Familienstreit neu entbrannt: Einstweilige Verfügung gegen Tönnies

Der 2017 in dem Familienkonzern geschlossene Frieden hielt nur zwei Jahre. Weil er sich übergangen fühlt, zieht Robert Tönnies jetzt wieder gegen seinen Onkel vor Gericht

Martin Krause

Hatten 2017 eigentlich Frieden geschlossen: Clemens Tönnies (l.) und sein Neffe Robert Tönnies. - © Wolfgang Rudolf
Hatten 2017 eigentlich Frieden geschlossen: Clemens Tönnies (l.) und sein Neffe Robert Tönnies. (© Wolfgang Rudolf)

Rheda-Wiedenbrück. Der jahrelange Streit zwischen Clemens Tönnies, dem 63-jährigen Chef des Fleischkonzerns Tönnies, und seinem Neffen Robert (41) ist wieder mit voller Wucht entbrannt. Nach Informationen dieser Zeitung geht Robert Tönnies, der mit 50 Prozent am Konzern beteiligte jüngere Sohn des 1994 verstorbenen Unternehmensgründers Bernd Tönnies, mit einer Einstweiligen Verfügung gegen die Übernahme von zwei Werken des schweizerischen Wurstwarenherstellers Bell Food vor. Konkret geht es um die Bell-Food-Standorte Suhl in Thüringen sowie Börger im Emsland mit zusammen rund 400 Mitarbeitern. Der Kauf war im Juni angekündigt worden.

Bell Food gehört mit einem Umsatz von 3,6 Milliarden Euro im Jahr 2018 zu den größten Unternehmen der Branche in Europa. Nach den Plänen der Tönnies-Geschäftsführung soll das deutsche Bell-Food-Geschäft, das mit Marken wie Zimbo einen Jahresumsatz von mehr als 70 Millionen Euro liefert, von der zu Tönnies gehörenden Zur-Mühlen-Gruppe übernommen werden. Doch Robert Tönnies beklagt nach den vorliegenden Informationen, dass die Zimbo-Übernahme ohne seine Zustimmung und gegen seinen Willen durchgeführt werden soll. Unzufrieden ist Robert Tönnies etwa, weil die zum Kauf stehenden Werke defizitär sein sollen. Der Beirat habe der Sache zudem bisher nicht zugestimmt – doch das wäre den Vereinbarungen zufolge nötig. Robert Tönnies habe daher nun beim Landgericht Bielefeld einen Antrag auf Einstweilige Verfügung gegen die Tönnies Holding und drei Geschäftsführer eingereicht, darunter seinen Onkel Clemens Tönnies selbst und Finanzchef Daniel Nottbrock.

Bundesweite Schlagzeilen als "Schlacht der Schlachter"

Ein Sprecher der Tönnies-Gruppe mochte das Thema am Sonntag nicht kommentieren, sagte aber, das Unternehmen habe einen „starken Beirat": „Dieses oberste Gremium klärt bei möglichen Differenzen und trifft die Entscheidungen."

Mehr als fünf Jahre lang schwelte die Tönnies-Fehde, die in mehreren Gerichtsprozessen öffentlich ausgetragen wurde und als „Schlacht der Schlachter" bundesweit Beachtung fand. Unter anderem hatte der Neffe, der sich von der Konzernführung ausgeschlossen fühlte, versucht, ein Mitspracherecht zu erstreiten, das seiner Unternehmensbeteiligung entspricht.

Im April 2017 einigten sich die Kontrahenten dann auf einen „Friedensvertrag", demzufolge Clemens und Robert Tönnies mit fünf weiteren Managern in einen Beirat einziehen, der zu wichtigen Entscheidungen gehört werden soll. Clemens Tönnies behielt zudem seinen Posten an der Spitze der operativen Konzernführung.

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