Amprion darf Höchstspannungsleitung von Gütersloh bis nach Halle bauen

Zwei Jahre hat die Bezirksregierung geprüft, jetzt erteilt sie dem Unternehmen Baurecht. Amprion will sofort loslegen, doch die Gegner der Trasse beharren auf Erdkabel und kündigen Klage an.

Ludger Osterkamp

Die Höchstspannungsleitung startet in Blankenhagen im Umspannwerk. - © Andreas Frücht
Die Höchstspannungsleitung startet in Blankenhagen im Umspannwerk. (© Andreas Frücht)

Gütersloh. Die Firma Amprion darf die umstrittene, 20 Kilometer lange Höchstspannungsleitung von Gütersloh nach Halle-Hesseln bauen. Die Bezirksregierung Detmold hat ihr jetzt Baurecht erteilt. Die von den Kritikern geforderte, abschnittsweise Erdverkabelung sei nicht umsetzbar, weil es an der rechtlichen Möglichkeit dazu fehle. Gleichwohl kündigt die Bürgerinitiative an, gegen den Planfeststellungsbeschluss zu klagen.

Die Amprion GmbH sagt, sie werde umgehend mit den Vorarbeiten beginnen. Möglicherweise sei das schon kommende Woche der Fall, so Unternehmenssprecherin Katrin Schirrmacher. Zunächst würden Zufahrten gelegt und die alte 110/220-kV-Trasse abgebaut, bevor Anfang nächsten Jahres der Bau der neuen 380-kV-Höchstspannungsleitung beginne. "Ende 2021", so Schirrmacher, soll der Abschnitt fertig sein. Amprion investiere einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Die Leitung gilt als eine der wichtigsten Trassen für die Energiewende

Der Verfahrensleiter der Bezirksregierung, Frank Auf dem Hövel, wird mit den Worten zitiert, mit dem Planfeststellungsbeschluss sei "eine am Gemeinwohl orientierte, sauber ausgewogene und allen Interessen möglichst gerecht werdende Lösung gefunden worden". Die vielen Aspekte des Energieleitungsbaus seien gründlich und sorgfältig geprüft worden. Diese Prüfung habe ergeben, dass die Planung von Amprion allen fachlichen und rechtlichen Anforderungen genüge und auch den privaten Belangen "ausreichend gerecht" werde.

Der Planfeststellungsbeschluss umfasst 340 Seiten. Er wird vom 9. bis 23. September in den Rathäusern von Gütersloh, Bielefeld, Halle und Steinhagen zur Einsicht ausgelegt und parallel ins Internet gestellt. Nach der Auslegung startet eine Klagefrist von einem Monat, binnen derer die Kritiker den Beschluss vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anfechten und mit einem Antrag auf Anordnung einer aufschiebenden Wirkung verbinden können. "Der Beschluss wird jedoch sicher einer gerichtlichen Überprüfung standhalten", sagt Auf dem Hövel. Die "energiewirtschaftliche Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf" der Leitung sei gesetzlich (Energieleitungsausbaugesetz, Enlag) festgestellt worden.

"Es gibt genügend Argumente, diesen Beschluss zu kippen"

Die Sprecherin der Bürgerinitiative Isselhorst (BISS), Maria Vornholt, kündigt dennoch Klage an. "Unser Anwalt steht in den Startlöchern. Es gibt genügend Argumente, diesen Beschluss zu kippen", sagt sie. Etwa 780 Bürger hatten Einwendungen gegen die Leitung erhoben, die weitaus meisten von ihnen, weil sie Erdkabel statt Freileitung fordern. Im Stadtgebiet sind vor allem Isselhorster und Blankenhagener betroffen.

Vornholt sagt, erst unlängst hätten die Leipziger Richter im rheinischen Hürth auf einer anderen Amprion-Trasse einen Baubeschluss gekippt, und Amprion habe, obwohl es schon Fundamente gegossen habe, die Arbeiten wieder einstellen müssen. Widerstand rege sich bei der durch Gütersloh laufenden Trasse auch auf anderen Abschnitten, etwa im Raum Osnabrück, wo der Planungsstand bei weitem nicht so fortgeschritten sei. "Wir gehen dort von einer Verzögerung aus.

Von einem Zeitdruck, wie hier von Amprion und der Bezirksregierung behauptet, kann daher nicht die Rede sein." Der Gütersloher Abschnitt ist Teil eines Leitungsstrangs, der die Windenergie vom norddeutschen Ganderkesee in Norddeutschland über Wehrendorf, Lüstringen und Gütersloh nach Süddeutschland bringen soll.

Die neuen Masten werden bis zu 80 Meter hoch sein

Amprion hält den Beschluss der Bezirksregierung dagegen für "rechtssicher", wie Firmensprecherin Schirrmacher sagt. Es gebe folglich keine triftigen Gründe, mit dem Bau zu warten. "Diese Trasse ist eine der Hauptschlagadern der Energiewende, sie wird gebraucht und verträgt keine weitere Verzögerung", so Schirrmacher. Amprion sei sich überdies mit nahezu allen Grundstückseigentümern über die benötigten Flächen einig, "auch von der Seite aus kann es also losgehen."

Die neue Höchstspannungsleitung verläuft weitgehend in der Bestandstrasse, die aktuell 80 Masten werden durch 56 neue ersetzt; deren Höhe schwankt je nach Umgebungsprofil zwischen 56 und 80 Meter. Im Zuge des Verfahrens hatte Amprion in Absprache mit den Betroffenen und der Bezirksregierung die Standorte von 17 Masten mehr oder weniger verschoben. Auch Zufahrten und Arbeitsflächen wurden variiert, ferner der landschaftspflegerische Begleitplan überarbeitet.

Nur die Borgholzhausener dürfen sich auf Erdkabel freuen

Für den sieben Kilometer langen Abschnitt von Halle-Hesseln über Borgholzhausen bis zur niedersächsischen Landesgrenze hatte Amprion seinen ursprünglichen Antrag im August 2017 zurückgezogen, weil das Unternehmen die Trasse dort als Erdkabel verlegen will. Mitte 2020 werde dafür der neue Antrag gestellt, so Schirrmacher.

Bei einer Prüfzeit von gut einem Jahr liege der Beschluss voraussichtlich Mitte/Ende 2021 vor, so dass Amprion nahtlos an den dann fertigen Gütersloher Abschnitt anknüpfen könne. Die Versorgungssicherheit am Umspannwerk Hesseln, das von Westnetz Innogy und Amprion demnächst für mehrere Millionen Euro aufgerüstet wird, sei damit stets gegeben.

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