Riesengefahr für Gärten: Was wirklich gegen Buchsbaumzünsler hilft

Der Buchsbaumzünsler hat sich offenbar in diesem warmen Jahr so richtig in den Gärten breitgemacht. Dem Schädling aus Fernost ist allenfalls in einem frühen Stadium des Befalls beizukommen.

Susanne Lahr

Die befallenen Pflanzen werden schnell gelblich-beige und sehen vertrocknet aus. Auch Gespinste wie Spinnenweben sind ein Indiz. - © Susanne Lahr
Die befallenen Pflanzen werden schnell gelblich-beige und sehen vertrocknet aus. Auch Gespinste wie Spinnenweben sind ein Indiz. (© Susanne Lahr)

Bielefeld. Nach dem Eichenprozessionsspinner hat ein anderer Schädling Bielefeld erreicht: der Buchsbaumzünsler (auch Steinhagen ist wie berichtet von dem Schädling betroffen). In diesen Tagen mehren sich die Meldungen von verzweifelten Gartenbesitzern, deren Pflanzen von den Raupen des kleinen Falters kahl gefressen werden und absterben. Wer seine Buchsbaum-Bestände nicht komplett zurückschneiden oder gar vollständig vernichten will, muss jetzt sehr schnell werden.

So sieht die Raupe Nimmersatt, der Buchsbaumzünsler, aus, der so massiv die Buchsbaumbestände in Bielefeld und anderenorts bedroht. - © Klaus Böcker Elbracht
So sieht die Raupe Nimmersatt, der Buchsbaumzünsler, aus, der so massiv die Buchsbaumbestände in Bielefeld und anderenorts bedroht. (© Klaus Böcker Elbracht)

Bärbel und Stefan Steiner sind fassungslos. Als sie nach einer Urlaubswoche nach Hause und in ihren Garten am Jasminweg in Senne heimgekehrt sind, bieten ihre Buchsbaumhecken und -bäumchen ein Bild des Elends. Statt sattgrün sind sie gelblich-beige, trocken und an vielen Stellen mit Gespinsten zwischen den Zweigen versehen. Stefan Steiner hat den Verursacher schnell ausgemacht: In einem Schraubglas wimmelt es von etwa 5 Zentimeter langen, grünen Raupen mit schwarzen Punkten und schwarzem Köpfen. „Die fressen wirklich alles auf", sagt die 75-jährige Bärbel Steiner bekümmert.

Sehr viele Ratsuchende

Wie ihnen geht es mittlerweile ganz vielen Bielefeldern. Der giftige Buchsbaumzünsler ist nicht über Nacht gekommen, seine Präsenz hat in den vergangenen zwei Jahren peu à peu zugenommen. Aber in diesem Sommer schlägt der Schädling offensichtlich gnadenlos allerorten zu. „Die Menge an Kunden, die wegen des Zünslers um Rat und Hilfe nachfragen, hat bei uns seit 2017 um rund 700 Prozent zugenommen", schätzt TelliTellioglu, Einzelhandelsbeauftragter der Raiffeisen-Märkte in der Region.

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Diese Raupe frisst sich durch Steinhagens Gärten
Stefan Steiner ist entsetzt. In seinem Garten hat der Schädling schon erheblichen Schaden angerichtet. Er wird wohl alle Buchsbäume entfernen müssen. - © Susanne Lahr
Stefan Steiner ist entsetzt. In seinem Garten hat der Schädling schon erheblichen Schaden angerichtet. Er wird wohl alle Buchsbäume entfernen müssen. (© Susanne Lahr)

Bei dem Schädling handelt es sich um einen aus Ostasien eingeschleppten Kleinschmetterling. Er legt seine Eier hauptsächlich in die äußeren Blätter des Buchsbaums ab. Daraus schlüpfen die Raupen, die zuerst die Blätter und danach sogar die Rinde an den Ästen abfressen. Dabei sterben alle Pflanzenteile oberhalb der Fraßstellen ab. Das kann dann selbst große Buchsbäume zum Absterben bringen, heißt es seitens der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Drei bis vier Zyklen

Die kleinen, 4 bis 5 Zentimeter großen weiß-schwarzen Falter leben nur für rund neun Tage. In dieser Zeit legen die Weibchen ihre Eier vornehmlich an die Unterseite der Buchsbaumblätter. Bei Temperaturen von mehr als 7 Grad schlüpfen schon nach drei Tagen die Raupen, die dann in rund zehn Wochen sieben Larvenstadien durchlaufen.

