Frauen mit Nacktfotos erpresst - jüngstes Opfer war erst 13 Jahre alt

Nils Middelhauve

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Kreis Gütersloh/Bielefeld. Es war eine äußerst perfide Masche: Ein 21-jähriger Mann, der zur Tatzeit im Kreis Gütersloh lebte, drohte bei 62 Gelegenheiten jungen Frauen und Mädchen an, Nacktbilder von diesen zu veröffentlichen, sollten sie ihm keine sexuellen oder finanziellen Gefälligkeiten erweisen. In den allermeisten Fällen waren diese Versuche von wenig bis gar keinem Erfolg gekrönt. Eine Frau hielt dem derart aufgebauten Druck jedoch nicht stand, traf sich mit dem Mann und ließ den folgenden Geschlechtsverkehr über sich ergehen. Da dieser erzwungen war, muss sich Frank U. (Name geändert) nun wegen des Verdachts der Vergewaltigung sowie etlicher Fälle versuchter sexueller Nötigung vor dem Bielefelder Landgericht verantworten.

In der Verhandlung erklärte Verteidiger Mirko Roßkamp, dass sein Mandant sämtliche Vorwürfe einräume. Demnach nahm Frank U. ab September 2016 bis zum Oktober 2018 zunächst meist unter einem Alias-Namen über Internet-Plattformen Kontakt zu seinen Opfern auf. Mal bot er ihnen Geld für Nacktbilder, mal gab er sich als Agent von Modelagenturen oder für Pornoproduktionen aus, dem die Frauen entsprechendes Bewerbungsmaterial zukommen lassen sollten. Erschreckenderweise gingen einige auf den Vorschlag ein – selbstredend ohne folgende entsprechende Honorierung.

In einigen Fällen behauptete der Angeklagte, sterbenskrank zu sein

Stattdessen drohte der Angeklagte, weiterhin unter einem falschen Namen, damit, die kompromittierenden Bilder zu veröffentlichen, sollten ihm die Frauen nicht weiteres Bildmaterial oder Geld schicken – oder aber Sex mit einem Freund des Mannes haben, bei dem es sich um einen Frank U. handle. In einigen Fällen behauptete der Angeklagte, sterbenskrank zu sein und fragte die Frauen, ob sie vor diesem Hintergrund zum Sex mit ihm bereit seien.

Dieselbe Masche wendete U. auch bei Frauen an, die ihm keinerlei Bildmaterial zur Verfügung gestellt hatten – doch reichte oftmals bereits der dreiste Bluff, um den Opfern gehörige Angst einzujagen. Glücklicherweise ließen sich die allermeisten Frauen und Mädchen – das jüngste Opfer war erst 13 Jahre alt – nicht auf die Forderungen des Angeklagten in. In einem Fall traf sich U. jedoch tatsächlich mit einer der von ihm angeschriebenen Frauen, die unter dem Druck der vermeintlich realen Drohungen den Geschlechtsverkehr über sich ergehen ließ.

Neben den Erpressungs- und Nötigungsversuchen ist Frank U. darüber hinaus angeklagt, Ende 2017 seiner Ex-Freundin nachgestellt zu haben. Nachdem diese sich von ihm getrennt hatte, terrorisierte er sie und ihre Familie, diffamierte sie am Arbeitsplatz, klemmte einem Freund der Frau Nacktbilder seiner Ex unter die Autoscheibenwischer. Der Prozess wird am 18. Juli fortgesetzt.

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