Hunde und Katzen: Diese Tiere suchen dringend ein neues Zuhause

Tierheim Gütersloh: Für die Tiere ist dieser Aufruf vielleicht ihre Chance, interessierte und geeignete Besitzer zu finden

Jeanette Salzmann

Die Zwinger des Gütersloher Tierheims sind voll. - © Andreas Fruecht
Die Zwinger des Gütersloher Tierheims sind voll. (© Andreas Fruecht)
Gütersloh. Die Zwinger des Gütersloher Tierheims sind voll. Jeder Bewohner sucht ein Plätzchen in einem neuen eigenen Zuhause. Keine leichte Aufgabe, aber die Hoffnung stirbt selbst bei schwer vermittelbaren Tieren zuletzt. Irgendwo gibt es immer ein Herrchen oder Frauchen, das bereit ist, ein paar Ecken und Kanten in Kauf zu nehmen oder eben genau dieses Tier mit seiner Besonderheit gesucht hat. Also los!

Hund Ruby

Seine ursprüngliche Besitzerin meinte es gut und machte es am Ende doch falsch: Als Tierschützerin beherbergte sie so viele heimatlose Tiere in ihrer Wohnung, dass sie am Ende die Kontrolle über die zahlreichen Vierbeiner verlor. Ruby wurde zum Tierschutzfall und wurde aus seinem Zuhause geholt. Seit zwei Wochen wohnt die achtjährige Hündin deshalb im Tierheim Gütersloh und ihre Pfleger hoffen auf eine schnelle Vermittlung der quierligen Podenco-Mix-Hündin. „Sie liebt es, unter einer Decke zu schlafen", weiß ihr Tierpfleger.

Und weil sie auch ansonsten sehr menschenbezogen und verschmust ist, wird Ruby gewiss ihren Kuschelplatz bei ihrem neuen Menschen suchen. Aber Ruby wäre gewiss nicht im Tierheim, wenn sie nicht auch einen Makel hätte: „Sie muss noch lernen, alleine zu bleiben", das kennt sie augenscheinlich nicht und reagiert entsprechend laut. Da sie rassetypisch einen Jagdtrieb hat, sollte sie in der Natur keinesfalls abgeleint werden. „Sie liebt es, sich zu bewegen, am Fahrrad zu laufen", deshalb wird ein sportliches Herrchen oder Frauchen gesucht. Kinder sind kein Problem für Ruby – wenn sie etwa ab acht Jahren etwas standfester auf den Beinen sind. Spielfreundin garantiert!

Gütersloher Tierheim: Diese Hunde und Katzen suchen ein neues Zuhause

Hund Toffee

Auch Toffee war einer von vielen und wurde zusammen mit Ruby (siehe oben) aus einer Wohnung geholt, wo so viele Hunde zusammen lebten, dass die Situation für Mensch und Tier eskalierte. Der dreijährige Rüde ist ein Stürmer in allen Belangen. „Eine totale Wasserratte", dazu ein Läufer und wachsamer Zeitgenosse. Welche Rassemerkmale nun genau in Toffee stecken, weiß man nicht. Ein bisschen Podenco, ein bisschen Australien Sheppard – egal, Toffee ist ein robuster Hund im besten Alter, der ein neues Zuhause sucht.

Allerdings hat er – genau wie Ruby – das Alleinsein nie kennengelernt. „Hier ist Training notwendig", sagen seine Pfleger und sind zugleich sehr zuversichtlich, denn: „Toffee ist super gelehrig!" Schon in den zwei Wochen im Tierheim hat er große Fortschritte gemacht, lernt Grundkommandos und hat das Prinzip „Belohnung durch Leckerchen" binnen weniger Stunden begriffen. „Eine coole Hündin an seiner Seite könnte eine gute Alternative sein", meinen seine Tierpfleger. Dann könnte sein aufbrausendes Temperament auf ganz natürliche weise gezügelt werden. Draußen herrscht übrigens auch für Toffee Leinenpflicht, sonst sind die Hasen nicht mehr sicher.

