Chaos durch anonyme Corona-Testergebnisse: Gütersloher bangen um ihren Urlaub

Wegen der Corona-Reiseverordnung müssen Reisende aus dem Kreisgebiet vielerorts einen aktuellen Corona-Test vorlegen. Nicht jede Corona-App zeigt die Resultate personalisiert an - ist der Urlaub in Gefahr?

Christian Geisler

Das Testzentrum am Flughafen in Gütersloh an der Marienwerder Straße wird von der Bundeswehr betrieben. - © Andreas Frücht
Das Testzentrum am Flughafen in Gütersloh an der Marienwerder Straße wird von der Bundeswehr betrieben. (© Andreas Frücht)

Gütersloh. Wenn sie in den Urlaub fahren möchten, stehen die Menschen aus dem Kreis Gütersloh aktuell vor einem Problem. Wegen des massiven Corona-Ausbruchs beim Schlachthof Tönnies und dem erneuten Lockdown des Kreisgebiets bis zum 30. Juni, haben Bundesländer wie Niedersachsen und Bayern Beherbergungsverbote für Gütersloher ausgesprochen, außerdem gilt für den Kreis eine Corona-Reiseverordnung. So müssen Reisende aus dem Corona-Hotspot Gütersloh vielerorts einen aktuellen Corona-Test zur Vorlage bei beispielsweise Hoteliers auf die Reise mitnehmen. Der negative Test darf dabei nicht älter als 48 Stunden sein.

Ergebnis ohne Name, Adresse und Geburtsdatum

Auch Simone P. (Name von der Redaktion geändert) stand am Wochenende vor genau diesem Problem. Um ihren Urlaub in Frankreich auch sicher antreten zu dürfen, ließ sie sich am Freitag im Testzentrum Berufskolleg Halle auf das Virus Covid-19 testen. Das Ergebnis war negativ, dieses wurde ihr per App aufs Smartphone gesendet. "Leider zeigt die App ausschließlich an, ob man positiv oder negativ ist", sagt P. im Gespräch. "Das Testergebnis ist ohne Name, Geburtsdatum und Adresse versehen und könnte quasi von jedem sein." In der Folge war die Unsicherheit riesig, muss jetzt der geplante Urlaub kurzfristig abgebrochen werden?

Die App des Kölner Labors zeigt lediglich an, ob ein Testergebnis negativ oder positiv ist. - © Privat
Die App des Kölner Labors zeigt lediglich an, ob ein Testergebnis negativ oder positiv ist. (© Privat)

Simone P. wurde aktiv und sprach mehrmals bei der Stadt Gütersloh, beim Kreis und auch beim zuständigen Labor in Köln vor, in das ihr Test eingesendet wurde. Letztlich ließ sich das Labor darauf ein, P. einen personalisierten Befund zuzufaxen. "Ich bin wirklich ins Rotieren gekommen und war aufgeregt und nervös", sagt P. und ergänzt: "In meinen Augen ist der Prozess nicht ganz durchdacht. Ich hätte mir gewünscht, dass die App so konzipiert ist, das gleich alles läuft." Ihren Frankreich-Urlaub konnte sie in der Folge antreten.

"Mit dem Testergebnis kann man nichts anfangen"

Dass Simone P. mit ihrem Problem kein Einzelfall ist, zeigen zahlreiche Diskussionen in sozialen Netzwerken. So schreibt ein Nutzer in einer geschlossenen Facebook-Gruppe: "Mit dem Testergebnis vom Kölner Labor kann man nichts anfangen." Und weiter: "Wir wollen morgen zur Ostsee und haben nichts in der Hand."

Laut Beate Behlert, stellvertretende Pressesprecherin des Kreises Gütersloh, haben sich auch bei ihr einige Menschen aus der Gütersloher Bevölkerung gemeldet und von dem anonymisierten Testergebnis des Kölner Labors per App berichtet. Sie erklärt: "Bei der kurzfristigen Auftragsvergabe, war es nicht möglich, zu kontrollieren, was die App kann und was nicht. Dabei muss man bedenken, dass nicht vorgesehen war, dass die Testung gemacht wird, um den Bürgern eine Urlaubsbescheinigung auszuhändigen." Stattdessen seien die Massentests dafür da, um zu überprüfen, inwieweit das Coronavirus von den Tönniesbeschäftigten auf die übrige Bevölkerung übergesprungen ist.

Der Kreis arbeitet an Lösungen

Behlert versicherte, dass der Kreis bereits an Lösungen arbeitet, was die Übermittlung der Testergebnisse angeht. "Wir können aber nichts versprechen", relativiert sie. Der Kontakt zwischen Kölner Labor und den Programmierern der Applikation sei stets vorhanden. Letztlich sei auch der Kreis von den Reaktionen auf den neuerlichen Lockdown überrascht worden. Mit einer Reiseverordnung und Beherbergungsverboten habe man schlichtweg nicht gerechnet.

Die Tests der Diagnosezentren am Flughafen (Drive-In), Reinhard-Mohn-Berufskolleg Gütersloh, Gesamtschule Verl und Berufskolleg Halle gehen an das Kölner Labor. Die Tests der anderen beiden Diagnosezentren – Ems-Berufskolleg und Carl Miele Berufskolleg – gehen an ein anderes Labor, das eine andere App nutzt. In dieser stehen Name, Geburtsdatum, Datum und Uhrzeit des Tests und natürlich das Ergebnis. Die niedergelassenen Ärzte können jeweils für sich entscheiden, an welches Labor sie die Ergebnisse schicken. 

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