So erklärt der Kreis Gütersloh Ungereimtheiten bei den Corona-Zahlen

Die Kreistags-Fraktion der SPD verlangt Antworten zur Corona-Situation im Kreis Gütersloh und einen neuen Plan zur Aufstellung des Gesundheitsamtes. Auch fordert sie ein "würdigeres Wohnen" der Werkvertragsarbeiter.

Matthias Gans

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Gütersloh. Die SPD legt mit Kritik an der Arbeitsweise des Gesundheitsamtes des Kreises nach. Bereits in der vergangenen Woche hatte Thorsten Klute, Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Gütersloh, moniert, „dass Infizierungen nicht oder verspätet in die Berichterstattung des Kreises Gütersloh aufgenommen wurden."

Gemeint waren unter anderem die 19 Neuinfektionen im Schlachtbetrieb von Tönnies in Rheda, die durch Eigentestungen des Unternehmens bemerkt worden waren. Liane Fülling, SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, „verlangt vom Landrat einen Plan, wie das Gesundheitsamt im Kreis Gütersloh den veränderten Anforderungen gerecht werden kann".

Die SPD hat von zwei Kündigungen im Gesundheitsamt erfahren

Die SPD habe erfahren, „dass in den letzten Tagen zwei Mediziner*innen des
Kreisgesundheitsamtes von sich aus gekündigt hätten. Dabei handele
es sich nicht um Beschäftigte, die aus Altersgründen oder aus Gründen der Berufsunfähigkeit aus dem Dienst ausscheiden", heißt es in der Mitteilung. „Ein Gesundheitsamt muss unabhängig von politischen Einflüssen seiner Arbeit nachkommen können", so Fülling.

„Wir erwarten Aufklärung darüber, warum so viele Menschen, die auf dem Schlachthof tätig waren, über einen so langen Zeitraum nicht auf das Virus getestet werden konnten. Die Begründung, sie seien unter anderem wegen Krankheit nicht erreichbar gewesen, kann doch nicht wirklich ernst gemeint sein." Die SPD möchte außerdem wissen, ob der Kreis Gütersloh auch seine eigenen Beschäftigten, die auf dem Gelände des Schlachthofs mit Prüfungen beschäftigt waren und sind, frühzeitig getestet hat.

Kreis soll Konzepte für würdigeres Wohnen vorlegen

Zudem verlangt die SPD vom Kreis „dringend Konzepte für würdigeres Wohnen" der Werkvertragsarbeiter. „Die Corona-Pandemie hat hier und anderswo gezeigt, wie schnell solche Unterbringungssituationen die öffentliche Sicherheit beeinträchtigen können, weil der den Menschen zur
Verfügung gestellte Wohnraum hygienischen Anforderungen nicht
entspricht", so Thorsten Klute. „Dem Gesundheitsamt kommt hier eine immens wichtige Aufgabe zu."

Zu den zwei Kündigungen wollte Kreis-Sprecher Jan Focken auf Anfrage der NW aus Datenschutzgründen keine weitere Erklärung abgeben. „Es gibt Fluktuationen in diesem Bereich. Wenn Stellen frei sind, werden sie öffentlich ausgeschrieben." Wie viele Stellen derzeit unbesetzt sind, konnte er konkret nicht benennen. Die Arbeit der Behörde sei durch die Kündigungen nicht eingeschränkt.

Ende aller Reihentestungen für Freitag geplant

Focken verweist zudem darauf, dass wegen der zunehmenden Arbeit durch die Pandemie auch 50 externe Kräfte herangezogen wurden: Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Medizinischen Dienstes sowie Medizinstudenten. Zu Spitzenzeiten seien 110 Kräfte im Einsatz gewesen.

Die Unterbrechungen der Reihentestungen bei Tönnies sei wegen eines Datenabgleichs notwendig gewesen. Auch das Beschäftigte wegen Erkrankung nicht getestet werden konnten, "sei kein Witz". Derzeit seien nicht nur in Rheda, sondern auch in anderen Betrieben Testungen erforderlich. Ein Abschluss der Gesamttestungen sei für Freitag geplant. Die Ergebnisse würde im Anschluss mitgeteilt.

Für die Statistik gilt der Aufenthaltsort der Infizierten

Ungereimtheiten bei den Infektionszahlen bei Tönnies erklärt Jan Focken mit einer unvollständigen Formulierung in der Mitteilung vom 29. Mai. Zudem sei ein positiv getesteter, bei Tönnies beschäftigter Insasse der JVA Bielefeld, Außenstelle Herzebrock-Clarholz, in der Mitteilung bereits erwähnt worden, aber erst einen Tag später in die Statistik eingegangen.

Einen Dissens zwischen dem Kreis Osnabrück und dem Kreis Gütersloh gab es in der Frage, in welcher Statistik die 13 bei einem Schlachtbetrieb in Dissen arbeitenden Infizierten aufzunehmen seien. Der Kreis folge, so Focken, der NRW-Praxis, wonach nicht der Wohn-, sondern der Aufenthaltsort ausschlaggebend sei.

Die 14-tägige Quarantäne der in Dissen beschäftigten Infizierten ist abgelaufen

So würde der Kreis beispielsweise Fälle aus Warendorf in seiner Statistik aufführen, da die Personen im Kreis Gütersloh in Quarantäne seien. Da die 13 in Borgholzhausen gemeldeten Personen in Quarantäne im Landkreis Osnabrück aufhielten, sei das dortige Gesundheitsamt für das Kontaktmanagement zuständig,so Focken. Da die 14-tägige Quarantänezeit abgelaufen sei, könne die Frage offen bleiben.

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