7-Begleitung nötig", mahnt Hemkemeyer eine Kontrolle in den Nachtstunden an. Zumal es nicht nur einen Verdacht gegen jene gebe, die durch den verheerenden Ausbruch des Coronavirus bei Tönnies betroffen seien. „Es gibt auch nachts im Park Treffen", verwies Hemkemeyer auf eine ganz andere Klientel.

Auch Angelika Wensing sprach von Verstößen gegen die neuerlich strikteren Maßnahmen. „Auch zu Zeiten, in denen der Wachdienst präsent ist." „Eine 24-Stunden-Überwachung ist durch die Stadt nicht zu leisten", erklärte Sabine Amsbeck-Dopheide angesichts der dezentralen Unterbringung. Sammelunterkünfte wie in Verl-Sürenheide, die mit einem Bauzaun abgeriegelt werden, gebe es hier nicht.

Auch Angestellte mit Haus und Garten sind unter Quarantäne"

„Alle Tönnies-Mitarbeiter sind unter Quarantäne. Nicht nur osteuropäische Arbeitnehmer, die auf engen Raum wohnen, sondern auch leitende Angestellte mit 120-Quadratmeterhaus und Garten", beschrieb sie die Bandbreite. Dies gelte zudem für alle, die auf dem Tönnies-Gelände zu tun gehabt hätten. Die Liste der Werkvertragsarbeiter sei erst über den erzwungenen Weg durch die Bezirksregierung von Tönnies und den in Verruf geratenen Werkvertrags-Subunternehmern herausgerückt worden. Anhand dieser habe sich eine Zahl von 180 Menschen in Harsewinkel ergeben, die als Mitarbeiter oder Mitbewohner in häuslicher Quarantäne seien.

Mit den vorläufigen Zahlen antwortete Amsbeck-Dopheide auf die Anfragen der SPD-Fraktion vor der gestrigen Ratssitzung zur aktuellen Lage. Durch die Allgemeinverfügung gibt es keine Mitteilungen des Kreises mehr, wer im Einzelfall als infiziert oder als Kontaktperson unter Quarantäne zu stellen sei. Bis zum 19. Juni hätten 19 Infizierungen im Zusammenhang mit Tönnies gestanden.

„Es werden keine Familien in Quarantäne auseinandergerissen"

Die SPD sorgt sich auch um die Versorgung der unter Quarantäne stehenden Menschen. Diese erfolge laut Bürgermeisterin zum Teil durch die Tönnies-Dienstleister. Dank der Kontaktaufnahme mit den Betroffenen durch das Ordnungsamt sowie des Sicherheitsunternehmens erhalte die Stadt Infos über Versorgungsdefizite und könne kurzfristig und effektiv helfen. Bei den Kontrollen sei die Versorgung von vier Familien (neun Erwachsenem sechs Kinder) sowie drei weiteren Erwachsenen nicht gesichert gewesen. Deren Versorgung erfolge nun koordinierend über die Kreisfeuerwehrschule.

„Selbstverständlich werden keine Familien in Quarantäne auseinandergerissen", tritt Amsbeck-Dopheide Gerüchten entgegen. Diese Maßnahme käme allenfalls bei Auftreten häuslicher Gewalt infrage. „In den Fällen würde der Aggressor zum Schutz der Familienmitglieder separiert."

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.