Albtraum: Hund hängt tagelang auf Bielefelder Friedhof fest

Susanne Lahr

Zweieinhalb Tage hat Lucky auf dem Sennefriedhof festgesessen. Besitzerin Katja Liedtke ist überglücklich, dass sie ihn wieder hat. - © Susanne Lahr
Zweieinhalb Tage hat Lucky auf dem Sennefriedhof festgesessen. Besitzerin Katja Liedtke ist überglücklich, dass sie ihn wieder hat. (© Susanne Lahr)

Sein Jagdtrieb wird Rüde Lucky zum Verhängnis. Familie Liedtke sucht zweieinhalb Tage vergeblich nach ihrem Hund. Selbst der Einsatz dreier Spürhunde bleibt ohne Erfolg. Doch sein Name macht Lucky schließlich Ehre.

Bielefeld. Albtraum für jeden Hundehalter: Zweieinhalb Tage fehlt von einem großen Mischlingshund in Senne jedwede Spur. Trotz intensiver Nachsuche, Aufruf in den sozialen Medien und sogar dem Einsatz dreier Pet- and Mantrailer-Spürhunde. Lucky ist auf dem Sennefriedhof ausbüxt, seine 5-Meter-Flexi-Leine im Schlepptau. Besitzerin Katja Liedtke wähnt ihn in ihren schlimmsten Vorstellungen schon stranguliert an einem Zaun. Doch der vierjährige Rüde macht seinem Name alle Ehre.

Rückblick: Die 39-Jährige und ihr Mann Björn Liedtke unternehmen am Mittwochabend von der Bretonischen Straße aus noch einen Spaziergang auf dem Sennefriedhof. Lucky muss dort an die Leine und damit er trotzdem noch ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit hat, nimmt Katja Liedtke die eher ungeliebte Flexleine. Diese hat sie locker in der Hand, als Lucky plötzlich hinter zwei Kaninchen herflitzt. „So schnell konnte ich gar nicht reagieren."

Die Aufregung ist eher gering, da der große schwarz-weiße Hund gegen die wendigen Karnickel erwiesenermaßen keine Chance hat. Doch auch nach einige Warteminuten kommt Lucky nicht zurück. Ein im Caddy vorbeikommender Friedhofsmitarbeiter berichtet, dass der Revierförster den Hund gesehen habe. Eine Stunde lang sucht das Ehepaar auf dem rund 4 Hektar großen Friedhof nach Lucky rufend und pfeifend. „Dann mussten wir wegen der Kinder nach Hause", erzählt Katja Liedtke. Dort angekommen informiert sie gleich Polizei und Tierheim.

Wildfremde haben Hilfe angeboten

Töchterchen Mayvi (5) ist in Tränen aufgelöst. Die älteren Jungs, Finley (13) und Alister (11), schwingen sich noch einmal aufs Rad. Abends fährt auch Katja Liedtke noch mal los. „Aber es gab kein Lebenszeichen von dem Hund", schildert die 39-Jährige. Ehemann Björn setzt auf die sozialen Medien, erstellt auch ein Suchplakat über das Tierregister Tasso. „Und die Hilfsbereitschaft war extrem", schildert die Sennerin, „selbst wildfremde Menschen haben angeboten zu helfen."

Der nochmalige Anruf am Donnerstagnachmittag im Tierheim bringt den Hinweis auf die Mantrailer, die auch vermisste Haustiere suchen. „Am Donnerstagabend waren wir schließlich mit drei Spürhunden auf dem Sennefriedhof", erzählt Katja Liedtke, die nachmittags bereits mit ihren Kindern noch einmal eifrig gesucht hat. Sie hat Halsband, Hundedecke, Bürste mitgebracht, damit die Hunde – darunter auch ein Schweißhund – Witterung aufnehmen können. „Die sind auch wie das Gewitter gestartet, aber gefunden haben sie Lucky nicht. In dem Moment war ich schon sehr enttäuscht." Um 22.45 Uhr wird die Suche abgebrochen, und Familie Liedtke hat eine zweite schlaflose Nacht.

Im Gebüsch auf Betriebshof verheddert

Dann klingelt am Freitagmorgen auf der Arbeit ständig ihr Handy. Als sie rangehen kann, ist die Friedhofsgärtnerei dran. Lucky sitzt wohlbehalten, aber ausgehungert, in einem Büro des Betriebshofes. Der Mitarbeiter berichtet, dass der Hund am Morgen in einem Gebüsch auf dem Betriebshofgelände entdeckt worden ist, wo er sich mit seiner Flexleine verheddert hatte. Der Rüde ist unverletzt. Eine Freundin holte das Tier ab, da Katja Liedtke die Arbeit nicht verlassen kann und auch Ehemann Björn als Berufsfeuerwehrmann nicht abkömmlich ist.

Jetzt gibt es einen Peilsender

Zum fünften Geburtstag am 5. Juli bekommt Lucky nun einen GPS-Sender. „Den hat mein Mann sofort nach dieser Aktion bestellt", sagt Katja Liedtke und lacht. Denn dank des Jagdtriebes ihres ansonsten absolut friedlichen und gemütlichen Hundes ist ein neuerlicher „Ausflug" nicht ganz undenkbar.

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