Wenn die Buchsbäume nur wenig befallen sind, kann man versuchen, die Zünsler abzusuchen. - © Susanne Lahr
Wenn die Buchsbäume nur wenig befallen sind, kann man versuchen, die Zünsler abzusuchen. (© Susanne Lahr)

Bei Temperaturen von mehr als 20 Grad kann dieser Zyklus auch in nur drei Wochen durchlaufen werden. Die Raupen verpuppen sich, nach einer Woche ist der Falter fertig – und der Kreislauf beginnt von Neuem. Optimale Bedingungen finden die Buchsbaumzünsler bei Temperaturen zwischen 18 und 30 Grad. Und die hatten wir in diesem Sommer zuhauf. Der Winter war zu mild, als dass die Schädlinge eingegangen wären.

Dieter Mühlenweg, Gärtnermeister und Besitzer des gleichnamigen Bielefelder Gartenbaumarktes, ist mit seinem Garten selbst betroffen und kennt auch extreme Zünsler-Schicksale, teils fern von Bielefeld. „Im Garten des bekannten Barockschlosses Ludwigsburg gibt es Jahrhunderte alte Bestände. Die gehen alle jetzt kaputt, und die Gärtner sind machtlos."

Vor allem kommt oft noch ein Pilzbefall dazu, wenn die Buchsbäume durch den Zünsler bereits geschwächt sind", erklärt Mühlenweg. Für ihn ist diese Schädlingsplage ganz klar ein Ergebnis des Klimawandels. Bei den Temperaturen, die mittlerweile in Deutschland herrschen, fühle sich der Falter hier pudelwohl. Viel machen kann man aus seiner Sicht nicht.

Bekämpfung äußerst schwierig

Über die Frage, wie der Buchsbaumzünsler bekämpft werden kann, gehen die Meinungen offensichtlich auseinander. Dieter Mühlenweg meint fast schon geschäftsschädigend, dass eigentlich keines der auf dem Markt erhältlichen Mittel wirklich hilft. In seinem Garten, in dem seine Frau in der Vergangenheit rund 2.000 Buchsbäume gepflanzt hat, hat er es beispielsweise mit Alkenkalk versucht. „Ich habe zwei Zentner verstreut", so Mühlenweg. „Es hat nichts genutzt." Alle Bäume gingen nun nach und nach ein.

TelliTellioglu ist anderer Meinung. „Wenn man sehr frühzeitig den Befall bekämpft, lassen sich die Buchsbäume schon noch retten." Wichtig sei nur, die Mittel auch richtig anzuwenden. „Bacillus thuringiensis" habe sich als geeignetes Insektizid gegen den Buchsbaumzünsler erwiesen, sagt der Vertreter von Raiffeisen.

Die Reihenfolge ist wichtig

Um zu wirken, muss das biologische Mittel jedoch angewandt werden, wenn die Raupen gerade mit dem Fressen beginnen. Sie werden durch das Insektizid an der Weiterentwicklung gehindert. Um die schon abgelegten Eier und Larven zu töten, braucht es dann noch ein weiteres Schädlingsbekämpfungsmittel. Aber alles muss in der richtigen Reihenfolge passieren, es sollte nicht zu heiß sein, nicht regnen. Quasi jedes Blättchen müsste erreicht werden, was auch wegen der Gespinste nicht einfacher wird. Und wenn die Bienen fliegen, sollte der Gartenfreund auch nicht unbedingt sprühen.

Dieter Mühlenweg ist dieser ganze Aufwand zu viel. „Davon profitiert nur die Industrie." Er sagt wie die Steiners dem Buchsbaum ade. „Wir steigen auf kriechenden Ilex repandens um, der von Zünslern verschont wird. Und von Weitem ist er von Buchsbaum nicht zu unterscheiden."

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