Werbeversuch der AfD: Schützen in Gütersloh sind schockiert

Einige Gütersloher Schützenvereine haben Prospekte von der AfD mit Stellungnahmen zur geplanten Verschärfung des Waffengesetzes bekommen. Die Partei sieht die Schützen offenbar als Verbündete.

Lena Vanessa Niewald

Zahlreiche Schützen in der Region haben in den vergangenen Wochen eine Infobroschüre der AfD erhalten, in der die Partei ihren Standpunkt zur Verschärfung des Waffengesetzes erläutert. - © Pixabay
Zahlreiche Schützen in der Region haben in den vergangenen Wochen eine Infobroschüre der AfD erhalten, in der die Partei ihren Standpunkt zur Verschärfung des Waffengesetzes erläutert. (© Pixabay)

Gütersloh. Die Pläne zur Verschärfung des Waffengesetzes sorgen bei vielen Schützen derzeit für Unmut. Ihre Befürchtung: Schützen würden künftig unter Generalverdacht gestellt. Und genau diese Angst nimmt die Partei Alternative für Deutschland (AfD) offenbar zum Anlass, um bei vielen Schützenvereinen gezielt Werbung in eigener Sache zu machen. Bei vielen Vereinen in der Region sind in den vergangenen Wochen Infoflyer der Partei eingegangen – auch in Gütersloh.

In dem Faltblatt mit dem Titel „Für ein Waffengesetz mit Augenmaß", das der Gütersloher Redaktion vorliegt, erläutert die AfD ihre Standpunkte zur geplanten Verschärfung des Waffengesetzes und betont darin: „Die AfD-Bundestagsfraktion kämpft für die Rechte der Sportschützen." Die Schützen sieht die Partei nämlich offenbar als Verbündete im Kampf gegen die Verschärfung- diese selbst halten von der suggerierten Nähe zur AfD allerdings wenig, zumindest ein Großteil.

"Ich halte nichts davon. Das ist immer viel Polemik, aber wenig Substanz bei der AfD."

Maik Hollenhorst, Vorsitzender der Spexarder Schützen. - © Privat
Maik Hollenhorst, Vorsitzender der Spexarder Schützen. (© Privat)

Der erste Vorsitzende der Pavenstädter Schützen, Rainer Straube, hat das Infoblatt mehrfach erhalten. „Tatsächlich wurden die Flyer an eine uralte Adresse geschickt, die offenbar noch irgendwo kursiert." Anbei habe auch noch ein mehrseitiger Prospekt gelegen, in dem sich die AfD selbst vorstellt. „Ich habe beides kritisch gelesen und bei uns im Verein behandelt wie Post von anderen Parteien. Bei unserer Mitgliederversammlung wurde sie als normaler Posteingang angesprochen", sagt Straube.

Rainer Straube, erster Vorsitzender Pavenstaedter Schützen. - © Privat
Rainer Straube, erster Vorsitzender Pavenstaedter Schützen. (© Privat)

Er habe die Werbung der AfD nicht in den Müll geschmissen, sondern es jedem seiner Schützenbrüder selbst überlassen, ihn bei Interesse zu lesen. Ein Verein sei immer ein Spiegel der Gesellschaft – zwar unpolitisch, aber mit allen Gruppierungen. Dennoch sagt Straube: „Ich persönlich halte davon nichts. Das sage ich auch ganz offen. Das ist immer viel Polemik, aber wenig Substanz bei der AfD."

Was steckt hinter der Verschärfung der Waffengesetze?

Dass die AfD mit dem Thema Waffengesetz gezielt Werbung bei Schützen macht, habe man innerhalb des Vereins nicht intensiv diskutiert – die geplante Änderung des Gesetzes dafür umso mehr. Die Bundesregierung will die Auflagen zur Kennzeichnung von Waffen verschärfen und das existierende Nationale Waffenregister ausbauen. Sämtliche Schusswaffen sollen so jederzeit rückverfolgt werden können.

Außerdem soll demnächst vor jeder Erteilung einer Waffenerlaubnis der Verfassungsschutz abgefragt werden und regelmäßiger bzw. intensiver das Bedürfnis zum Besitz einer Schusswaffe geprüft werden. „Das alles geschieht mal wieder zuungunsten der Vereine. Ich bin jetzt seit mehr als 40 Jahren im Schützenverein und bei uns hat es noch nie einen Vorfall mit einem Mitglied gegeben. Schon von früh auf wird bei uns der sichere Umgang mit Waffen gepflegt. Für uns sind die Waffen Sportgeräte."

"Die haben ja auch keine Lösung parat"

Der ganze Verwaltungsaufwand, der durch die Änderungen im Gesetz hervorgerufen werde, sei von den ehrenamtlichen Schützen kaum noch händelbar. Um sich deutlich gegen eine solche Verschärfung zu positionieren, brauche es aber die AfD nicht, so Straube. „Die haben ja auch keine Lösung parat."

Der erste Vorsitzende der Spexarder Hubertus-Schützen hat den Flyer ebenfalls vor einigen Tagen aus dem Postkasten geholt. „Ich muss schon zugeben, ich war im ersten Augenblick total irritiert. Ich habe nichts mit der AfD am Hut. Es lag einfach bloß der Flyer in der Post. Ein Anschreiben oder Brief waren nicht dabei", sagt er. Das habe ihn gewundert, weggeschmissen hat Hollenhorst den Flyer nicht. „Er liegt noch bei mir zuhause."

Bei den Kattenstrother Schützen ist das umstrittene Faltblatt bislang nicht aufgetaucht. Nils Nachtigäller, erster Vorsitzender, hatte kein Exemplar in der Post: „Ich habe auch noch mal mit unserem zweiten Vorsitzenden gesprochen. Ihm ist auch nichts bekannt", sagt er. Patrick Seidel, Vorsitzender der Gütersloher Stadtschützen, wollten sich auf Nachfrage nicht zu dem Thema äußern.

Was sagt die AfD selbst dazu?

Udo Hemmelgarn, AfD-Bundestagsabgeordneter aus Harsewinkel, weist auf Nachfrage darauf hin, dass verschiedene Schützenvereine und Schützen aus der Region – unter anderem auch aus Gütersloh – ihn zum dritten Waffenrechtsänderungsgesetz angeschrieben haben. Sie würden darin die Tendenzen der derzeitigen Regierung zur Verschärfung des Waffenrechts und besonders den Generalverdacht gegen Jäger und Sportschützen kritisieren, so Hemmelgarn. „Die AfD setzt sich für die Rückkehr zum Vollzug unserer bestehenden Gesetze und den sicheren Schutz unserer Grenzen ein. Das ist auch so in dem Flyer erläutert."

Darüber hinaus betont Hemmelgarn, dass der AfD die Interessen aller deutschen Bürger am Herzen lägen und das schließe die der Schützen mit ein. „Sollte dadurch der Eindruck einer besonderen Bürgernähe der AfD-Fraktion entstanden sein, so entspricht dieser Eindruck den Tatsachen, ohne dass der Eindruck einer unverhältnismäßigen Nähe zu einzelnen Interessengruppen erzeugt werden sollte." Die Standpunkte der AfD zu verschiedenen Themen würde in Info-Flyern dargestellt und dem jeweiligen Interessentenkreis zugänglich gemacht.

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