OWLSekte im Fitnessstudio: Selbst ernannter "Erlöser" aus Harsewinkel ist abgetaucht

Burkhard Hoeltzenbein

Dieses kryptische Schild hängt an der Eingangstür - © Burkhard Hoeltzenbein
Dieses kryptische Schild hängt an der Eingangstür © Burkhard Hoeltzenbein

Harsewinkel. Seine Videobotschaften verkündet der selbst ernannte „Erlöser" und „Friedensvermittler" zwischen Deutschland und Israel mittlerweile nicht mehr vor der schwarzen Pinnwand im Harsewinkeler Fitnessstudio „Elite", sondern aus einem privaten Wohnzimmer heraus. Ulf Diebold, Anführer der „Erbengemeinschaft Jakobs" hat sich augenscheinlich in sein neues Domizil abgesetzt. Aufenthaltsort: unbekannt.

Von wo der vor gut einem Jahr von Iserlohn nach Harsewinkel umgezogene Diebel seine Tiraden inzwischen in die digitale Welt hinausposaunt, wird aus seinen drei Stunden langen Videosequenzen nicht klar. Seit der Betreiber des Studios vor knapp vier Wochen sich selbst schwer verletzt hatte, meldet sich Diebel immer wieder über das Internet zu Wort – ohne dabei auf das Schicksal des Mannes einzugehen, der ihm in dem Studio am Prozessionsweg Unterschlupf gewährt hatte. Der Betreiber schreibt immerhin auf Youtube im Chat zum jüngsten Video wieder rege mit.

Parkplatz ist seit Wochen verwaist

Wie es um dessen geschäftliche Existenz inzwischen bestellt ist, lässt sich nur mutmaßen. Der Parkplatz vor dem Fitnessstudio „Elite" ist jedenfalls seit Wochen verwaist. Lediglich ein Auto mit Leipziger Kennzeichen steht davor. Mitglieder, die hier trainiert haben, sieht man inzwischen nicht mehr. Einige Studiobesucher hatten sich seinerzeit über den Cannabisgenuss und die permanente Präsenz durch Mitglieder der Erbengemeinschaft beschwert. Diese sollen dort zudem ohne Anmeldung gewohnt haben. Nach NW-Informationen haben einige ehemalige Kunden einen Rechtsanwalt eingeschaltet.

In der Muckibude selbst ist keine Bewegung zu entdecken. Im Bürotrakt sind die Jalousien permanent heruntergezogen. Ab und zu brennt dort aber Licht. Irgendwer muss wohl von Zeit zu Zeit vor Ort sein. Mittlerweile ist das Logo des Studios auf der Säule gegen den Spruch „Nur bei uns lernst Du, wie Du König bist" ausgetauscht. Ein weiteres Schild weist das Gelände als „israelisches Hoheitsgebiet" aus.

Staatsschutz ermittelt wieder

Unbefugten, so wird gewarnt, sei der Zutritt verboten, das Grundstück werde videoüberwacht. Der Staatsschutz ermittelt inzwischen wieder. Ein weiteres Plakat zeigt Prominente, die Schilder mit der Aufschrift „We Remember" oder „I remember" hochhalten. Die Bilder gehören zur Kampagne des jüdischen Weltkongresses, mit der an die Opfer des Holocaust erinnert werden soll.

Diebel behauptet in seinen Videos, die stellenweise sehr schwerwiegende, nicht druckfähige Beleidigungen beinhalten, er habe „mit niemandem Stress". Das sehen einige Menschen nach NW-Informationen aber anders.

So ist ein Schreiben eines Mannes aufgetaucht, der Diebel vor Jahren in einer WG in Berlin kennengelernt hatte. „Er konnte nie Miete bezahlen und hat überall geschnorrt", schreibt der Mann. Und weiter: „Er ist schlicht zu feige, Verantwortung für sich, seine Kinder und seine Schulden zu übernehmen." Diebel versuche sich mit seinen ausgedachten Geschichten der schmerzhaften Realität zu entziehen.