Erotische Shows: Bielefelds erste Tabledance-Bar eröffnet

Während sich viele Bielefelder fragen, was an der Feilenstraße entsteht, schwelgen ältere Bielefelder in Erinnerungen an den Fürstenhof oder das Atlantik

Jens Reichenbach

Neuheit in Bielefeld? Das Palladium steht kurz vor der Eröffnung, ältere Bielefelder erinnern sich an Stripclubs wie den Fürstenhof und den Club Atlantik. - © Jens Reichenbach
Neuheit in Bielefeld? Das Palladium steht kurz vor der Eröffnung, ältere Bielefelder erinnern sich an Stripclubs wie den Fürstenhof und den Club Atlantik. (© Jens Reichenbach)

Bielefeld. Fast unbemerkt ist im Untergeschoss der ehemaligen Wäschefabrik "Dornbusch" an der Feilenstraße - zwischen dem Cinestar-Kino und den Restaurants des alten Industriegebäudes - ein neues Nachtlokal entstanden. Dort soll in Kürze erstmals in Bielefeld Striptease und Tabledance zu sehen sein.

Wie der Betreiber der Palladium-Bar nun mitteilte, ist die Bauphase abgeschlossen und die letzten Vorbereitungen werden bereits getroffen. Das Ordnungsamt hat nach einer Begehung die erforderliche Genehmigung erteilt.

Erotische Show mit Tänzerinnen und Tänzern

"Am Samstag, 17. August, öffnet das Palladium um 21 Uhr erstmals seine Tore", heißt es in einer Pressemitteilung. Der Betreiber verspricht eine erotische Show mit internationalen Tänzerinnen und Tänzern.

Doch ist Striptease und Tabledance wirklich eine Neuheit für das bisher scheinbar unbefleckte Bielefeld? Mitnichten. Ein Leser erinnert sich: "Bis in die 1960er Jahre gab es den Fürstenhof an der Niedernstraße und den Club Atlantik neben dem Bunker Ulmenwall." Damals ging es dort noch deutlich ruchloser zu.

Sogar ein Film über eine Bielefelder Stripperin existiert

Andere berichten von einer "wilden Zeit" in den 50er Jahren, als noch Nachtlokale wie das Atlantik, Trocadero, die Deele und eben der Fürstenhof, der sich mitten in der Bielefelder Altstadt-Fußgängerzone befand, die Innenstadt auf andere Art belebten.

Pikant: Der Fürstenhof lag in unmittelbarer Nähe zur Altstädter Nicolaikirche. Das Atlantik an der Kreuzstraße, in dessen Gebäude heute ein Restaurant thailändische Speisen anbietet, lag in nächster Nachbarschaft zur Neustädter Marienkirche.

1974 entstand unter dem Titel "Sex im Rampenlicht" sogar ein Film des Bielefelder Filmemachers Gunther Wolf über den Alltag einer Stripperin im Club Atlantik.

Im Jahr 2000 tauchten Pläne für einen Dollhouse-Stripclub auf

Doch dann verschwanden die Rotlicht-Lokale aus der Bielefelder Innenstadt. In den Jahren 2000/2001 tauchten von Investoren nochmals Pläne auf, wonach im ehemaligen Skala-Kino an der Herforder Straße ein Dollhouse-Stripclub nach Reeperbahn-Vorbild etabliert werden sollte. Doch das Tabledance-Konzept wurde - trotz grünen Lichts der Politik - nach kurzer Zeit wieder verworfen.

Seitdem gab es kein ähnliches Angebot mehr in der Stadt. Vielleicht auch nicht den Bedarf? Der Geschäftsführer des Palladium, der in Osnabrück eine ähnliche Bar betreibt, nennt seine Zielgruppen: Junggesellenabschiede, Firmen- und Weihnachtsfeiern.

Antrag für Striptease-Club liegt der Behörde nicht vor

An der Feilenstraße soll erotischer Tabledance oder Pole-Dance (Akrobatik an der Stange) gezeigt werden. „Komplett ausziehen ist bei uns verboten", sagt der Betreiber. Wie berichtet, lag dem Ordnungsamt auch nur der Antrag für ein Etablissement vor, in dem Pole-Dance angeboten werden soll, erklärte Christiane Krumbholz, Leiterin des Geschäftsbereichs Ordnung, Sicherheit und Gewerbe.

Denn Tanzdarbietungen sind genauso wie der Ausschank von Alkohol von der Stadt zu genehmigen. Ein Antrag für einen echten Striptease-Club wurde der Stadt hingegen nicht vorgelegt, so Krumbholz.

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