Wegen GT-Kennzeichen: Bayern schickt Urlauber aus dem Kreis Gütersloh weg

Ein Ehepaar aus Langenberg machte bereits seit Freitag Ferien am Tegernsee. Am Mittwoch mussten die beiden von jetzt auf gleich die Koffer packen - oder einen Test für 180 Euro pro Person machen.

Anja Hustert

Die Urlaubsstimmung bei Claudia und Andreas Kleineheinrich kippte, als die beiden auf einmal aufgefordert wurden, aus Bayern abzureisen. - © Privat
Die Urlaubsstimmung bei Claudia und Andreas Kleineheinrich kippte, als die beiden auf einmal aufgefordert wurden, aus Bayern abzureisen. (© Privat)

Kreis Gütersloh. „Mussten Sie schon mal eine Klassenfahrt beenden, weil ein Mitschüler Mist gebaut hat? So fühlt sich das jetzt an", sagt Andreas Kleineheinrich. Für den Langenberger und seine Frau Claudia war am Mittwoch der langersehnte Urlaub am Tegernsee abrupt beendet.

Bayern hat ein Beherbergungsverbot für Menschen aus dem Kreis Gütersloh ausgesprochen, und obwohl das Ehepaar bereits seit Freitag in dem südlichen Bundesland war und noch bis Samstag gebucht hatte, musste es am Mittwoch von jetzt auf gleich abreisen.

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Auto auf einem Bauernhof abgestellt

„Wir sind am vergangenen Freitag zunächst bis Bayreuth gereist und dann am Samstag an den Tegernsee gefahren", erzählt Claudia Kleineheinrich. Zwei Mal sei sie schon mit ihrem Mann dort in Bad Wiessee in dem kleinen Bauernhof mit fünf Gästezimmern gewesen. „Wir hatten uns so darauf gefreut." Zumal der erste Urlaub in diesem Jahr, eine Radtour ins Havelland, Ende April auch schon wegen Corona flachgefallen war.

„Wir hatten unsere E-Bikes mitgenommen und wollten wandern", erzählt die 49-Jährige. Das Auto mit dem Kennzeichen GT hatte sie auf dem Bauernhof abgestellt. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass das jemanden interessiert hat." Die Menschen seien ihnen überall ohne Vorbehalte begegnet. Auch die Wirtin habe ihr am Mittwochmorgen noch hinter ihrer Plexiglasscheibe freundlich zugewunken.

"Ich dachte erst, dass ist ein Scherz"

Nachdem das Ehepaar den Mittwoch an einer schönen Badestelle in Rottach am See verbracht hatte, kehrte es um halb fünf müde und verschwitzt in die Unterkunft zurück. „Wir wollten duschen und ein wenig ausruhen", erzählt Claudia Kleineheinrich. Da habe ihre Vermieterin vor ihnen gestanden und gesagt: ,Ich möchte Sie bitten, abzureisen’. „Ich dachte erst, das ist ein Scherz", sagt die Langenbergerin. Nein, kein Scherz. Und auch keine Abreise erst am nächsten Morgen. Sofort.

„Die Frau sagte, dass sie eine Email bekommen habe, dass sie niemanden aus dem Kreis Gütersloh mehr beherbergen dürfe. Sie habe sich daraufhin die Finger wund telefoniert, aber sie müsse uns wirklich auffordern, sofort zu fahren", erzählt Claudia Kleineheinrich. Während ihr Mann duschte, warf sie die Kleider in die Koffer, um halb sechs saßen beide dann im Auto Richtung Heimat.

180 Euro pro Person pro Corona-Test

„Wir hätten übrigens noch in Tegernsee einen Corona-Test machen können, der in vier Stunden ausgewertet worden wäre und 180 Euro pro Person gekostet hätte", erzählt sie – aber das hätten sie dann abgelehnt. „Uns war echt die Stimmung verhagelt."

Ohne Pause fuhr Andreas Kleineheinrich wütend zurück. Am heutigen Freitag hätte er übrigens einen Termin für einen Gleitschirmflug gehabt – ein Geschenk seiner Frau zu seinem 50. Geburtstag im März. „Die Feier mit 140 Leuten mussten wir auch schon wegen Corona absagen", erzählt seine Frau, die aber trotz aller Widrigkeiten positiv in die Zukunft blickt. „Im September soll unser nächster Fahrradurlaub in Richtung Ruhrgebiet stattfinden. Da freue ich mich jetzt drauf."

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