Doppelmörder stirbt in Bielefelder Hotel

Am Samstag fanden Hotel-Angestellte des Golden Tulip in der Altstadt den Leichnam eines Mannes. Kein Unbekannter. Die Mordkommission ermittelt und verhaftet einen Hotelgast, der flüchten wollte

Stefan Becker

In dem Bielefelder Hotel Golden Tulip fanden die Mitarbeiter am Wochenende einen toten Mann. | - © Andreas Zobe
In dem Bielefelder Hotel Golden Tulip fanden die Mitarbeiter am Wochenende einen toten Mann. | (© Andreas Zobe)

Bielefeld. Die "Gemütlichkeit in der Altstadt" erlitt am Wochenende einen herben Dämpfer, als Mitarbeiter des Hotels Golden Tulip am Samstagmorgen den Leichnam eines Mannes in einem der Zimmer entdeckten. Es soll sich bei dem Toten um den verurteilten Doppelmörder Erdal A. handeln.

Die Angestellten des 4-Sterne-Hauses fanden den Toten mit einer Schusswunde im Kopf. Ob er sich diese selbst zufügte oder Opfer eines Verbrechens wurde - dazu sagte Polizeisprecherin Sarah Siedschlag am Montagmorgen: "Vermutlich handelt es sich um einen Suizid". Die Obduktion am Dienstag soll die Annahme bestätigen.
Hotelgast macht sich verdächtig

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Im Zusammenhang mit der Bluttat nahmen die Beamten am Samstag noch einen Hotelgast fest, der sich selbst in Verdacht gebrachte hatte. Denn als zuerst die uniformierten Polizisten vorfuhren, um den Tatort zu sichern, bekam der Mann offenbar Panik und ergriff die Flucht. Allerdings so unauffällig, dass die Beamten ihn nicht als spazierenden Touristen seines Weges gehen ließen, sondern als potenziellen Beteiligten einordneten und nach ihm fahndeten.

Das Ergreifen des Flüchtigen sei dann ziemlich schnell gegangen, bercihtete Siedschlag. Wie sich herausgestellt habe, existierten für den Mann gleich zwei Haftbefehle wegen des Handels mit Betäubungsmitteln. Noch am Samstag musste der 36-Jährige aus Bad Lippspringe sein Hotelbett gegen die Pritsche in der U-Haft tauschen. Dort werde dann in den nächsten Tagen entschieden, welches Gefängnis ihn zukünftig dauerhaft beherbergt.
Lebensgefährtin und Kollegin getötet

Die kriminelle Geschichte des Toten dagegen ist die eines blutigen Beziehungs-Dramas: Der Bielefelder Erdal A. tötete im Oktober 2001 seine ehemalige Lebensgefährtin und deren Kollegin, als er in Melle in eine Arztpraxis stürmte und die beiden Frauen mit mehreren Schüssen aus einer Pistole hinrichtete. Anschließend stellte er sich den Behörden und erhielt 2002 eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren.

Wie damals im Prozess bekannt wurde, hatte er nach der Trennung seiner Ex-Freundin deren Familie wiederholt mit dem Tode gedroht, sollte sie nicht zu ihm zurück kehren. Die junge Frau hatte ihre Eltern noch vor der möglichen Brutalität des Mannes gewarnt und häufig ihre Blessuren weggeschminkt, die er ihr zugefügt hatte. Doch schützen konte sie sich nicht und erlag den tödlichen Schüssen.

Auch zwei Brüder von Erdal A. saßen ein wegen schwerer Delikte - der eine hatte seine Vermieterin mit 30 Messerstichen getötete, als diese ihn wegen Mietschulden die Wohnung kündigte und der andere machte sich der Vergewaltigung schuldig. Wegen guter Führung und einer positiven Sozialprognose durfte Erdal A. 2011 die Haftanstalt vorzeitig verlassen.

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