Hund Bello

Seine Familie hatte ihn im Urlaub im Kosovo entdeckt und als Welpen mit nach Deutschland gebracht. Drei Jahre ist das nun her – vor sechs Wochen wurde er wegen totaler Überforderung im Tierheim abgegeben. Tschüss, Bello. Inzwischen ist der Labrador-Mischling zum §3-Hund geworden und gilt als „gefährlich". Der Grund: „Er hat einen anderen Hund gebissen, dessen Besitzerin wollte die Tiere trennen und ist selbst gebissen worden", erklären Bellos Tierpfleger. Für den Rüden heißt das nun Maulkorbzwang in der Öffentlichkeit und eine höhere Steuerbelastung.

Nicht die besten Voraussetzungen für eine Vermittlung, aber das Tierheim hat verhandelt und ein Zugeständnis der Ordnungshüter eingeholt: „Mit einem einfachen Wesenstest kann die Auflage für den neuen Besitzer aufgehoben werden." Das dürfte zu schaffen sein, denn Bello ist ein „total menschenbezogener Hund", der mit dem nötigen Maß an Hundeerfahrung gewiss in die richtige Bahn zu lenken ist. Kinder kennt er und sind für den goldfarbenen Rüden auch kein Problem. Allerdings sollte Bellos Garten einen ordentlichen Zaun haben. „Er ist ein erstaunlicher Kletterkünstler", aber er will halt raus aus dem Tierheim.

Kater Charly

Er ist groß, stabil, verschmust, sehr anhänglich und hellwach: Charly mit den Bernsteinaugen ist etwa zwei Jahre alt und seit fünf Wochen im Tierheim Gütersloh. Hier sitzt er in Einzelhaltung, denn die Kombination mit den vielen anderen Katzen ist etwas, das er gar nicht leiden kann. Vielleicht war er ein Streuner, vielleicht ein lieber Hofkater, in jedem Fall aber ein Unglücksrabe, denn er tappte in eine Jagdfalle im Raum Herzebrock-Clarholz. Ein möglicher Besitzer hat sich seither nicht gemeldet, also muss jetzt dringend ein neues Zuhause für Charly gefunden werden.

Inzwischen ist er kastriert, „und er markiert auch nicht", wissen seine Tierpfleger. Aber sein Fell zeugt von seiner Seelen-Not: einige kahle Stellen deuten auf ein Stresssymptom hin. Eingesperrt sein, dass kennt Charly nicht. Er braucht dringend Auslauf.
Der rot-weiße Kater liebt es, zu spielen. „Wenn er seine fünf Minuten hat, dann wird’s auch schon mal ruppig", wissen seine Pfleger. Kleine Kinder sind deshalb vielleicht nicht unbedingt als Spielgefährten geeignet, große durchaus. Eines attestiert man dem Kater im Tierheim: „Er ist eine Intelligenz-Bestie!" Charly ist gelehrig und clever. Und er will hier raus!

Kater Ronny

Er ist ein wunderschöner, stattlicher roter Tiger mit zutraulichem Blick. Doch das Schicksal hat ihm übel mitgespielt. Der etwa fünf Jahre alte Ronny ist in Herzebrock krampfend aufgefunden und ins Tierheim gebracht worden. Zu diesem Zeitpunkt war der Kater blind. „Wir dachten zunächst an eine Vergiftung", sagt seine Tierpflegerin. Als es ihm besser ging sollte Ronny in ein neues Zuhause vermittelt werden – aber plötzlich wurde er wieder krampfend aufgefunden. Inzwischen steht fest: der Kater hat Epilepsie. Deshalb muss Ronny zwei mal am Tag Medizin bekommen in Form von Tabletten, die einfach in sein Futter gerührt werden.

Trotzdem: Ronny will hier raus aus dem Katzenhaus und sucht ein neues Zuhause, einen Platz, an dem er sein darf wie er ist. „Wir suchen die Nadel im Heuhaufen", sagen die Tierpfleger. Streicheln mag Ronny nicht so recht, er gehört zu den eher ängstlichen Exemplaren, „aber er ist niemals böse", beteuern die Pfleger. Dafür liebt er seine Artgenossen und er mag es, draußen zu sein. Das ist das Leben, dass er wohl seit jeher kennt. Ronny kann es nicht erzählen, aber er hofft trotzdem, dass er ein ruhiges Zuhause findet – eines ohne Hund...

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