Lügde-Prozess: Alle Angeklagten legen Geständnisse ab

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Missbrauchs-Prozess Lügde - © Foto: Bernd Thissen
Das sind die Angeklagten: Heiko V., Mario S. und Andreas V. im Saal des Landgerichtes. In der Mitte Anwalt Jürgen Bogner. (© Foto: Bernd Thissen)

Detmold - Im Prozess um hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde haben die beiden Hauptangeklagten am ersten Verhandlungstag überraschend Geständnisse abgelegt.

Andreas V. (56) und Mario S. (34) räumten die angeklagten Taten vor dem Detmolder Landgericht über ihre Verteidiger weitestgehend ein. Bei den Ermittlungen waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden, angeklagt sind die Gewalttaten gegen 34 minderjährige Opfer, wie eine Gerichtssprecherin sagte.

Lügde-Prozess: Alle Angeklagten legen Geständnisse ab
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Ein großer Prozess für ein vergleichsweise kleines Gericht: «Das Lügde-Verfahren ist mit Blick auf das bundesweite Presse-Interesse sicherlich das größte Verfahren, dass wir hier am Landgericht Detmold jemals hatten», sagt Sprecher Wolfram Wormuth vor Prozessbeginn wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern. 2016 hatte hier der frühere SS-Wachmann Reinhold Hanning auf der Anklagebank Platz genommen, der 2017 nach Verurteilung starb.

Damals wich das Gericht aus Platzgründen in die Räume der Industrie- und Handelskammer aus. Wie bereits beim SS-Verfahren wird Anke Grudda als Vorsitzende Richterin das Verfahren gegen die drei Angeklagten leiten. Der kleine Raum 165 hat nur 73 Plätze. Für die vielen Nebenkläger wurden eigens neue schmalere Tische gekauft, damit alle Opferanwälte sitzen können. Eine Zeugen-Aussage per Video-Übertragung aus einem anderen Raum ist möglich.

Bei dem dritten Angeklagte Heiko V. (49) war zunächst unklar, ob er gestehen würde. Sein Verteidiger hatte umfassende Äußerungen angekündigt. Kurz zuvor hatten alle Verfahrensbeteiligten mit der Vorsitzenden Richterin Anke Grudda ein nicht-öffentlichen Rechtsgespräch geführt.

Der Prozess gegen Andreas V. aus Lügde, Mario S. aus Steinheim (NRW) und Heiko V. aus Stade (Niedersachsen) mit der Anklageverlesung unter vorübergehendem Ausschluss der Öffentlichkeit begonnen. Alle 18 Anwälte, die 28 Opfer als Nebenkläger vertreten, hatte dies beantragt. Opferanwalt Christian Thüner hatte kurz vor Behandlungsbeginn gesagt, er hoffe auf Geständnisse. So könnten den Opfern Zeugenaussagen wohl erspart bleiben.

Die Vorsitzende Richterin Grudda betonte, schutzwürdige Interessen der Opfer würden sonst erheblich verletzt. Deren Namen seien in den Anklagen genannt. Ebenso würden die vorgeworfenen Missbrauchstaten im Detail aufgeführt, die gegen die Kinder und Jugendlichen verübt worden sein sollen. Auch alle Medienvertreter mussten den Saal verlassen.

Die Taten sollen sich vor allem auf einem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen ereignet haben. Andreas V. werden fast 300 Straftaten vorgeworfen. Er soll im Sommer 1998 und von 2008 bis 2018 insgesamt 23 Mädchen teilweise schwere sexuelle Gewalt angetan haben. Bei ihm fanden sich fast 900 Bild- und Videodateien, die sexuelle Übergriffe auf Minderjährige zeigen.

Der 34-jährige Mario S. ist angeklagt, in rund 160 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht zu haben. Der Mann soll die Gewalttaten über einen Zeitraum von 20 Jahren ab 1999 auf dem Campingplatz und in seiner Wohnung verübt haben. Bei ihm wurden rund 4800 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Material sichergestellt.

Den Vorwürfen zufolge hatten beide Männer manche Gewalttaten gefilmt. Einige der Kinder wurden Opfer sowohl von Andreas V. als auch auch von Mario S. Alle Opfer waren minderjährig, die jüngsten sollen erst vier Jahre alt gewesen sein. Der dritter Angeklagter (49) soll an mindestens vier Webcam-Übertragungen teilgenommen und teils zu den Taten angestiftet haben.

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