Britische Armee verabschiedet sich mit einer Parade aus Gütersloh

Nach fast 75 Jahren wird der Union Jack offiziell eingerollt. Das bewegt sowohl Briten als auch Gütersloher. Hier geht's zur Fotostrecke und einem Video.

Rainer Holzkamp

Der letzte Aufmarsch: Bie britische Armee marschiert durch die Innenstadt. - © Andreas Frücht
Der letzte Aufmarsch: Bie britische Armee marschiert durch die Innenstadt. (© Andreas Frücht)

Gütersloh. Mit einer eindrucksvollen Parade in der Innenstadt und vorm Rathaus haben sich die britischen Streitkräfte am Montag offiziell aus Gütersloh verabschiedet – nach fast 75 Jahren. Bei strahlendem Sonnenschein standen zahlreiche Bürger Spalier beim Marsch durch die Fußgängerzone, und bestimmt mehr als 1.500 Zuschauer verfolgten die anschließende Fahnenband-Zeremonie auf dem Konrad-Adenauer-Platz, wo es vor allem darum ging, einen Platz mit guter Sicht zu ergattern.

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Mucksmäuschenstill war es, als um kurz vor 16 Uhr an der Sammelstelle Daltropstraße sowohl die noch verbliebenen 120 Soldaten des 26. Königlichen Artillerie-Regiments und die aus England eigens eingeflogene Kapelle „Band of The King‘s Division" auf Kommando Aufstellung nahmen. Die leisen Gespräche am Straßenrand waren mit einem Mal verstummt. Dann donnerte plötzlich die Pauke in die Stille, Posaunen und Trompeten ertönten und gaben das Startsignal: Der Abmarsch beginnt.

Ein historischer Moment in Gütersloh

In gestriegelten Uniformen und blitzend glänzenden Schuhen ging es zackig Richtung Rathaus. Auf beiden Seiten der Berliner Straße standen die Menschen mindestens in zwei Reihen, um das Spektakel zu verfolgen. Viele hatten ein Eis in Hand, noch mehr das Smartphone gezückt, um Fotos zu schießen. Schließlich war es nicht weniger als ein historischer Moment, wie Bürgermeister Henning Schulz wenig später in seiner Rede feststellte.

Die Stimmung war ausgesprochen freundlich. Vorm Rathaus wedelten gar zahlreiche Zuschauer mit Union-Jack-Fähnchen. Angetan zeigte sich der Sprecher der Britischen Streitkräfte in Deutschland, Mike Whitehurst, von der Resonanz. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute kommen. Das empfinde ich auch als Kompliment für uns". Wohl die wenigsten hatten mit dem Andrang gerechnet. Schließlich war der Termin auf einem Montagnachmittag nicht gerade arbeitnehmerfreundlich.

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"Die haben noch Zug drin, die Engländer"

Und man sah auch tatsächlich besonders viele Ältere unter den Zuschauern. Voller Anerkennung bemerkte einer von ihnen gegenüber seinem Nachbarn am Straßenrand beim Vorbeimarsch der beiden Kompanien: „Die haben noch Zug drin, die Engländer."

Am Rathaus waren auf einem der Rasenplateaus Stühle für die Ehrengäste aufgestellt, darunter der Gründer und Ehrenvorsitzende des vor 41 Jahren gegründeten Anglo-German-Clubs, John Gibson, und auch der heutige Vorsitzende Frank Mertens.

Garant für Sicherheit und militärisches Gleichgewicht

Zweisprachig begrüßt wurden alle vom Bürgermeister, dessen goldene Amtskette im Sonnenlicht funkelte. „Vielleicht werden wir erst in der wissenschaftlich-historischen Aufarbeitung wirklich erkennen, wie sehr Gütersloh vom Zusammenleben mit britischen Soldaten und ihren Familien geprägt war" sagte Schulz, nachdem er wie auch Landrat Sven-Georg Adenauer und Harsewinkels Stadtoberhaupt Sabine Amsbeck-Dopheide durch die Reihen der strammstehenden Soldaten ging und kurze persönliche Gespräche führte.

Zudem hob Schulz hervor, die in Deutschland und Gütersloh stationierten britischen Streitkräfte seien Garant für Sicherheit und militärisches Gleichgewicht im Kalten Krieg gewesen. „Und Sie haben als Teil der Nato vor und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs dort Einsatz gezeigt, wo demokratischen Gesellschaftsordnungen verteidigt werden mussten."

"Thank you and Danke"

Insgesamt 30 internationale Einsätze des 26. Artillerieregiments seit Beginn der Stationierung vor 30 Jahren zählte der Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Deutschland, Brigadegeneral Richard Clements, auf. Nirgendwo sei das Regiment länger beheimatet gewesen als in der nach dem General Sir Robert Mansergh benannten Kaserne an der Verler Straße. In Anerkennung der Verdienste wurde der Einheit das Fahnenband der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Die Auszeichnung überreichte der Landeskommandeur NRW, Torsten Gersdorf, an Oberstleutnant Kieran Sheldon.
Zum Abschluss und zur Freude der Zuschauer umrundeten Kompanien und Kapelle mit klingendem Spiel noch zwei Mal den Platz, und die Band in ihren roten Uniformen gab noch einige Zugaben. Erneut großer Applaus und dann war‘s aus. Es folgte noch ein Empfang im Ratsaal. Brigadier Clements sagte zum Abschied: „Thank you and Danke!"

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