Aus der RegionBauern-Protest mit 60 Treckern in Bielefeld

Die Landwirte haben es satt, dass sie für alle Umweltsünden verantwortlich gemacht werden. Sie kritisieren eine einseitige Medienberichterstattung.

Jens Reichenbach

Mit einem Trecker-Korso ging es über die Detmolder Straße. - © Wolfgang Rudolf
Mit einem Trecker-Korso ging es über die Detmolder Straße. © Wolfgang Rudolf

Bielefeld. Rund 60 Traktoren sind am Dienstag gegen 13.30 Uhr durch die Bielefelder Innenstadt gefahren. Sie wollten gegen unfaire Berichterstattung protestieren. "Wir haben uns nie zur Wehr gesetzt. Aber damit ist jetzt Schluss", sagte Marcus Blome aus Delbrück. Die Detmolder Straße war zeitweise gesperrt.

Marcus Blome ist einer von 100 OWL-Landwirten, die es satt haben, von den Medien durch den Kakao gezogen zu werden. Nach zwei zuletzt viel kritisierten Berichten haben sie sich entschieden, ihre Kritik direkt vor dem WDR-Studio in Bielefeld loszuwerden.

60 Trecker reihen sich hintereinander auf

Gegen 13.30 Uhr erreichten die Trecker das WDR-Studio an der Ecke Detmolder / Lortzingstraße. Der Korso traf mit etwa 60 Zugmaschinen aus dem Bezirk ein und reihte sich auf der rechten Spur ein, der bis zurück zur August-Bebel-Straße und darüber hinaus reichte. Die Landwirte kamen schließlich von der Detmolder Straße auch vor das Studiogebäude, wo sie Leiter Jörg Brücher ihre Kritik mitteilten und um einen offenen Dialog baten.

Marcus Blome aus Delbrück, Burkhard Berg aus Lichtenau und zahlreiche weitere Landwirte übergaben dem Studioleiter Jörg Brücher zuvor ihre Protestnote. So sei sogar in einer Wissenssendung des WDR-Fernsehens der Eindruck entstanden, "dass die Landwirtschaft quasi für alle Umweltprobleme verantwortlich ist", sagte Blome, der gleichberechtigt für einen losen Zusammneschluss wütender Bauern sprach.

Flapsige Worte von Radio 1Live brachten Fass zum Überlaufen

Als vergangene Woche im 1Live-Radio berichtet wurde, dass in Kuheutern ohnehin nur Antibiotika schwämmen und die Euter so groß seien wie ein Kleinwagen, hatten sie den "Kaffee auf". "Da haben wir entschieden, nicht mehr still zuhalten." Konventionelle Landwirte seien heutzutage pauschal Tierquäler, Grundwasservergifter und Bodenvernichter. "Dabei sind wir alle Fachkräfte, viele haben studiert." Trotzdem werde in den Medien unterschieden zwischen guter Landwirtschaft (Bio) und böser (konventionell), dabei beschäftige sich niemand mit den Fakten. Ohnehin nutzten nur zehn Prozent der Verbraucher Bio-Produkte.

Die Landwirte kamen schließlich von der Detmolder Straße vor das Studiogebäude, wo sie Leiter Jörg Brücher ihre Kritik mitteilten. - © Jens Reichenbach
Die Landwirte kamen schließlich von der Detmolder Straße vor das Studiogebäude, wo sie Leiter Jörg Brücher ihre Kritik mitteilten. (© Jens Reichenbach)

"Es geht uns nicht darum, dass berichtet wird, sondern um das wie", betont Berg. "Wir halten Kritik aus, aber sie muss stimmen." Um solcher Berichterstattung - in diesen Fällen aus Köln - Einhalt zu gebieten, hätten die Landwirte die Redakteure eingeladen, sich ihre Betriebe anzusehen. "Aber es hat niemand reagiert", sagt Blome.

"Es gibt keine Kampagne gegen die Landwirtschaft"

Studioleiter Jörg Brücher betonte, dass die Redakteure des WDR immer daran interessiert seien, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen. Es sei trotzdem wichtig, dass die Landwirte ihre Kritik äußerten. Er wolle sich selbst bemühen, die Kritik an die verantwortlichen Redaktionen weiterzuleiten. Brücher sagte ihnen nicht nur eine Rückmeldung aus Köln zu. Brücher lud eine Abteilung der Landwirte zum Gespärch im Studio ein.

Brücher betonte: "Wir nehmen Kritik ernst. Aber seien sie gewiss: Es gibt keine Kampagne gegen die Landwirtschaft. Das ist nicht unser Stil."

Burkhard Berg ließ durchblicken, dass aus Sicht der Landwirte auch in der Politik vieles schief laufe. "Die Politik hat vollkommen den Kontakt zur ländlichen Bevölkerung verloren. Auf dem Land, da brodelt es längst."

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